Schulterschluss beim 450 MHz-Funknetz

Neues Versorger-Joint-Venture bewirbt sich um 450 MHz-Funknetz

27. Mai 2020, 13:35 Uhr   |  Hagen Lang

Neues Versorger-Joint-Venture bewirbt sich um 450 MHz-Funknetz
© Sergey Nivens/stock.adobe.com

Für die Energie- und Wasserwirtschaft gibt es zu den 450-MHz-Funkfrequenzen keine Alternative, glauben das BMWi, die Bundesnetzagentur und die Verbände der Branchen.

Die bislang getrennt agierenden Stakeholder der Energie- und Wasserwirtschaft und ihrer Kunden haben das Joint Venture „450connect GmbH“ gegründet. Mit ihm bewerben sie sich im kommenden Vergabeverfahren um das 450 MHz-Funknetz. Damit treten die Branchen gegenüber anderen Bewerbern geschlossen auf.

Hintergrund ist der innerhalb der Bundesregierung bestehende Dissens um die Verwendung des früher als C-Mobilfunknetz genutzten 450-MHz-Funkspektrums. Das Netz böte, so findet man im Bundeswirtschaftsministerium, beim Smart Meter Rollout und dem Ladeinfrastruktur-Ausbau die ideale Plattform für die Funkanbindung der Systeme. Dagegen möchte das Bundesinnenministerium die Frequenzen für den sogenannten „Blaulichtbereich“, vulgo „BOS“ (Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben) reservieren, also Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienste und Streitkräfte. 

Zwar besitzen letztere schon Funkkapazitäten im 700-MHz-Frequenzband, argumentieren Energie-, Wasser- und Automobilwirtschaft in Gestalt der Verbände VKU, BDEW und VDA. Deren Position wurde bislang aber durch eine Zersplitterung der Kräfte bei der Bewerbung um die Funkfrequenzen geschwächt. Es gab bislang zwei Bewerber aus den Bereichen Wasser- und Energiewirtschaft, den jetzigen Frequenzinhaber und Funknetzbetreiber 450connect und dessen Ankerkunden sowie die „Versorger-Allianz 450“.

Gesellschafter des jetzt gegründeten Joint Ventures 450connect GmbH sind je zu 25 %

- die bisherige Eigentümerin der 450connect GmbH, die Alliander AG    

- ein Konsortium kommunaler Regionalversorger    

- die Regionalversorger der E.ON SE/innogy SE sowie    

- die „Versorger-Allianz 450“, ein Zusammenschluss von Stadtwerken, Energie- und Wasserversorgern unter Beteiligung der EnBW  

450connect wird sich um die Frequenzen in dem von der Bundesnetzagentur derzeit vorbereiteten Vergabeverfahren bewerben und will das Funknetz aufbauen und betreiben.

Dr. Alexander Montebaur, Vorsitzender des Vorstands der E.DIS AG für die E.ON SE erklärte: „Wir haben uns auf ein echtes Branchenmodell geeinigt und sind vorbereitet, den nationalen Funknetzausbau sofort zu beginnen. Das Modell vereint Versorger aller Größen von Stadtwerken, über namhafte Regionalversorger und den E.ON Konzern und ist wegweisend für die Zukunftsfähigkeit der Energieversorgung in Deutschland. Es vereinigt die Interessen der Versorger mit den Kompetenzen der Alliander als 450-MHz-Netzbetreiber in Deutschland und den Niederlanden“.

Die 450-MHz-Frequenzlösung wird in der Branche bereits angewendet, so etwa bei der nordwestdeutschen regionalen EWE NETZ GmbH. „Inzwischen ist die 450-MHz-Frequenz Teil unseres neuen Energiedatennetzes, mit dem wir unsere intelligenten Netzkomponenten wie regelbare Ortsnetzstationen oder Einspeiseanlagen steuern und unsere schwarzfallsichere Kommunikation realisieren. An dieses Netz können wir künftig weitere Anwendungen für Smart Grid und Smart Meter anschließen,“ so Torsten Maus, Vorsitzender der Geschäftsführung der EWE NETZ GmbH.

„Dieses Frequenzspektrum ist für die Energieversorgung in Deutschland und die sie tragenden Unternehmen von überragender Bedeutung“, sagt Frank Zeeb, Vorsitzender des Vorstands der Alliander AG. Zeeb weiter: „Nur ein 450-MHz-Funknetz erfüllt die hohen und spezifischen Anforderungen der Energiewirtschaft an eine zuverlässige Versorgungssicherheit, ermöglicht die digitale Vernetzung von Stromerzeugern und -verbrauchern und ist dabei rechtzeitig realisierbar und wirtschaftlich tragfähig. Wir haben ein solches Netz bereits erfolgreich in den Niederlanden umgesetzt. Dort wird es seit mehreren Jahren für die Kommunikation dezentralisierter und digitalisierter Stromnetze eingesetzt. Inzwischen sind über zwei Millionen Geräte angeschlossen und wir sind froh, dieses Know-how zusammen mit unseren Partnern auch hier in Deutschland einbringen zu können.”

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