Digitalisierung der Energiewende

»Ein großer Sprung nach vorne!«

13. Januar 2023, 10:30 Uhr | Heinz Arnold
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ZVEI und Bitkom begrüßen den Entwurf des Gesetzes zum Neustart der Digitalisierung der Energiewende (GNDEW), den das Kabinett jetzt gebilligt hat. Doch müssten dynamische Tarife schneller kommen.

»Der beschleunigte Rollout intelligenter Messsysteme ist ein zentraler Baustein für die Digitalisierung der Stromnetze und damit für die effiziente Elektrifizierung und ein zukunftsfähiges Energiesystem insgesamt«, sagt Wolfgang Weber, Vorsitzender der ZVEI-Geschäftsführung. »Ein großer Sprung nach vorne.« Erfreut zeigte sich auch Bitkom-Präsidiumsmitglied Matthias Hartmann: »Bitkom begrüßt ausdrücklich das Vorhaben der Bundesregierung, der Digitalisierung der Energiewende nicht nur ein Update, sondern einen Neustart zu verordnen. Smart Meter sind Grundvoraussetzung dafür, um die volatile Einspeisung von Ökostrom und zugleich hohe und wechselhafte Verbräuche etwa von Elektrofahrzeugen oder Wärmepumpen in unser Stromsystem zu integrieren«. 

Wolfgang Weber hält intelligente Messsysteme bei der künftig notwendigen Sensorik und Steuerung eines Stromnetzes für unverzichtbar, insbesondere mit Blick auf einen weiter steigenden Anteil regenerativ erzeugten Stroms, der Elektromobilität oder von Wärmepumpen. Der Rollout sei ebenfalls die notwendige Voraussetzung, um verbraucherseitig neben beispielsweise dynamischen Tarifen auch Mehrwertdienste wie das Zusammenführen der Verbrauchswerte von Gas-, Heizungs- und Wasserzählern sowie Dienstleistungen Dritter zu nutzen. 

Der ZVEI unterstützt die Zielsetzung des Gesetzes, den Rollout intelligenter Messsysteme zu beschleunigen und Verfahren dabei zu entbürokratisieren. Das Zwischenausbauziel von 10 auf mindestens 20 Prozent anzuheben, wäre laut Weber der richtige Schritt, um das Tempo des Rollouts angemessen ambitioniert zu gestalten. Im nächsten Schritt müssen die noch zu regelnden Anforderungen für die Steuerbarkeit im Stromnetz schnell definiert werden. 

Für das Gelingen der Energiewende sei zudem die Teilhabe der Verbraucher entscheidend. Ihre aktive Rolle sollte durch eine schnellere Einführung dynamischer Tarife als bislang im Gesetzentwurf vorgesehen und unabhängig von der Größe des Versorgers deutlich gestärkt werden.

Der Wille dazu ist in der Bevölkerung nach einer Bitkom-Umfrage vom Oktober 2022 durchaus vorhanden. Danach wollen 8 von 10 Bundesbürgerinnen und Bundesbürger (79 Prozent) einen aktiven Beitrag zur Energiewende leisten, indem sie weniger Strom verbrauchen. 88 Prozent wüssten gern auf einen Blick, wie hoch ihr persönlicher Verbrauch gerade ist und wo sich explizit sparen lässt. Smart Meter böten dafür die Voraussetzung. Nur wenn man wisse, wie hoch der eigene Verbrauch ist, wo er aktuell entsteht und welche Geräte die größten Stromfresser sind, kann man laut Hartmann effektive Maßnahmen treffen: »Jetzt kommt es auf eine praktikable Umsetzung des Rollouts und einen funktionierenden Neustart der Digitalisierung der Energiewende an: Realitätsnahe technische Standards werden helfen, Smart Meter schnell in die Fläche zu bringen.«
 


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