Europäische Standards für Smart Metering

GÖRLITZ: EU hilft Smart-Meter-Herstellern

17. November 2010, 10:36 Uhr | Heinz Arnold
Ralf Hoffmann, Görlitz: »Bei allen Standardisierungsdiskussionen auf europäischer Ebene ist zu berücksichtigen, dass sie sehr stark vom jeweils national gewählten Marktmodell abhängig sind.«
Ralf Hoffmann, Görlitz: »Bei allen Standardisierungsdiskussionen auf europäischer Ebene ist zu berücksichtigen, dass sie sehr stark vom jeweils national gewählten Marktmodell abhängig sind.«
© Görlitz

Bis Ende 2010 wird voraussichtlich ein einheitlicher EU-Standard für die Kommunikation von Smart-Metering-Systemen vorliegen. »Er ermöglicht den ungehinderten Wettbewerb innerhalb der EU und verbessert die Chancen auf eine führende Position der europäischen Hersteller im Weltmarkt«, sagt Ralf Hoffmann, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Koblenzer GÖRLITZ-Gruppe.

Ralf Hoffmann weiß wovon er spricht, denn er ist auch Vizepräsident der Herstellerorganisation ESMIG (European Smart Metering Industry Group) und Vorsitzender der Arbeitsgruppe Kommunikation des europäischen Standardisierungsmandates M/441.

Hintergrund ist, dass die Europäische Kommission an die Standardisierungsorganisationen CEN, CENELEC und ETSI einen Normungsauftrag für die intelligenten Zähler erteilt hat. Sein Ziel: Europäische Normen zu schaffen, um die Interoperabilität von Verbrauchszählern für Elektrizität, Wasser, Gas und Wärme in einer offenen Architektur zu gewährleisten.

Energie & Technik: Bei den Bananen legt der Standard Nr. 2257/94 vom 16.September 1994 für die gesamte EU genau fest, wie die Qualität der gelben Früchte auszusehen hat, die in den Mitgliedsstaaten in den Handel kommen. Bei den intelligenten Zählern dagegen konkurrieren derzeit europaweit über 120 verschiedene Normen miteinander. Was ist die Folge?

Ralf Hoffmann: Dass es in Europa gegenwärtig mehr Bananen als Smart Meter gibt. Aber im Ernst: Fehlende bzw. veraltete Standards behindern die rasche Umsetzung von Smart-Metering-Lösungen in Europa. Für die Hersteller würden verbindliche Normen das Risiko von Fehlinvestitionen mindern und Rechtssicherheit herstellen. Ein hohes Maß an Interoperabilität ebnet zudem den Weg in eine Massenproduktion zu niedrigeren Kosten, ermöglicht den ungehinderten Wettbewerb innerhalb der EU und verbessert die Chancen auf eine führende Position der europäischen Hersteller im Weltmarkt.

Und das hat auch die EU-Kommission erkannt?

Ja, denn im vergangenen Jahr wurden die Organisationen CENELEC (European Committee for Electrotechnical Standardization), CEN (European Committee for Standardization) und ETSI (European Telecommunications Standards Institute) damit beauftragt, einheitliche EU-Normen für Smart-Metering-Technologien, -Protokolle und -Prozesse zu verabschieden. Dabei stützen sich die Organisationen auf das vorhandene Fachwissen der Hersteller und Anwender als Kompetenzträger.

Was ist das Ziel dieses EU-Standardisierungsmandats M/441?

Die Entwicklung einer Offenen Architektur für Verbrauchszähler zu entwickeln. Das bezieht sich auch auf Kommunikationsprotokolle, die Interoperabilität ermöglichen sollen. Die freiwilligen technischen Spezifikationen und gemeinsamen technischen Richtlinien für Produkte oder Systeme, die am Markt platziert werden sollen, ermöglichen die reibungslose Zusammenarbeit von Komponenten unterschiedlicher Hersteller, schützen die Kunden und gewährleisten die Verlässlichkeit von Smart Metering. Sie leisten außerdem – so die EU-Kommission – einen Beitrag zur Energieeinsparung und ermöglichen das Angebot von neuen Services. Ausdrücklich sollen im Standardisierungsprozess nicht technische Lösungen evaluiert oder verschiedene Technologien klassifiziert werden.

Welche Grundlagen hat dieses Standardisierungsmandat?

Vor allem die Richtlinie 2006/32/EG der Europäischen Union über Endenergieeffizienz und Energiedienstleistungen. Sie sieht in ihrem Artikel 13 vor, dass die Verbraucher in den Mitgliedsstaaten zu wettbewerbsorientierten Preisen individuelle Energiezähler erhalten müssen. Diese sollen – so heißt es wörtlich -- »den tatsächlichen Energieverbrauch und die Nutzungszeit genau anzeigen, soweit dies technisch machbar, finanziell vertretbar und im Vergleich zu den potenzielen Energieeinsparungen angemessen ist.« Die konkrete Umsetzung dieser Richtlinie hängt von einer wirtschaftlichen Beurteilung ab, die im September 2012 abgeschlossen sein soll.

Im Gasbereich ist der Zeitrahmen für den Rollout der intelligenten Zähler in den EU-Mitgliedsstaaten noch zu beschließen. Im Strombereich sollen 80 Prozent der Kunden die Smart Meter bis 2020 installiert haben. Den Rahmen für die aktuellen Standardisierungsbemühungen steckt außerdem die Europäische Messgeräterichtline (MID) ab, die mit einer Übergangszeit von zehn Jahren im Jahr 2004 in Kraft trat und u.a. die vollständige Harmonisierung von Verbrauchszählern in der EU vorschreibt.


  1. GÖRLITZ: EU hilft Smart-Meter-Herstellern
  2. Einheitlicher Standard Ende 2010
  3. DLMS – die Sprache für die Zählerkommunikation

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