Verkehrsnachfrage-Modelle

Regionales Einsparpotenzial von 55.000 Auto-Kilometern

15. März 2021, 13:30 Uhr   |  Irina Hübner

Regionales Einsparpotenzial von 55.000 Auto-Kilometern
© Amadeus Bramsiepe, KIT

Ports könnten künftig den öffentlichen Verkehr noch besser mit Car- und Bikesharing-Angeboten verknüpfen.

Bus und Bahn mit flexiblen Mobilitätsangeboten wie Carsharing oder Leihfahrrädern zu vernetzen, könnte Städte vom Autoverkehr entlasten. Das können Forscher:innen vom KIT mit Hilfe von Verkehrsnachfrageprognosen zeigen.

Mit dem System mobiTopp können die Wissenschaftler:innen am KIT prinzipiell für jede Stadt oder Region weltweit Verkehrsnachfrageprognosen erstellen und dabei die Aktivitäten und Wege der Einwohner:innen minutengenau abbilden. Im Projekt Regiomove wurde die Situation für die Region Karlsruhe untersucht.

Regiomove soll die organisatorischen, technischen und infrastrukturellen Voraussetzungen für die nahtlose Nutzung unterschiedlicher Mobilitätsangebote in der Region Karlsruhe schaffen. Per App können die Bürger:innen genau die Verkehrsmittel auswählen, die am besten zu ihren Bedürfnissen und ihrer Route passen. Dazu werden in der Region Verknüpfungspunkte, die sogenannten Regiomove-Ports, gebaut, die einen einfachen Wechsel der Verkehrsmittel erlauben.

»Die App kann Karlsruhe vom Autoverkehr entlasten und dafür sorgen, dass umweltfreundliche, nachhaltige Verkehrsmittel, wie beispielsweise Bus, Bahn oder das Fahrrad, noch stärker genutzt werden«, sagt Dr. Martin Kagerbauer vom Institut für Verkehrswesen (IfV) des KIT.

Die Verknüpfung der unterschiedlichen Verkehrsmittel passiere neben der App-Integration auch durch die physische Verknüpfung an den Ports, so Kagerbauer. Die Ports bieten neben Informationen vor allem die Möglichkeit, sich beim Umsteigen zwischen öffentlichem Verkehr, Car- und Bikesharing zu entscheiden sowie das eigene Fahrrad sicher abzustellen oder zu reparieren. In Zukunft sollen noch Taxis, Shuttles und E-Roller dazu kommen, ebenso Lade- und Parkmöglichkeiten für E-Autos. An welchen Standorten die Ports die größte Wirkung entfalten, wurde am KIT mit dem Nachfragemodell mobiTopp für die gesamte Region Karlsruhe modelliert.

Wöchentlich 2000 Autofahrten weniger

Würden zum Beispiel in Karlsruhe und den Mittelzentren der Umgebung (Baden-Baden, Bretten, Bruchsal, Graben-Neudorf, Ettlingen, Rastatt, Bühl) Ports mit Anschluss an den öffentlichen Nahverkehr sowie an Car- und Bikesharing-Angebote errichtet, ließen sich in der Region 55.000 gefahrene Autokilometer pro Woche einsparen. Das entspricht in etwa der jährlichen Fahrleistung von 250 Autos. Rund 2000 Fahrten würden dann wöchentlich statt mit dem Auto zu Fuß, mit dem Rad, mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder mittels Sharing-Angeboten zurückgelegt. Die Anzahl der Bikesharing-Wege würde sich gar verdoppeln.

Neues Verkehrsnachfragemodell für genaue Prognosen

Grundlage der Ergebnisse ist das vom IfV eigens entwickelte agentenbasierte Verkehrsnachfragemodell mobiTopp. mobiTopp modelliert mit Hilfe von sogenannten Agenten, die stellvertretend für jeden Einzelnen der rund eine Million Menschen stehen, die in der Region leben, die individuellen Aktivitäten und Wege auf die Minute genau. Das Modell simuliert das Verhalten der gesamten Bevölkerung über eine Woche. Für jede Person wird dabei in Abhängigkeit individueller Eigenschaften wie Alter und Beruf sowie Wohnort und Auto-Besitz durchgespielt, welche Aktivitäten und Wege wann durchgeführt werden.

So entstehen Prognosen, die als Grundlage für die Planung und den weiteren Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs, die Reduzierung der Anzahl privater Autos in der Stadt und eben die partnerschaftliche Vernetzung von öffentlichem Verkehr, Carsharing, Bikesharing und weiteren Verkehrsmitteln zu einem starken Umweltverbund.

Das System mobiTopp kann Verkehrsnachfrageprognosen für prinzipiell jede Stadt oder Region weltweit liefern und dabei die Aktivitäten und Wege aller Einwohner:innen abbilden.

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