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Siemens, Amprion und TransnetBW: Ultranet – Technologiesprung für Deutschland und die Welt

Fortsetzung des Artikels von Teil 3.

Für Multi-Terminal-Betrieb ausgelegt

Im ersten Abschnitt verläuft die Ultranet-Trasse zwischen dem Raum Osterath und dem Raum Philippsburg (die genauen Standorte stehen noch nicht fest). Amprion und TransnetBW bauen die neue HGÜ, weil sie durch ihre Versorgungsgebiete führt. Da trifft es sich gut, dass die Leiterseile weitgehend an den Masten der bestehenden Trasse angebracht werden können. Den Leiterseilen ist es grundsätzlich egal, ob Wechselstrom oder Gleichstrom durch sie hindurchfließt, für die Gleichstromübertragung sind lediglich etwas andere Isolatoren als für die Wechselstromübertragung erforderlich. Den hybriden Aufbau haben Siemens und Universitäten in Simulationen getestet, gegenseitige unerwünschte Beeinflussungen wurden nicht festgestellt.  Teilweise müssen auch neue Masten auf der bestehenden Trasse gebaut werden - die Investitionen dafür fallen aber im Rahmen des Gesamtprojekts kaum ins Gewicht. "Die Leistungsfähigkeit der Trasse steigt, ohne dass sich ihr Erscheinungsbild verändert", fasst Dr. Klaus Kleinkorte, Geschäftsführer von Amprion, zusammen.

Fast der gesamte Investitionsaufwand von 900 Mio. Euro fließt nämlich in die beiden Konverterstationen. Sie verwandeln am einen Ende den Wechselstrom aus  dem Netz in den Gleichstrom, der durch die Autobahn fließt und am anderen Ende wieder in den Wechselstrom, der in das Netz eingespeist wird, das die Energie dann zu den Verbrauchern bringt. So kann Windstrom aus dem Norden nach Süden fließen. Wenn aber der Wind im Norden nicht weht, dafür die Sonne im Süden scheint, kann der PV-Strom umgekehrt zu den Verbrauchern fließen.

 

INELFE ist genauso wie Ultranet auf eine Leistung von 2 GW ausgelegt. Aber es gibt einen wichtigen Unterschied. Bei INELFE handelt es sich um eine reine Punk-zu-Punkt-Verbindung, während die Ultranet von Osterath in Richtung Norden weiter fortgeführt werden soll. Deshalb hat Siemens die Ultranet-Konverterstationen von Anfang an für den Multi-Terminal-Betrieb ausgelegt und das macht die völlig neue Technik erforderlich, von der Dr. Jan Mrosik eingangs sprach: Während die Konverter bei INELFE auf Basis der Halbbrückentechnik arbeiten, kommt bei Ultranet die Vollbrückentechnik zum Einsatz. Über diese Technik lässt sich die Netzspannung nun so regulieren und stabilisieren, wie dies bisher konventionellen Kraftwerke gemacht haben. Die Konverter sind schwarzstartfähig, sie können also dazu beitragen, das Netz nach einem Ausfall wieder hochzufahren. Und mit der Technik lässt sich die Gleichspannung sehr schnell ändern, um zu verhindern, dass die Verbindung nach Witterungseinflüssen wie Blitzschlägen für längere Zeit unterbrochen bleibt. "Die Vollbrückentechnik klärt Fehler sehr schnell und kann so zuverlässig verhindern, dass sich Netzfehler zum Blackout ausweiten", erklärt Jan Mrosik.

 

Damit ist Ultranet ein Leuchtturmprojekt, das weit in die Zukunft weist. "Die Vollbrückentechnologie ebnet den Weg für die Netzgeneration von morgen. Die Vision besteht darin, bis  2050 auf ein europaweites DC-Overlay-Grid aufzubauen", sagt Mirko Düsel, CEO Business Unit Transmission Solutions von Siemens.

Dr. Jan Mrosik, Siemens: "Ein faszinierendes Projekt, es ist weltweit einmalig, wir setzen dies zum ersten Mal so um, es bedeutet einen Technologiesprung in Deutschland, für Deutschland und danach für die Welt."