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ZVEI-Diskussion auf der E-World 2016: Der Smart-Meter-Rollout der zwei Geschwindigkeiten

Fortsetzung des Artikels von Teil 2.

Können kleinere Versorger mithalten?

Doch es gibt auch vorsichtigere Stimmen. Denn wenn der Rollout 2017 starten würde, dann käme vor allem auf die kleineren Versorger eine große Herausforderung zu. »Wir als Dienstleister sehen, dass kleine Versorger überfordert sind. Das Ganze muss verträglich eingeführt werden«, sagt Sacha Schlosser, Leiter Marketing und Vertrieb von co.met. Selbst für mittelgroße Unternehmen werde das vorgegebene Tempo schwierig.

Thomas Rütting, Geschäftsführer von Vattenfall Metering [4], sieht ebenfalls die Geschwindigkeit des Rollout als Herausforderung. Seiner  Meinung nach sei es sinnvoll, dass zunächst kleine Stückzahlen für Messstellen mit einer großen Energieabnahmemenge installiert werden und dann in weiteren Stufen die Messstellen mit einer Abnahmemenge von 6.000 kWh bis 2020 ausgerollt werden. »Damit haben wir genug zu tun«, so Rütting

Deshalb geht er davon aus, dass der Rollout in der Praxis »eher bescheiden anfangen wird.« 2017 betrachtet er als Einschwingphase, in der es die Kommunikationsprozesse noch in abgespeckten Versionen gibt. Die Infrastruktur und erste Geräte gingen dann an den Start, erste zarte Pflänzchen von Produkten könnten auf den Markt wirken. Dann sollte es in weiteren Stufen weitergehen.
Sacha Schlosser von co.met geht davon aus, dass viele Stadtwerke ihre Organisationsstruktur noch ändern müssen. »2017/18 werden sie sich einrichten und Feldversuche durchführen, dann wenden sie sich dem Rollout zu.«

Ähnlich sieht es Peter Zayer von Voltaris. Ab der zweiten Hälfte dieses Jahres kommen für die Feldtests im Rahmen des FNN-Teststufenplanes die ersten Messsysteme zum Einsatz. Es handelt sich hierbei um Smartmeter Gateways, die die erste Stufe der BSI-Zertifizierung (Schutzprofilzertifizierung) abgeschlossen haben, sogenannte G1-Geräte. Die nächsten Versionen können dann über Software upgedated werden. »So sammeln wir die Praxiserfahrungen, die wir für den Rollout brauchen, auch was beispielsweise die eichrechtlichen Fragen angeht«, erklärt Zayer. Insgesamt 16 Unternehmen in Deutschland beteiligen sich an dem FNN  Projekt und würden dazu ähnlich wie Voltaris den Stadtwerken ihre Dienste anbieten. Das sei auch wichtig, denn die Dienstleister können die Stadtwerke in der Gateway-Administration unterstützen: »So können die Stadtwerke ihre Grundzuständigkeit behalten, was für sie entscheidend ist, um den Kundenzugang nicht zu verlieren.« Dennoch ist er überzeugt: »Wenn das Gesetz wie geplant verabschiedet wird, startet der Rollout der modernen Messeinrichtungen und der Smart-Meter-Gateways 2017.«

Ingo Schönberg erwartet, dass so mancher überrascht sein werde, wie schnell zumindest ein Teil der Versorger den Rollout vorantreiben wird. »In der Digitalisierung – das zeigen andere Branchen – geht es immer schneller als man denkt.« Die First Mover wollten möglichst  bald zeigen, dass sie alles im Griff haben und Umsatz sowie Deckungsbeiträge für Strukturen erzielt man nur mit möglichst vielen Kunden. »Der Rollout kann also 2017 schneller als gedacht Fahrt aufnehmen und 2018 könnte es noch einen Sprint geben«, so Schönberg.

Peter Heuell ist ebenfalls der Meinung, dass die großen Versorger mit eigener Gateway-Administration daran interessiert sind, den Rollout schnell umzusetzen. »Es wird zwei Geschwindigkeiten geben«, so sein Fazit.