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Weltpremiere: Elektroautos erbringen Regelleistung für Stromnetze

Fortsetzung des Artikels von Teil 1.

Stromnetzbelastung durch Elektromobile

Bild: J. Lousberg/ArenA Bildquelle: © Bild: J. Lousberg/ArenA

The Mobility House lieferte bereits das Energiemanagementsystem für die aus Second-Life-Battery-Packs und Firstlife-Battery-Packs des Nissan Leaf bestehende Großbatterie des 2018 eingeweihten Energiesystems der Johan Cruijff ArenA in Amsterdam.

Marcus Fendt, Geschäftsführer von TMH, widersprach Warnungen vor einer Stromnetzbelastung durch Elektromobile gegenüber der SmarterWorld ebenfalls: »Was Sie sagen, ist Stand von gestern. Wir können das Laden von Elektroautos so ausbalancieren, dass die Netzbeeinträchtigungen minimiert werden. Wir verdienen sogar mit Elektroautos Geld, indem wir sie netzdienlich einsetzen. Mit einem stationären Nissan haben wir eine Woche lang acht Kilowatt Leistung bereitgestellt und damit 20 Euro verdient«, so Marcus Fendt.

Der besagte Nissan Leaf steht auf dem Gelände des Hagener Energieversorgers Enervie, neben TMH, Nissan und Amprion einer der Partner des Vehicle-to-Grid-Projektes. Das Fahrzeug speist, wenn nötig, je nach Bedarf Strom in das Netz ein. Diese Flexibilität vergütet der Übertragungsnetzbetreiber. Optimistischen Rechnungen von TMH, E-Mobil-Fahrer würden mit dem Bereitstellen ihres Fahrzeuges in knapp einem Jahr 1000 Euro verdienen können (oder wollen), muss man sich allerdings nicht anschließen. Denn erstens wollen Autos gefahren werden und zweitens wird die wachsende Konkurrenz auf dem Regelenergiemarkt die ohnehin gesunkenen Preise für Regelenergie weiter in den Keller treiben. Jedoch zeigt das Beispiel, dass Elektroautos mit entsprechenden technischen Voraussetzungen dem Netz Flexibilität bieten.

Noch sind aktuell die Preise für die bidirektionale Ladetechnik nicht so, dass sich das Ganze im Kleinstmaßstab lohnen würde, und die regulatorischen Hürden sind ebenfalls nicht völlig ausgeräumt. Zuerst werden Unternehmen mit größeren gewerblichen Flotten mittels Vehicle-2-Grid-Technologie ihre Fahrzeuge als virtuellen Speicher bzw. virtuelles Kraftwerk einsetzen und damit Geld verdienen oder gegenüber herkömmlichen Verbrenner-Flotten Kosten reduzieren, glaubt Fendt.

Bild: J. Lousberg/ArenA Bildquelle: © Bild: J. Lousberg/ArenA

Die in der Amsterdamer Arena anfänglich installierten 18 bidirektionalen Ladestationen für Elektroautos sollen auf 200 ausgebaut werden.

Hier sieht TMH einen Zukunftsmarkt, für den es sämtliche Technologien entwickelt hat. Für Flotten bietet TMH in drei Preis-und Leistungsstufen ein intelligentes Lade- und Energiemanagementsystem an, das kostenoptimiertes Laden von leichten Nutzfahrzeugen und Elektromobilen ermöglicht und den Kunden bei der Wahl der Ladestationen und -boxen Freiheit lässt. Das fernkonfigurierbare und um Nutzerkonten erweiterbare System beinhaltet digitale Stromzähler und Stromwandler und ein Monitoring der bezogenen Leistung und Energie, z.B. durch Visualisierung der Live-Daten der Ladevorgänge und Statistiken. Ladestationen und RFID-Karten können im System verwaltet werden.

Interessant wird es bei den optional erhältlichen Modulen Lastmanagement und Flottenmanagement. In der Version Basic lädt das Lastmanagement-Modul alle Elektrofahrzeuge innerhalb der maximal möglichen Netzanschlussleistung durch phasengenaue Verteilung, wobei einzelne Ladestationen priorisiert werden können. In der Variante Dynamic werden zusätzliche Verbraucher wie Gebäude berücksichtigt. Das Flotten­management-Paket bezieht hinterlegte Fahrpläne und den Batteriefüllstand der Elektrofahrzeuge beim Lademanagement mit ein.

Flottenbetreiber können mit einem intelligenten Lastmanagement den Ausbau des Netzanschlusses auf das nötige Maß reduzieren. Gewerbliche Einsteiger in die Elektromobilität müssen auch bedenken: Unternehmen mit mehr 100.000 kWh Stromverbrauch im Jahr zahlen für Strom einen Leistungspreis, der nach der höchsten erzeugten Lastspitze bestimmt wird. Wenn diese Mehrkosten reduziert werden sollen, müssen auch die Ladevorgänge von Elektroautos intelligent gemanagt werden. Dies ist, wenn Fahrzeugen Leistung fix zugeordnet wird (statisches Lastmanagement), nicht voll steuerbar. Besser ist es, mit dynamischem Last­management Spielräume von Gesamt­anschluss und Gebäudelast für Elektromobile zu verwenden oder ein die Lastspitzenproblematik berücksichtigendes, fahrplanbasiertes Lastmanagement einzusetzen.

Bislang 25.000 verkaufte Ladeinfrastruktur-Produkte, die Zusammenarbeit mit automobilen Premiumanbietern wie Porsche oder die kürzlich verlängerte Kooperation mit Audi zeigen, dass die Münchener TMH einiges richtig macht. Für Audi e-tron-Kunden erbringt die TMH z.B. einen Home-Check zu allen Fragen rund um die vorhandene und mögliche Ladeinfrastruktur sowie bei Bedarf die Installation und Wartung derselben. Auch für den Aufbau einer elektrifizierten Flotte mit komplexen Fahrplänen bietet TMH von der Ist-Analyse und Konzepterstellung über den Aufbau der Infrastruktur bis zu ihrem Betrieb umfangreiche Angebote.