Interview mit Peter Heuell, EMH metering

»Smart-Meter sind nicht mehr aufzuhalten!«

07. April 2021, 18:45 Uhr   |  Heinz Arnold

»Smart-Meter sind nicht mehr aufzuhalten!«
© EMH metering

Peter Heuell, Geschäftsführer von EMH metering: »Ich gehe davon aus, dass wir mit der nun erfolgten Rezertifizierung unseres Gateways den Mindestumfang, den das OVG Münster ansetzt, vollständig erfüllen.«

Warum Peter Heuell von EMH metering den Smart-Meter-Rollout nicht in Gefahr sieht und welche Herausforderungen er auf die Branche zukommen sieht, erklärt er im Interview mit Smarterworld.

Smarterworld: Welche Auswirkungen wird das Urteil des OVG Münster Ihrer Ansicht nach haben?

Peter Heuell, Geschäftsführer von EMH metering: Anfangs gab es einige Unruhe, Bestellungen wurden zurückgehalten, doch das hat sich jetzt beruhigt. Auf den weiteren Rollout der intelligenten Messsysteme hat dies zunächst keinen direkten Einfluss. Dass innerhalb von drei Jahren 10 Prozent der intelligenten Gateways verbaut sein müssen, diese Forderung besteht ja nach wie vor.

Das OVG Münster hat festgestellt, dass die derzeitigen Smart Meter die im Gesetz festgelegten Funktionen noch nicht erfüllen und deshalb nicht eingebaut werden müssen. Wird das keinen Einfluss nehmen?

Das betrifft zunächst ja nur den Kläger, der weiterhin seine nichtzertifizierten Messsysteme einsetzen möchte. Außerdem muss das Hauptverfahren abgewartet werden. Ich gehe aber davon aus, dass wir mit der nun erfolgten Rezertifizierung unseres Gateways den Mindestumfang, den das OVG Münster ansetzt, vollständig erfüllen. Das Gericht wird dies in der Hauptverhandlung auch so sehen. Wenn das Gericht allerdings entscheidet, dass die Geräte unter den gesetzlichen Anforderungen liegen, dann könnte das eine Klagewelle bei der nächsten Allgemeinverfügung des BSI auslösen. BSI und BMWi müssen sich überlegen, was dann zu tun ist.

Gibt es noch Unsicherheiten hinsichtlich der Interoperabilität?

Aus meiner Sicht nicht. Das Gesetz verlangt, dass die Geräte interoperabel sein sollen, und das sind sie. Es stimmt allerdings, dass sie nicht einfach austauschbar sind. Aber die Austauschbarkeit verlangt das Gesetz auch nicht. Da sehe ich keinerlei Probleme.

Der Gateway-Administrationsausschuss, der die Technische Richtlinie freigeben muss, hat das noch nicht getan. Kann das zu Verzögerungen führen?

Der Gateway-Administrationsausschuss hat die TR nicht freigeben können, weil er noch nicht existiert. Hier hat das OVG also tatsächlich Recht. Das lässt sich aber auch schnell heilen.

Wie ist das vergangene Jahr für EMH verlaufen?

Insgesamt war es ein gutes Jahr, wir konnten sogar die vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie festgelegten Ziele für 2020 erreichen. Im zweiten Quartal ging das Geschäft zurück, weil die Monteure nicht in die Häuser durften, aber im zweiten Halbjahr konnten wir das wieder aufholen.

Spüren Sie die Knappheit im Bereich der Bauelemente?

Die Chips fehlen uns nicht so stark, aber an Materialien wie Plastik und an Metallteilen mangelt es. Die Lieferzeiten und Preise steigen teilweise dramatisch. Der Messingpreis ist beispielsweise seit Ende 2020 um 25 Prozent gestiegen. Wir haben extra ein Team gebildet, das sich mit der Problematik beschäftigt. Es herrscht Mangelverwaltung. Glücklicherweise haben wir einen relativ hohen Lagerbestand an Vormaterialien.

Wie sieht die gegenwärtige Geschäftsentwicklung aus?

Die Bestellmengen liegen über Plan. Viele Anwender haben sich wohl im ersten Jahr zurückgehalten, weil sie nicht die ersten sein wollten. Wer aber bis in zwei Jahren nicht 10 Prozent der Pflichtfälle eingebaut hat, verliert die Grundzuständigkeit. Das erklärt die höhere Aktivität.

Smart Meter Gateway CASA
© EMH metering GmbH & Co. KG

Das Gateway CASA von EMH metering ist das zweite, das vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) die Zertifizierung erhalten hat.

Wieviele Gateways müssen denn über die ersten drei Jahre mindestens eingebaut werden?

Ich schätze es sind 300.000 bis 400.000 Stück. Insgesamt gibt es also 7 bis 8 Mio. Pflichteinbaufälle in Deutschland.

Welche Möglichkeiten bestehen, sich als Hersteller von intelligenten Gateways über die Standards hinaus vom Wettbewerb differenzieren zu können?

Unserer Einschätzung nach gibt einige Möglichkeiten, was zertifiziert werden muss, bildet ja nur die Basis. Zusätzliche Services für das Smart Home, für die Einbindung von Speichern und für die Elektromobilität beispielsweise erfordern zusätzliche Hardware. Deshalb bieten wir Steckmodule für die Gateways an, etwa für WLAN, für das dynamische Laden von Autos, für die Submeter-Auslese und vieles mehr. Außerdem fallen weitere Dinge ins Gewicht, etwa wie lange ein Firmware-Update benötigt oder wie viele Zähler sich anschließen lassen.

Wie sieht die Situation im Bereich der Ladestationen aus?

Eine ursprüngliche Gesetzesvorlage zur Spitzenglättung hatte das BMWi wieder zurückgezogen, jetzt sollte die Automobilhersteller und die Versorger Vorschläge einreichen und noch vor Ostern ist ein Meeting geplant, an dem ich auch teilnehme. Gerade die Elektromobiliät bietet gute Chancen für Smart-Meter-Gateways. Wir nehmen aktuelle an einem Pilotprojekt mit Audi und GISA in Chemnitz teil, in dem unsere Gateway eine Datenverbindung zwischen Haus und Netzbetreiber herstellt. Gesteuert wurde der Ladevorgang über das Robotron-System „IoTHub4Utilities“, das u. a. mit Leitstellen von Netzbetreibern verknüpft werden kann und bei GISA in einem hochverfügbaren, zertifizierten und sicheren Rechenzentrum in Deutschland verortet ist. Das eröffnet neue Möglichkeiten: Die Ladeleistung, der Ladzeitpunkt und die Ladedauer lassen sich für jedes Auto festlegen. Wer sein Auto auch am Arbeitsplatz auflädt, könnte zu Hause bestimmte Einschränkungen akzeptieren und dafür den Strom vorm Versorger besonders günstig beziehen. Das zeigt: Intelligentes und netzdienliches Laden entlastet das Stromnetz und kann damit helfen, die Akzeptanz für die Elektromobilität weiter zu steigern.

Welche Herausforderungen sehen Sie für die kommenden zwölf Monate?

Es steht an, dass die Geräte über die Frequenz von 450 MHz kommunizieren können müssen, das wird ein wichtiges Thema für uns werden. Zudem haben wir eine Roadmap festgelegt, welche zusätzlichen Funktionen unsere Geräte haben sollen, von der E-Mobility bis zur Kopplung weiterer Sektoren. Wir haben uns viel an Entwicklungsarbeit vorgenommen, langweilig wird es jedenfalls nicht.



 

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