GridX-Ladereport 2023

Auf Kurs bei E-Autos, mangelhaft bei Ladeinfrastruktur

16. März 2023, 13:09 Uhr | Kathrin Veigel
GridX Ladeport 2023
Die Ergebnisse des neuen Ladereports von GridX enthüllen große Defizite der Ladeinfrastruktur in nahezu allen Ländern – auch Deutschland zeigt deutlichen Nachholbedarf bei der Dichte der Ladenetzes.
© GridX

Der Ladereport von GridX analysiert 2023 erstmals die Ladeinfrastruktur in ganz Europa. Ergebnis: Der E-Auto-Rollout befindet sich in Deutschland auf einem guten Weg, im Rennen zur erfolgreichen Transformation des Verkehrssektors zeigt Deutschland aber Defizite bei der Dichte des Ladenetzes.

Von Tag zu Tag rollen mehr E-Autos (EVs) über Europas Straßen, 2030 sollen es rund 41 Millionen sein. Klingt wünschenswert, birgt aber einige Herausforderungen und wirft nicht zuletzt die Frage auf: Wie und wo sollen all diese Fahrzeuge geladen werden? In seinem neuen Ladereport 2023 erkundet das Smart-Energy-Unternehmen GridX erstmals den Status quo der Ladeinfrastruktur in 28 Ländern, darunter 25 EU-Staaten, die Schweiz, Norwegen und das Vereinigte Königreich. 

Dafür hat gridX öffentlich zugängliche Daten von mehr als 480.000 öffentlichen Ladepunkten analysiert. Die Ergebnisse sind oft ernüchternd – auch für Deutschland. Deutschland ist meist nur Mittelmaß und ist – wie alle anderen – weit entfernt vom Vorreiter Norwegen. Das skandinavische Land spielt mit seinem extrem hohen Bestand an E-Autos und seiner dichten Ladeinfrastruktur in einer eigenen Liga. Ein Blick auf die deutsch-norwegischen Daten verdeutlicht, wie weitreichend der Vorsprung von Norwegen vor Deutschland ist. 

Den Startschuss für Ladeinfrastruktur überhört?

Die Zahlen zeigen klar, wie sich Deutschland im europäischen Vergleich schlägt und wo die Defizite auf dem Weg zur Mobilitätswende hierzulande liegen. Zwar erreicht die Bundesrepublik bei der Verbreitung der E-Autos mit gut 1.300 Fahrzeugen je 100.000 Einwohner den sechsten von 28 Plätzen in der Analyse, landet damit aber dennoch weit abgeschlagen hinter Norwegen, das mehr als 11.000 EVs je 100.000 Einwohner vorweisen kann.

Auch der Blick auf die Ladeinfrastruktur macht deutlich, dass Deutschland anscheinend den Startschuss für den Wettlauf zu einer erfolgreichen Mobilitätswende verschlafen hat: Rund 109 Ladepunkte bringt Deutschland pro 100.000 Einwohner zusammen und erreicht damit nur Platz zwölf unter den 28 analysierten Ländern; Norwegen zählt im Vergleich 538 Ladepunkte in dieser Kategorie und besetzt damit die Spitzenposition.

Rückt man das Thema schnelles Laden – oder auch High Power Charging, kurz HPC – in den Mittelpunkt, wird der Rückstand noch deutlicher: Während Norwegen stolze 81 Schnelllade-Säulen je 100.000 Einwohner bieten kann, verfehlt Deutschland auch in dieser Kategorie deutlich das Podium und erreicht mit 13 High-Power-Charging-Säulen je 100.000 Einwohner nur den siebten Rang. Ein kleiner Wermutstropfen: Bei der durchschnittlichen Ladegeschwindigkeit liegen beide länger gleichauf, mit einem kleinen Vorteil für Deutschland (47 kW zu 46 kW).  

Deutschland muss aufs Gaspedal drücken

Der Ladereport von gridX verdeutlicht, dass Deutschland beim Ausbau der Ladeinfrastruktur die Geschwindigkeit dringend anziehen muss. Ansonsten wird der starke Anstieg an E-Autos in den kommenden Jahren zum Problem. Ob der Bedarf dieser Schar an Elektrofahrzeugen durch öffentliche Ladeinfrastruktur dann gedeckt werden kann, sei dahingestellt. Auch müssen Hürden bewältigt werden, die mit dem Anstieg der E-Mobilität auftreten werden, darunter: riesiger Strombedarf, alte Stromnetze und begrenzte Netzkapazitäten.

Es bleibt unvermeidlich, dass große Investitionen in den Ausbau der erneuerbaren Energien fließen müssen, um die Mobilitätswende als Teil der Energiewende zu erreichen. Ebenso müssen Netze ausgebaut und modernisiert und Netzkapazitäten gesteigert werden, um die Mehrbelastungen einer massenhaften E-Mobilität standzuhalten. Auch hierfür braucht es Investitionen, zeitlicher und finanzieller Natur.

Smart Charging: Weniger Netzausbau, mehr Ladeinfrastruktur

Ergänzend muss sich Smart Charging, sprich die Möglichkeit, Ladevorgänge intelligent zu steuern, etablieren, denn das optimiert E-Mobilität gleich auf mehrere Weisen: Lasten werden intelligent gesteuert und Überlastrisiken aufgelöst, ohne die Mobilität einzuschränken. Doch noch entscheidender: Ohne Smart-Charging-Technologien müssen Ladeparks immer mit einem Netzanschluss ausgestattet sein, der die maximale Kapazität aller Ladepunkte abdeckt – ansonsten drohen Überlasten.

Das ist nicht nur teuer und zeitintensiv, sondern nachweislich auch unwirtschaftlich, denn: GridX hat HPC-Standorte analysiert und fand heraus, dass diese nur rund elf Minuten pro Tag voll ausgelastet sind. 86 Prozent der Zeit sind weniger als die Hälfte aller Ladepunkte in Benutzung. Smart Charging sollte für diese Szenarien eine beachtete Lösung sein, da es durch gezieltes Management von Ladevorgängen Überlasten insbesondere in Stoßzeiten vermeidet, ohne oder mit deutlich weniger kostspieligem und zeitintensiven Netzausbau.


Das könnte Sie auch interessieren

Verwandte Artikel

WEKA FACHMEDIEN GmbH