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Mehr als Science Fiction: Elektrische Regionalflugzeuge - schneller und billiger

Schon 2022 will Zunum ein erstes hybrid-elektrisches Flugzeug für 12 Personen vorstellen. Auch Siemens hält elektrische Großflugzeuge für realistisch – am besten supraleitend.

Das amerikanische Start-up-Unternehmen Wright arbeitet an einem 150sitzigen elektrisch betriebenen Regionalflugzeug und kooperiert mit esayJet.  Bildquelle: © Wright

Das amerikanische Start-up-Unternehmen Wright arbeitet an einem 150sitzigen elektrisch betriebenen Regionalflugzeug und kooperiert mit esayJet.

Laut Zunum Aero wird die ZA10 eine hybrid-elektrische Reichweite von 700 Meilen erreichen und bis zu 340 Meilen pro Stunde schnell sein. Die direkten Kosten sollen pro Sitz und Meile 8 Cent betragen oder pro Stunde 250 Dollar. Die Emissionen und die Geräuschentwicklung lägen um 80 Prozent unter denen konventioneller Flugzeuge. Kürzlich hatte Boeing bekannt gegeben, mit japanischen Firmen zusammen arbeiten zu wollen, um elektrisches Fliegen zu realisieren.

»Das System ist innovativ und realistisch«, sagt Logan Jones, Managing Director von Boeing HorizonX, einer der Investoren von Zunum. »Das Unternehmen baut auf bewährten Techniken auf, wir sehen es als weltweit führend auf dem Gebiet des elektrischen Fliegens an.«

Zunum selber will dem Fliegen mit den neuen hybrid-elektrischen Flugzeugen neue Impulse geben. Sie könnten bisher nicht ausgelasteten Flughäfen neues Leben einhauchen, weil sie leise sind und Flughäfen erreichen können, die nahe am Endziel der Reise liegen – zu geringeren Kosten als bisher.

Schneller und billiger regional fliegen

Von San José in die Gegend von Los Angeles zu gelangen, würde von den Flughäfen in Palo Alto, San Carlos, Hayward oder Reid bis nach Santa Monica, Burbank, Hawthorne oder El Monte 2 Stunden und 15 Minuten dauern. Heute müsste man 4 Stunden 40 Minuten einplanen. Zudem würde der einfache Flug nur 120 Dollar kosten – deutlich unter dem heutigen Preis.  

»Dieses Flugzeug wird die Art und Weise verändern wie wir leben und arbeiten«, ist Matt Knapp überzeugt, Gründer und Chefingenieur von Zunum Aero.

Ebenfalls an einem hybridelektrischen Flugzeug arbeitet das Start-up-Unternehmen Wright, das für 9 Sitze ausgelegt ist. Wright arbeitet dabei mit easyJet zusammen. Wrights eigentliches Ziel besteht darin, eine 150sitziges elektrisch betriebenes Flugzeug in der Größe einer 737 zu entwickeln, das für Flüge unter 300 Meilen Einsatz finden soll  

Siemens hat schon vor einigen Jahren einen Elektromotor entwickelt, der bei einem Gewicht von 50 kg rund 260 kW mechanische Dauerleistung liefert. Weitere Verbesserungen sind auf dem Weg. Zusammen mit Airbus soll bis 2035 ein hybrid aufgebautes Flugzeug mit 60 bis 100 Sitzplätzen entstehen. Rolls Royce entwickelt in Zusammenarbeit mit Airbus und Siemens den hybriden E-Fan X-Antrieb (2 MW), 2020 soll der Demonstrator fertig sein, 2025 ist ein serienreifes Modell geplant.

Supraleitung macht elektrisches Fliegen möglich

In dieser Größenordnung könnte eine weitere interessante Technik zu Optimierung des Elektromotors beitragen: Die Hochtemperatur-Supraleitung (HTS). »HTS-Drähte erreichen viel höhere Stromdichten und damit doppelt so hohe Leistungsdichten als konventionelle E-Motoren. Für Maschinen im MW-Bereich für elektrische Flugantriebe eröffnet das völlig neue Möglichkeiten«, sagt Werner Prusseit, CEO von Theva, Hersteller von HTLS-Drähten. An solchen Motoren arbeitet beispielsweise die Firma Oswald in einem Projekt mit Rolls Royce. »Wir wollen einen 1-MW-Motor mit supraleitenden Rotor und Stator entwickeln, der auf 20 kW/kg kommt. Das wäre mit konventioneller Technik ohne Supraleitung nicht zu erreichen«, sagt Thomas Reis, Abteilungsleiter der Supraleiter-Motor-Entwicklung von Oswald. »Elektrische Antriebe für größere Flugzeuge werden ohne Supraleitung nicht möglich sein«, erklärte denn auch Detlev Konigorski von Airbus auf der vergangenen ZIEHL-VI-Tagung 2018 (»Zukunft und Innovation der Energietechnik mit HTS«) in Berlin, wo sich die Supraleiter-Gemeinde traf.