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Siemens, Amprion und TransnetBW: Ultranet – Technologiesprung für Deutschland und die Welt

Fortsetzung des Artikels von Teil 1.

Neue Leiterseile, keine Trassenänderung

Dr. Mrosik Bildquelle: © SIEMENS AG

Dr. Jan Mrosik, CEO der Division Energy Management von Siemens, erklärt: "Ein faszinierendes Projekt, es ist weltweit einmalig, wir setzen dies zum ersten Mal so um, es bedeutet einen Technologiesprung in Deutschland, für Deutschland und danach für die Welt".

Dass sich die Erzeugung des Stroms von dem Verbrauch lokal entkoppelt, ist nicht nur ein Phänomen in Deutschland, es gilt genauso für Europa und auch weltweit. So befinden sich beispielsweise große Staudämme meist nicht dort, wo die erzeugt Energie benötigt wird, sie muss über hunderte und teilweise sogar tausende Kilometer transportiert werden: Und hier kommt vor allem die Gleichstromtechnik zum Einsatz. Sie ist ein Schlüssel, um die fluktuierende Energieerzeugung und den Bedarf großflächig auf europäischer Ebene ausgleichen zu können. Deshalb sind neben den drei Trassen in Deutschland bereits zahlreiche weitere HGÜ-Trassen geplant oder bereits gebaut. Ähnliches gilt auch für die übrigen Weltregionen. "Übertragungssysteme, die sehr hohen Mengen an Energie transportieren können, sind also weltweit erforderlich. Die HGÜ ist ein Wachstumsmarkt und eine Zukunftstechnik, die wir in Deutschland entwickeln und fertigen - für die gesamte Welt", sagt Mrosik.

Erst im vergangenen Jahr ging die HGÜ-Strecke zwischen Baixas in Frankreich und Santa Llogaia in Spanien in Betrieb (INELFE). Für die weltweit erste 2 x 1000-MW-Strecke hat Siemens die beiden Konverterstationen gebaut. Hier ging es aber nicht in erster Linie darum, die Energie über eine weite Strecken zu transportieren, sondern darum, die Netze von Frankreich und Spanien zu koppeln, so dass der Strom auf europäischer Ebene besser verteilt werden kann. Die neue Verbindung hatte die Übertragungskapazität zwischen beiden Ländern auf einen Schlag verdoppelt. Weil Freileitungen nicht die Landschaft verschandeln sollten, hatten sich die Betreiber entschlossen, die rund 65 km lange Strecke zwischen den Konverterstationen mit Kabeln zu überbrücken, die in ein einem Tunnel verlegt sind. Also kam hier die HGÜ-Technik zum Einsatz, deren Vorteile beim Transport über Kabel schon bei viel kürzeren Strecken als bei der Übertragung über Freileitungen zum Tragen kommen. 

Die Halbleiterbausteine, die die die Umwandlung von Wechselstrom in Gleichstrom und umgekehrt erst möglich machen, sind aber in beiden Fällen dieselben: Es handelt sich um IGBTs, die in Modulen zusammengefasst und in Türmen aufgebaut in riesigen Hallen stehen. "HVDC Plus" heißt diese auf IGBTs (Insulated Gate Bipolar Transistor) basierende Technik bei Siemens.