Vehicle to Grid (V2G)

Hyundai engagiert sich bei V2G-Technologie

13. Dezember 2022, 13:51 Uhr | Kathrin Veigel
Hyundai V2G
Die V2G-Technologie wird E-Fahrzeugen einen zweiten Zweck außerhalb der Personenbeförderung geben: In ihren Batterien wird Strom aus erneuerbaren Energiequellen gespeichert und kann bei Bedarf zur Stabilisierung des Energiebedarfs ins Netz zurückgespeist werden.
© Hyundai

Mit der Vehicle-to-Grid-Technologie ist es Elektrofahrzeugen möglich, Strom ins öffentliche Energienetz zurückzuspeisen. Das führt zu einer Stabilisierung des Stromnetzes und unterstützt die Nutzung regenerativer Energiequellen. Verschiedene Projekte von Hyundai geben Einblick in diese Technologie.

Nach einer aktuellen Einschätzung der Europäischen Umweltagentur werden bis zum Jahr 2050 bis zu 80 Prozent der Autos in der EU über einen vollelektrischen Antrieb verfügen. Mit der richtigen Technologie ausgerüstet können diese Fahrzeuge helfen, Strom aus regenerativen Energiequellen zu speichern und wieder ins öffentliche Energienetz einzuspeisen.

Die Vehicle-to-Grid-Technologie (V2G) kann den in den Batterien von Elektrofahrzeugen gespeicherten Strom nutzen und zu bestimmten Zeiten, zum Beispiel bei Spitzenlast, in das Netz zurückspeisen. Davon profitieren sowohl die Besitzer der Fahrzeuge als auch unsere Gesellschaft im Allgemeinen.

Herausforderungen durch Umstellung auf erneuerbare Energien

Die erste Herausforderung, die es zu bewältigen gilt, ist der Umstieg auf mehr E-Fahrzeuge und der Einsatz von mehr erneuerbarer Energie. Der Strombedarf und die Stromerzeugung aus regenerativen Energiequellen laufen selten synchron. So ist der Bedarf hoch, wenn die Menschen morgens aufwachen und ihren Wasserkocher einschalten oder abends ihr Essen zubereiten, die Stromerzeugung aus Solarenergie beispielsweise jedoch niedrig. Zweitens wird eine geringere Auslastung der Kraftwerke unweigerlich zu höheren Betriebskosten führen. Daraus folgen höhere Strompreise für die Verbraucher.

Drittens: Obwohl der Anteil fossiler Brennstoffe an der Stromerzeugung langsam sinkt – von 39 Prozent im Jahr 2019 auf 37 Prozent im Jahr 2021 – muss die Kohlenstoffintensität bei der Energieerzeugung weiter deutlich reduziert werden. Und schließlich müssen Länder auf der ganzen Welt ihre Kapazitäten für die Erzeugung und Speicherung von Energie in ausreichender Menge erhöhen, um diese neue Nachfrage zu decken.

Um diese Herausforderungen zu bewältigen und die Umstellung auf erneuerbare Energien zu erleichtern, könnten Batterien in Elektrofahrzeugen eine sehr effiziente Lösung für die intelligente Energiespeicherung und -verteilung bieten.

Die dafür nötige Technologie heißt Vehicle to Grid (V2G) und ist ein Konzept, mit dem in Zukunft alle Elektrofahrzeuge ausgestattet werden könnten. Als Hersteller von Elektrofahrzeugen engagiert sich Hyundai auf diesem Gebiet.

Wie kann V2G-Technologie helfen?

Die V2G-Technologie ermöglicht es, Stromnetze zu entlasten und gleichzeitig die intermittierenden erneuerbaren Energien besser in das System zu integrieren. Denn mit V2G-Technologie ausgestattete Elektrofahrzeuge können als Speicher für Strom aus erneuerbaren Energiequellen dienen. So können V2G-fähige E-Fahrzeuge überschüssigen Strom dann speichern, wenn Wasser- und Windturbinen oder Sonnenkollektoren mehr Strom produzieren, als das Netz benötigt.

