Rollout in Deutschland startet durch

»Die Smart Grid-Blaupause für Europa ist da!«

11. Januar 2023, 8:23 Uhr | Heinz Arnold
Ingo Schönberg, Vorstandsvorsitzender der PPC AG
Ingo Schönberg, Vorstandsvorsitzender der PPC AG: »Der deutsche Ansatz eines »digitalen Netzanschlusses« mit dem Smart-Meter-Gateway als Sicherheitsanker und Möglichmacher für Steuerungsvorgänge, Tarifierung und Netzüberwachung ist bisher einmalig.«
© PPC AG

Der Start ins Rolloutjahr 2022 verlief holprig, doch dann hat Minister Habeck im Oktober endlich die erhoffte Novelle des Messstellenbetriebsgesetzes angekündigt.

»Jetzt kann Deutschland seine Stärken endlich ausspielen«, freut sich Ingo Schönberg, CEO von PPC. Denn mit dem »Gesetz zum Neustart der Digitalisierung der Energiewende« (GNDEW) soll der Rollout der Smart-Meter-Gateways als zentraler Digitalisierungs-Baustein der Energiewende und der cybersicheren Energieversorgung in Deutschland beschleunigt werden. »Der vorgelegte Entwurf fand in vielen Punkten die Zustimmung der Branche und auch wir halten den Entwurf für gelungen«, so die Bewertung von Ingo Schönberg. Die von Minister Habeck angekündigten wichtigen Maßnahmen zur Beschleunigung fänden sich im Gesetzesentwurf wieder: 

•    Die Abschaffung der Markterklärung
•    ein verbindlicher Rolloutplan bis 2030, 
•    mehr Daten für den Netzbetrieb, 
•    Agilität als Basisstrategie
•    die drastische Reduktion der Entgelte für Endkunden (Preisobergrenze, POG) durch Verrechnung von Kosten an die Netze. 

Allerdings: Noch vertrauensbildender wäre es gewesen, wenn alle Behörden im Schulterschluss agiert hätten. Sicher gibt es im Detail des GNDEW noch Optimierungsbedarf. Dabei geht es insbesondere um die Zielvorgaben, Preiskomponenten oder die Koordination der Messstellenbetreiber in Steuerungsprozessen. Diese wurden von den Verbänden Ende 2022 auch entsprechend kommentiert und dürften teilweise in die aktuelle Gesetzesvorlage einfließen. 

Jetzt hat Deutschland die Nase vorne

Was aber für die am SMGW-Rollout beteiligten Unternehmen höchst erfreulich ist: Das BMWK liefert mit dem GNDEW nicht nur das erhoffte Signal zur Beschleunigung in Deutschland, sondern auch ein klares Statement zum EU-Aktionsplan »Digitalisierung des Energiesystems«. »Das Wichtigste am EU-Aktionsplan: Das dort beschriebene Ziel-System für ein Smart Grid ist in den meisten Ländern Europas noch nicht vorhanden!«, sagt Schönberg. 

Bisher hatte die Kritik an Deutschland gelautet: Die anderen Länder haben ein Vorsprung vor Deutschland, weil dort schon viele Smart Meter zum Einsatz kommen. »Dabei handelt es sich aber vorwiegend um einfache elektronische Zähler. Als Basis, um eine Smart-Grid-Platform einzuführen, eigenen sie sich nicht. Denn sie können zwar den Verbrauch der Kunden zu Abrechnungszwecken auslesen und übertragen, werden aber keinesfalls dem von der EU geforderten Plattformansatz mit Echtzeitsteuerung über cybersichere Systeme gerecht«, erklärt Schönberg. 

Im Gegensatz zu bisherigen europäischen Smart Meter Ansätzen wurden in Deutschland frühzeitig die Weichen hin zu einer energiewendetauglichen und cybersicheren Smart Grid Lösung gestellt. »Unser Ansatz eines »digitalen Netzanschlusses« mit dem Smart-Meter-Gateway als Sicherheitsanker und Möglichmacher für Steuerungsvorgänge, Tarifierung und Netzüberwachung ist bisher einmalig. Dieser vorausschauende Ansatz zur systemischen Integration der Erneuerbaren und zur Flexibilisierung bei der Sektorenkopplung mit Wärme und Mobilität sucht seinesgleichen in Europa«, ist Schönberg überzeugt. 

Insbesondere das Partizipationsmodell des Digitalen Netzanschlusses, bei dem der Endkunden SMGW-gestützt Sollwerte für den Netzanschluss erhält und diesen eigenverantwortlich über Energiemanagementsysteme einhält, sei eine Blaupause für Europa. Aus der Kritik »Deutschland hinkt hinterher« könne mit dem GNDEW ein »Deutschland eilt voraus« werden. Dies gelte insbesondere für den Vorsprung bei der Cybersicherheit der SMGW-basierten Plattformlösung, die bereits im Sinne des »EU Cyber Resilience Act« Produkt- und Systemsicherheit berücksichtigt, so Schönberg: »Hier hat das BSI frühzeitig die richtigen Weichen gestellt und Hersteller bei notwendigen Sicherheits-Zertifizierungen erfolgreich begleitet.«  

Sicher sei in den letzten Jahren auf vielen Ebenen im Rollout und im Aufbau der Systemlandschaften nicht alles perfekt gelaufen und vieles musste erst erlernt werden. »Allerdings sind zertifizierte SMGWs längst nicht mehr der Flaschenhals im Rollout.«
Auch das GNDEW allein könne nicht alle Hemmnisse beseitigen. Es bringe jedoch deutlich mehr Agilität in die Rollout- und Entwicklungsprozesse, zum Beispiel beim Aufbau der Backend-Systeme für eine massenmarkttaugliche Steuerung und Netzüberwachung oder bei der Umsetzung des digitalen Netzanschlusses (SMGW und Energiemanagement-System am Netzanschluss). 

Das Gesetz ermögliche zudem eine sukzessive Fortentwicklung der SMGWs, um über Softwareupdates flexibel auf neue oder sich ändernde Anforderungen in der Energiewende reagieren zu können. 

Allerdings muss er auch etwas Wasser in den Wein gießen: »Das Eichrecht in der aktuellen Form passt nicht für digitale Systeme und wirkt so noch als Agilitätsbremse.« 


Das könnte Sie auch interessieren

Verwandte Artikel

Power Plus Communications AG