Interview

Landis + Gyr: »Smart Meter Rollout in Deutschland startet 2016«

18. Februar 2014, 9:39 Uhr | Heinz Arnold
Dr. Peter Heuell, Landis+Gyr Deutschland
Dr. Peter Heuell, Landis+Gyr Deutschland:»Die Pilotphase läuft jetzt an. Das ist das Signal, das von der diesjährigen E-World ausgeht. Im kommenden Jahr folgt die Phase der großen Pilotprojekte, 2016 kommt dann der Rollout.«
© Landis + Gyr

»Der entscheidende Schritt auf dem Weg zum SmartMeter Rollout ist jetzt getan«, sagte Dr. Peter Heuell, Geschäftsführer Landis+Gyr Deutschland, auf der diesjährigen E-world. »Sobald wir zeigen, dass das BSI-Schutzprofil funktioniert, werden sich Anwender weltweit für das hohe Sicherheitsniveau interessieren.«

Energie & Technik: Welche Veränderungen haben sich im Smart Metering seit der E-World im vergangenem Jahr ergeben?

Dr. Peter Heuell: Noch im vergangenen Jahr haben wir sehr viel über Ideen auf dem Papier gesprochen, jetzt können schon viele Hersteller reale, funktionsfähige Smart Meter Gateways demonstrieren, die den BSI-Anforderungen – so weit sie heute vorliegen – entsprechen. Auf unserem Stand ist während der Messe die Demonstration eines Live-Modells auf Basis von Gridstream zu sehen, das den gesetzlichen Anforderungen in Deutschland entsprechend entwickelt wurde. Damit ist ein entscheidender Schritt auf dem Weg zu einem Smart Meter-Rollout in Deutschland getan. Gridstream Solution erlaubt es Messstellenbetreibern, Netzbetreibern und insbesondere Gateway Administratoren, sämtliche Prozesse beim Smart Metering gesetzeskonform zu nutzen und zu verwalten. Den Prototyp haben wir nach den Vorgaben des Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) sowie des Forum Netztechnik / Netzbetrieb im VDE (FNN) entwickelt.

Verfügen die Systeme über die erforderlichen Krypto-Chips?

Noch nicht über die endgültigen zertifizierten Chips, aber diese Chips werden rechtzeitig zur Verfügung stehen. Der jetzt vorgestellte Prototyp kann ab der zweiten Jahreshälfte zertifiziert werden.

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Prototyp des S650 Smart Grid Terminal von Landis + Gyr
Mit dem S650 Smart Grid Terminal von Landis + Gyr (im Bild ein Prototyp) können Energieunternehmen eine Netzqualität und nicht technisch bedingte Verluste im Niederspannungsnetz sowie von Trafostationen überwachen.
© Landis+Gyr

Was fehlt noch, um die intelligenten Messstellen nach den BSI-Vorschriften zertifizieren zu können?

Die Datenmodelle für die Tarifprofile stehen noch nicht endgültig fest. Das wird über die kommenden Monate geschehen. Insgesamt gibt es noch einige offene Fragen zur Marktkommunikation: Wie werden die Tarifdaten zwischen Versorgern, Vertrieb und Gateway-Administratoren ausgetauscht werden? Wie finden Wechselprozesse statt? Welche Teilnehmer haben das Recht, welche Daten zu erhalten? Diese Fragen müssen noch geklärt werden. Den rechtlichen Rahmen dafür muss jetzt die Bundesnetzagentur schaffen.

Die damit noch nicht angefangen hat?

Weil die Fragen im Vorfeld noch nicht geklärt waren. Aber das dürfte demnächst so weit sein und dann kann die Bundesnetzagentur die Arbeit aufnehmen.

Wenn die Politik sich also nicht dazu entschließt, noch einmal grundsätzliche Veränderungen vorzunehmen, kann der große Rollout der Smart Meter Gateways also 2016 erfolgen?

Ja, wir liefern jetzt die Labormuster. In diesem Jahr werden schon einige Prototypen von uns und anderen Herstellern ins Feld gehen. Die Pilotphase läuft jetzt an. Das ist das Signal, das von der diesjährigen E-World ausgeht. 2015 erwarten wir dann die ersten zertifizierten Geräte und durchgängigen End-to-End-Lösungen. Die E-World 2015 wird also im Zeichen der Feldpiloten stehen und die E-world 2016 wird den Anstoß zum Rollout geben, da bin ich sicher.

Auf der Messe liefen Gerüchte um, dass die Schwelle für den zwingenden Einsatz von intelligenten Messstellen von 6.000 kWh pro Jahr auf 10.000 kWh pro Jahr heraufgesetzt werden könnten…

…dazu wäre eine Änderung des Energiewirtschaftsgesetzes erforderlich. Ich gehe nicht davon aus, dass dies irgendjemand wünschenswert finden könnte. Deshalb messe ich diesen Gerüchten keine Bedeutung zu.

Was erwarten sie sich für den Einsatz der intelligenten Zähler über die nächste Zeit?

Laut Energiewirtschaftsgesetz müssen die alten Ferraris-Zähler Schritt für Schritt durch intelligente Zähler, die über eine Schnittstelle zu Smart Meter Gateways verfügen, ersetzt werden. Die Kosten-Nutzen-Analyse sieht vor, dass jeweils ein Sechzehntel der Zähler pro Jahr ausgetauscht werden soll. Es handelt sich also um einen sehr gemäßigten Rollout.

Wird das Inhome-Display zum intelligenten Zähler kommen?

Laut Energie-Effizienzrichtlinie soll sich jeder Kunde ein Bild darüber machen können, wie viel Energie er verbraucht, um sein Verhalten ändern und Energie sparen zu können. Muss aber ein Inhome-Display installiert werden oder genügt es, wenn die Zähler eine Schnittstelle zur Anbindung eines Displays erhalten? Diese Frage ist im Moment noch offen. Sie sollte aber bald geklärt werden, denn ob das Display installiert werden muss oder ob eine Schnittstelle ausreicht, das würde ja technisch durchaus einen Unterschied bedeuten.

Auch aus dem Eichrecht ergibt sich die Forderung nach einem Display…

…aber nur im Zusammenhang mit intelligenten Messstellen, daraus ergibt sich nicht die Pflicht zum Inhouse-Display.


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  2. Weltweites Interesse am hohen deutschen Sicherheitsniveau

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