Und der Strom aus erneuerbaren Energiequellen kann in das Netz zurückgespeist werden, wenn hoher Strombedarf ansteht und keine Sonnen- oder Windenergie erzeugt werden kann, zum Beispiel an einem windstillen Abend. Deshalb könnte die V2G-Technologie eine wichtige Rolle bei der Steuerung der Energieversorgung in der Zukunft spielen.

Die Annahme ist, dass Elektrofahrzeuge im Durchschnitt 96 Prozent der Zeit oder mehr als 23 Stunden am Tag stehen und für die täglichen Fahrten in der Regel nur etwa ein Zehntel der Batteriekapazität eines Elektroautos benötigt wird. Nachdem die Besitzer V2G-fähigen Elektrofahrzeugen diese außerhalb der Spitzenzeiten zu geringeren Kosten aufgeladen haben, können sie den ungenutzten Strom in ihren Batterien während der Spitzenzeiten verkaufen. Also dann, wenn der Strom knapp und der Preis höher ist.

Auf diese Weise können die Batterien von Elektrofahrzeugen als flexible und kohlenstoffarme Energiequelle genutzt werden, um die Netzstabilität zu unterstützen. Dies spart wichtige Netzkapazitäten und senkt die Betriebskosten der Energieversorger.

Die Zukunft von V2G

Die Umstrukturierung des Netzes erfordert die Zusammenarbeit mit Interessengruppen, wie Regierungen, Energieversorger und OEMs – und findet bereits statt. Darüber hinaus wird ein gemeinsames Protokoll für die Kommunikation zwischen E-Fahrzeugen und dem Stromnetz entwickelt.

Ein einziges Elektrofahrzeug kann genug Strom speichern, um bis zu fünf Haushalte 24 Stunden lang zu versorgen. Eine ganze Flotte kann überschüssigen Strom aus erneuerbaren Energiequellen im Tagesverlauf speichern und die Nachfragespitzen einer ganzen Stadt am Morgen und am Abend ausgleichen. Dank der V2G-Technologie können die Fahrzeuge der Zukunft nicht nur Strom ins Netz, sondern auch in die Häuser der Kunden liefern.

Um die V2G-Technologie voranzutreiben, müssen weitere Geschäftsmodelle entwickelt, Studien über die kommerzielle Machbarkeit durchgeführt und regulatorische Fragen geprüft werden. Es bedarf aber auch eines starken Engagements und einer Verhaltensänderung bei den Verbrauchern. Außerdem müssen die Stromnetze kontinuierlich entwickelt und digitalisiert werden und die Akteure, zum Beispiel die Regierungen, müssen verstärkt zusammenarbeiten.

Auch wenn V2G in großem Maßstab erst in einigen Jahren zum Tragen kommen wird, bietet diese Technologie insbesondere in Zeiten von Energieknappheit und steigender Energiepreise viel Potenzial für Verbraucher und Klimaschutz.

V2G-Projekte von Hyundai in den Niederlanden und Deutschland

In Europa setzt Hyundai die V2G-Technologie bereits in die Praxis um. In Zusammenarbeit mit Partnern aus den Bereichen Energieversorgung und Technologie wurden zwei wichtige Pilotprojekte in den Niederlanden und Deutschland ins Leben gerufen.

In der niederländischen Stadt Utrecht soll die erste bidirektionale Region der Welt entstehen. Hier arbeitet Hyundai mit dem lokalen Mobilitätsanbieter We Drive Solar zusammen und setzt eine Flotte von Ioniq 5 für einen neuen Mobilitätsdienst ein, der mit V2G-Technologie betrieben wird. In Deutschland kooperiert Hyundai unterdessen mit Next Kraftwerke, die als Zwischenhändler zwischen den Energieversorgern und dem Netz fungieren.

Mit diesen Pilotprojekten will Hyundai mehr über die technischen Anforderungen erfahren, die für die Umsetzung von V2G in großem Maßstab erforderlich sind. Sie zeigen auch, wie neue Marktteilnehmer auf dem Energiemarkt unterstützt und Gemeinden in die Lage versetzt werden können, von kohlenstofffreien Energiequellen zu profitieren.


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