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Regierungs-Gutachten: Blockchain wird Mobilität und Logistik beflügeln

Einen Schritt in Richtung der im Koalitionsvertrag bis Mitte 2019 vereinbarten Blockchain-Strategie tat das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur jetzt mit der Veröffentlichung seines Grundgutachtens »Chancen und Herausforderungen der DLT (Blockchain in Mobilität und Logistik)«.

Blockchain-Gutachten Bildquelle: © BMVI 2019

Im Rahmen des Blockchain-Forums des BMVI hat Bundesminister Andreas Scheuer das Grundgutachten »Chancen und Herausforderungen der DLT (Blockchain) in Mobilität und Logistik« vorgestellt.

Das am 15. Mai veröffentlichte Gutachten wurde vom Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik (FIT) erarbeitet. Bundesminister Scheuer sagte: »DLT ist eine neue, digitale Infrastruktur. Wir bekommen mit ihr quasi eine dritte Variante des Internets. Nach dem ‚Internet der Informationen‘, in dem man sich bei Wikipedia schlau macht und Mails verschickt, und dem ‚Internet der Dinge‘, das Geräte, Maschinen, Fabriken und Autos vernetzt, haben wir mit der DL-Technologie jetzt das ‚Internet der Werte‘.«

Bei der Blockchain handelt es sich, vereinfacht ausgedrückt, um eine kontinuierlich erweiterbare Kette von Datensätzen, Blöcke genannt, die z.B. Informationen zu Transaktionen von Geldtransfers enthalten und die durch ein kryptografisches Verfahren miteinander verbunden werden. Jeder Block enthält dabei einen kryptographisch sicheren Hash (Streuwert) des vorhergehenden Blocks, einen Zeitstempel und Transaktionsdaten. Die jeweils neueste Kopie der Blockchain wird nicht zentral, sondern redundant auf Computern der Beteiligten abgelegt (peer-to-peer). Weil nachträgliche Änderungen auffallen würden, ist die Blockchain-Technologie relativ manipulationssicher. »Besitz« und Werte werden somit eindeutig zuordenbar.

Für die Bereiche Mobilität und Logistik eröffnen sich laut Gutachten daraus weitreichende Chancen.  Bundesminister Scheuer gab zu bedenken: »Wie bei anderen zentralen Zukunftstechnologien auch, stehen Deutschland und Europa hier im Wettbewerb mit anderen Regionen der Welt. Es ist daher extrem wichtig, dass wir bei der Erforschung, Entwicklung und Implementierung dieser Technologie entscheidend mitmischen, um unsere Wertvorstellungen wahren und fördern zu können. Deutschland befindet sich da in einer guten Ausgangsposition«.

Das Gutachten untersuchte Fragen des Datenschutzes, der ökonomischen Prinzipien, des Stromverbrauchs und vor allem der Einsatzzwecke und zeigt anhand von Anwendungsbeispielen (Frachtpapiere, elektrisches Laden, Ridesharing und Platooning), wie sich DLT anwenden lässt. Beim Anwendungsbeispiel der Frachtpapiere hat das Grundgutachten großes Potenzial aufgezeigt. Das Beispiel Platooning – also das Kolonnenfahren von Lastkraftwagen – stellt Verrechnungsmöglichkeiten von Kosteneinsparungen über Hersteller und Spediteure hinweg vor.

Das Anwendungsbeispiel Ridesharing (spontane Mitfahrgelegenheiten) hingegen skizziert, an welchen Stellen aktuelle DL-Technologien an Grenzen kommen. Das Anwendungsbeispiel elektrisches Laden erklärt, welcher digitalen Prozessverbesserungen es bedarf, um das Elektroautoladeerlebnis zu verbessern und welche nichttechnischen Herausforderungen für die Verbreitung dieser Lösung existieren. 

Friedhelm Bertelsmeier (Referatsleiter Strategische Aspekte der Digitalisierung, BMVI), Prof. Dr. Gilbert Fridgen (Fraunhofer FIT, Universität Bayreuth), Dr. Helge Königs (Daimler AG), Frank Steinbacher (SteinbacherConsult GmbH & Co. KG) und Dietrich Sümmermann (eMobilify GmbH) diskutierten anschließend über die praktische Anwendung der neuen digitalen Infrastruktur insbesondere am Beispiel des elektrischen Ladens. 

Prof. Dr. Gilbert Fridgen warnte davor, dass Forschung, Wirtschaft und Politik nun nicht den Fehler machen dürften, aufgrund des proklamierten »Hypes« des Blockchain-Begriffs die langfristigen Chancen der Technologie zu unterschätzen und die gute Ausgangsposition Deutschlands damit zu verspielen.