Pilotprojekt bei BMW

Autos bewegen sich fahrerlos innerhalb der Produktion

19. Juli 2022, 13:50 Uhr | Kathrin Veigel
BMW Projekt Automatisiertes Fahren im Werk
Software-Lösungen der beiden Start-ups Seoul Robotics und Embotech ermöglichen das fahrerlose Mobilität im BMW-Werk.
© BMW

Bei BMW läuft ein einzigartiges Vorhaben: Autos lassen sich in der Produktion künftig fahrerlos manövrieren. Mit dem Projekt soll die Effizienz der Logistik von neu produzierten Fahrzeugen in Werken und Distributionszentren erhöht werden. Der Autobauer arbeitet dafür mit zwei Start­ups zusammen.

Ziel des Pilotprojekts »Automatisiertes Fahren im Werk« (AFW) von BMW ist es, dass sich Fahrzeuge eigenständig innerhalb der Logistikzonen und der Montage bewegen – fahrerlos, sicher und effizient. Dafür kooperiert der Autobauer mit dem südkoreanischen Start-up Seoul Robotics und dem Schweizer Start­-up Embotech.

Die Pilotphase startet im Juli 2022 im BMW Group Werk Dingolfing. Der neue BMW 7er sowie der vollelektrische BMW i7 sind als Technologieträger die ersten Fahrzeuge, mit denen das Projekt umgesetzt wird.

Automatisierte Manöver vom ersten Motorstart bis zum Weitertransport

»Wir haben einen anderen Ansatz als beim autonomen Fahren, weil wir keine Sensoren aus den Fahrzeugen nutzen. Das Auto selbst ist quasi blind. Stattdessen haben wir Sensoren entlang der Fahrstrecken installiert, anhand derer wir die Autos in den Werken bewegen«, erklärt BMW-Projektleiter Sascha Andree.

Die AFW-Lösung setzt auf zwei Schlüsseltechnologien: Zum einen kommt eine Sensor-Infrastruktur zum Einsatz, die bei der Lokalisierung der Fahrzeuge hilft und gleichzeitig Hindernisse in der Werksumgebung erkennt. Zum anderen sendet ein Bewegungsplaner kontrollierte Befehle über Mobilfunk an die fahrerlosen Fahrzeuge.

Die automatisierten Fahrten im Werk erfolgen zunächst innerhalb der Montage und anschließend zu Logistikflächen im Werk. Das bedeutet, die fertig produzierten Fahrzeuge fahren selbst zu einem Parkplatz. Von dort aus werden sie per Zug oder LKW weitertransportiert. Grundsätzlich lässt sich die Technologie einsetzen, sobald die Fahrzeuge im Produktionsprozess selbstständig fahren können – also kurz nach dem ersten Start des Motors.

BMW-Start-up Garage holt junge Unternehmen für Projekt mit an Bord

Die Lidar-Erkennungssoftware von Seoul Robotics erstellt mithilfe der statischen Überwachungssensoren einen digitalen Zwilling der Umgebung, einschließlich einer Objektklassifizierung und Positionsbestimmung für die Fahrzeuge. Die Fahrplanungssoftware von Embotech lenkt, bremst, beschleunigt und parkt die fahrerlosen Fahrzeuge. Die Routen werden in Echtzeit berechnet. Eine situationsbedingte Programmierung oder ein Training der Fahrzeuge ist nicht erforderlich. Stattdessen ist jedes Fahrzeug in der Lage, eigenständig auf die jeweilige Umgebungssituation zu reagieren.

Das BMW-Start-up Garage hat die Zusammenarbeit mit Seoul Robotics und Embotech ermöglicht. Die Venture-Client-Einheit von BMW hat Seoul Robotics als potenziell interessanten Technologielieferanten entdeckt und das erste Proof-of-Concept-Projekt mit dem Team von Sascha Andree initiiert. Später wurde auch Embotech zu einer Produktdemonstration für das Projekt mit an Bord geholt.

Die Pilotphase erstreckt sich über einen Zeitraum von mehreren Monaten. Ein weiterer Roll-out ist zunächst mit zusätzlichen Modellen in Dingolfing geplant. Später soll die Technologie auch in anderen Werken eingesetzt werden.


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