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Erdkabel sind vier- bis achtmal teurer als Freileitungen

15. Dezember 2014, 11:40 Uhr   |  Heinz Arnold

Erdkabel sind vier- bis achtmal teurer als Freileitungen
© Tennet

Dipl.-Ing. Paula Walther, Technische Projektleitung HVDC, TenneT TSO GmbH, erklärt die Position Ihres Unternehmens zur Frage »Freileitung oder Erdkabel«

»Wenn man die Kosten von Planung bis Bau berücksichtigt, dann sind HGÜ-Erdkabel um den Faktor 4 bis 8 über denen von Freileitungen«, erklärt Paula Walther, bei TenneT für die technische Planung SuedLink zuständig, gegenüber Energie & Technik. Daran ändern auch die neuen kunststoffisolierten 525-kV-Kabel nichts.

Energie & Technik: Sie gehen davon aus, dass die Kosten für HGÜ-Erdkabel um den Faktor 4 bis 8 über denen einer Freileitung liegen. Warum?

Paula Walther: Die Zusatzkosten entstehen auf der einen Seite durch den Materialpreis des Kabels – hier ist der Leiter meist aus Kupfer – und auf der anderen Seite durch die Tiefbauarbeiten und Logistik. In Abhängigkeit der vorhandenen Bodenklassen, der Topographie, der Anzahl der erforderlichen Bohrungen z.B. unter Straßen, Gleisen, Flüssen etc. variieren die Kosten für die Teilverkabelungsabschnitte. Eine Verkabelung im Mittelgebirge, wo steiniger Untergrund vorliegt, hat natürlich einen ganz anderen Kostenfaktor als eine Verkabelung auf flachem Land mit leichteren Böden. Eine technische Herausforderung ist ebenfalls der Transport der Kabel. Auch unter Berücksichtigung von Sondergenehmigungen hinsichtlich der Gewichtsbeschränkungen auf deutschen Straßen, liegen die zu transportierenden Längen bei Kunststoff- wie auch bei den schwereren masseisolierten Kabeln kleiner gleich 1000 m pro Kabeltransporter. Die einzelnen Kabelstränge werden dann Vorort mit Muffen verbunden und wie die Kabel anschließend in die Kabelgräben gebettet.

Dafür liegen aber auch die Verluste der Übertragung niedriger als bei Freileitungen…

Bei HGÜ-Verbindungen sind die Übertragungsverluste bei Erdkabeln und Freileitungen sehr ähnlich und deshalb nicht das entscheidende Kriterium für den Einsatz von Erdkabeln. Im Vergleich zur Wechselstromtechnik sind HGÜ-Verbindungen auf langen Strecken deutlich verlustärmer. Bei der HGÜ haben sie keine induktiven und kapazitiven Verluste, nur die ohmschen Verluste und die der Konverterstationen. Der Punkt-zu-Punkt-Verbindung SuedLink benötigt auf seiner kompletten Trasse auch keine Blindleistungskompensation wie bei Wechselstromverbindungen.

 

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2. Hat sich Infranetz verrechnet?
3. Verbilligt das neue ABB-525-kV-Kabel die Erdverkabelung?
4. Wie wird derzeit die Entscheidung »Freileitung oder Erdkabel« getroffen?

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