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ANA will nicht mehr nur fliegen: Avatare für »Teleportation« statt Flugzeug

Über Avatare kommunizieren statt zu fliegen – die Fluggesellschaft ANA arbeitet an Avataren, die Teleportation simulieren sollen.

Mit Hilfe von Avataren will ANA künftig Raum und Zeit überwinden - und die Nachfrage nach Flügen ein wenig ankurbeln. Bildquelle: © ANA

Mit Hilfe von Avataren will ANA künftig Raum und Zeit überwinden - und die Nachfrage nach Flügen ein wenig ankurbeln.

»ANA hat sich immer schon zum Ziel gesetzt, Menschen zu verbinden, nicht nur Passagiere mit ihren Destinationen, sondern Kulturen und Ideen. Avatare bieten uns wie keine Technik zuvor die große Chance, genau das über große Distanzen hinweg tun zu können«, sagt Shinya Katanozaka, President und CEO von ANA Holdings. Weil das Ganze aber doch nicht einem Besuch gleichkommt, der in der Realität stattfindet, erhofft er sich, über die Avatare nicht nur neue Geschäftsfelder zu erschließen, sondern auch neue Nachfrage für den Flugverkehr zu schaffen.

Und das ist heute bereits möglich: Wenn die Tochter, die 1000 km entfernt von zu Hause wohnt, ihre Eltern besuchen will, steigt sie nicht ins Flugzeug, sondern wählt sich in einen Avatar ein. Der Avatar ist ein beweglicher Roboter, der sich zu Hause, also in der Wohnung der Eltern, aufhält. Sobald die Tochter sich eingewählt hat, zeigt der Avatar auf seinem Display den Eltern das Gesicht der Besucherin. Der Avatar ist aber weit mehr als ein Bildtelefon. Denn für die Tochter fühlt es sich nun an, als sei sie in den Avatar »hineinschlüpft«: Sie kann den Roboter direkt steuern: Zum Gespräch mit dem Vater an die Couch »fahren«, die Mutter in der Küche beim Abwasch begleiten und sich zum gemeinsamen Essen an den Tisch begeben.

Auch für die Eltern handelt es sich um eine ganz neue Erfahrung. Sie erklären, dass es ein ganz anderes Gefühl sei, sich mit ihrer Tochter »im Avatar« zu unterhalten als über das Telefon. Sie würde wieder zu einem präsenten Mitglied der Familie werden. Das sieht die Tochter offenbar ganz ähnlich, sie fühlt sich tatsächlich wie auf Besuch vor Ort. So verwundert es nicht, dass ihre virtuellen Besuche bei der Familie pro Tag rund drei Stunden beträgt, wie die Nikkei Asian Review berichtet. Ganz ohne fliegen.

Auf dem Weg Raum und Zeit zu überwinden

Das hat mit Teleportation an sich gar nichts zu tun, verfolgt aber das Ziel, Raum und Zeit sowie die Grenzen des menschlichen Körpers teilweise zu überwinden. ANA, mit einem Umsatz von zuletzt 19,3 Mrd. Dollar die größte Fluggesellschaft Japans, arbeitet in Japan an vorderster Front der Avatar-Entwicklung mit. Auf der CEATEC (Combined Exhibition of Advanced Technologies), die vom 15. bis 18. Oktober in Tokio stattfindet, will ANA zeigen, was mit der Avatar-Technik bisher möglich ist – und was noch kommen wird. Dazu demonstriert ANA HD im Rahmen der Sonderausstellung »A City in 2030 – Society 5.0 TOWN« auf der CEATEC verschiedene Szenarien. So können Avatare sich beispielsweise durch Klassenzimmer bewegen und mit den Schülern oder Lehrern sprechen. Jemand, der in Tokio in seiner Wohnung sitzt und Lust darauf hat, weit entfernt auf der Insel Kyushu zu fischen, kann dort in einen Avatar hineinschlüpfen und virtuell die Angelrute halten. Auf ähnliche Weise können Interessierte Museen besuchen – alles bequem von zu Hause aus.

ANA HD will die Avatare weiter entwickeln, so dass auch ältere Leute mit Behinderungen in der Natur spazieren gehen können – zumindest virtuell. Dazu hat ANA mit AVATAR X Lab @ OITA in der Präfektur von Oita in Südjapan das welterste Testfeld für Avatare aufgebaut. Unter anderem befindet sich in einem Hafen von Oita die Anlage, wo über Avatare virtuell geangelt werden kann.  Krankenhäuser, Schulen, Tourismus und Landwirtschaft sind weitere Felder, in denen der Einsatz von Avataren ausprobiert wird.

Erst im Juni 2019 hatte ANA eine Roboterhand gezeigt, die mit biometrischen Berührungssensoren von SynTouch und haptischen Handschuhen von HaptX ausgestattet war. Ein Operator in Kalifornien konnte damit eine Computer-Tastatur in London bedienen – auf Basis der Rückmeldung der Berührungssensoren. »Wir können uns noch gar nicht genau vorstellen, was alles durch Avatare und Telerobotik möglich werden kann. Auf jeden Fall wird sie entscheidend dazu beitragen, Raum und Zeit zu überwinden und Menschen über große Entfernungen zu verbinden«, sagte damals Kevin Kajitani, Co-Director of ANA HOLDINGS INC. Avatar Division

Erst kürzlich hatte Japan ein Entwicklungsprogramm gestartet, um bis 2020 Landwirtschaft, die Forstwirtschaft und die Fischerei soweit automatisiert zu haben, dass Menschen nicht mehr erforderlich sind. 921 Mio. Dollar sollen über die nächsten fünf Jahre in das Programm fließen. Damit sollen Probleme angegangen werden, die aus der alternden Bevölkerung und der rückläufigen Geburtenraten resultieren.

Teilweise lesen sich die Unterpunkte wie aus einem Science-Fiction-Roman, Avatare gehören selbstverständlich dazu. ANA HD hat »ANA AVATAR Vision« ins Leben gerufen, um als Pionier auf diesem Gebiet Avatare in die reale Welt zu bringen. Hier sollen Robotertechnik, AR/VR, Haptics, und KI zu etwas Neuem verschmelzen. Die Absichten einer Person lassen sich zum Avatar übertragen, der dann wieder seine Wahrnehmungen (Sicht, Geräusche, Berührungen) an die Person zurück überträgt.

Hier schreckt ANA nicht davor zurück das Wort »Teleportation« zu verwenden. Denn die neue Technik soll es erlauben, dass Menschen ihre Präsenz, ihre Wahrnehmung und ihr Bewusstsein, ihr Wissen und ihre Fähigkeiten, in solche Avatare an weit entfernten Orten auslagern können. Zahlreiche Partner machen in dem Projekt bereits mit, darunter NTT Docomo, SoftBank und KDDI.  Die Vision ist jedenfalls global: Über Avatare  sollen Ärzte, Wissenschaftler, Lehrer und Techniker ihre Fähigkeiten an jeden Ort der Welt bringen können, wann immer sie gebraucht werden. Die Menschheit könnte so die globalen Ressourcen effektiver nutzen.

Auch das World Economic Forum hat  soziale Roboter zu den »Top Emerging Technologies 2019« gezählt. Das WEF geht davon aus, dass der Umsatz mit Consumer-Robotern von 5,6 Mrd. Dollar 2018 bis 2025 auf 19 Mrd. Dollar steigen werde.