Technologischer Wandel

Software – Ein Gamechanger für die Automobilindustrie?

10. Mai 2022, 12:00 Uhr | Autor: Gregory Ouillon, Redaktion: Irina Hübner
Der Schlüssel zu allen neuen Entwicklungen im Auto ist die Software.
© Adobe Stock

Die Entwicklung innovativer In-Car-Solutions und Fahrzeugtechnologien, smarter Industrieanlagen sowie der flächendeckende Einsatz von Konnektivität und Daten gehören heute zu den wichtigsten Prioritäten der Automobilbranche. Der Schlüssel zu all dem heißt Software.

Der Gamechanger Software verändert die deutsche Automobilindustrie bereits jetzt signifikant. Was müssen Hersteller, Zulieferer und Partner tun, um in einer digitalen Zukunft wettbewerbsfähig bleiben zu können?

Die Auswirkungen von Software auf die Automobilbranche

Die vier zentralen Trends der letzten Jahre – autonomes Fahren, Konnektivität, Elektrifizierung und Shared Mobility (ACES) – basieren alle auf innovativen Software-Technologien. Die große Herausforderung für die Branche, besonders in Deutschland, besteht nun darin, die entscheidenden Faktoren innerhalb dieser softwaregesteuerten Wertschöpfungskette präzise zu identifizieren und mit klarem Blick für die Zukunft zu nutzen und zu entwickeln.

Technologie und Kundenerwartungen verändern sich fortlaufend. Um vor diesem Hintergrund wettbewerbsfähig zu bleiben, muss auch die Automotive-Branche am Puls der Zeit sein: Autos lassen sich per Smartphone öffnen und ohne Schlüssel starten, an die Stelle von Tankkarten treten Abonnements für E-Ladestationen. Die technologischen Entwicklungen, die Kund:innen im Auto erleben, müssen sich aber auch in der internen Entwicklung der Hersteller und Zulieferer spiegeln.

Software wird zunehmend komplexer

Autos sind heute Mini-Rechenzentren, die in jeder Sekunde riesige Mengen an Daten verarbeiten. Laut einer aktuellen McKinsey-Studie nimmt die Komplexität der  Softwarefunktionen im Auto jedoch deutlich schneller zu als die Produktivität der Hersteller. Denn nach wie vor bleibt hier in vielen Fällen das Potenzial von Observability-, Cloud- oder anderen SaaS-Technologien ungenutzt. Damit verschenken Hersteller wertvolles Potenzial  zur Effizienzsteigerung in der Fahrzeuginfrastruktur und erschweren die Nutzung von Prozess-Synergien, zum Beispiel in der Produktion.

 

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Die in punkto Softwareentwicklung führenden 25 Prozent der Automobilunternehmen zeichnen sich laut der Studie von McKinsey durch höhere Produktivität und Entwicklungsleistung sowie insgesamt eine bessere Qualität ihrer Lösungen aus. Mehr noch: Die Arbeit mit moderner Software schafft Vertrauen bei Partnern und Kund:innen. Das gesamte Ökosystem profitiert von weniger IT-Zwischenfällen, Ausfallzeiten und Betriebsstörungen.

Die Vermeidung dieser Ausfallzeiten und Unterbrechungen ist entscheidend für das Funktionieren von In-Car-Lösungen und Zusatzdiensten, die das Fahrerlebnis tagtäglich begleiten und beeinflussen. Weiter wird so auch die Zuverlässigkeit kritischer Sicherheitskomponenten wie der Energieversorgung, des Antriebsstrangs oder von Fahrassistenzsystemen (ADAS) gewährleistet.

Herausforderungen bei Integration und Innovationssteuerung

Software gewinnt in der Automobilindustrie also zunehmend an entscheidender Bedeutung, ebenso wie die Programmierbarkeit der Fahrzeuge selbst, Car-to-Cloud, Driver-to-Cloud und weitere Kunden-, Service- und Partner-Ökosysteme. Mit der Komplexität moderner Softwarelösungen gehen jedoch auch große Herausforderungen einher: Zu verorten sind sie speziell im Themenfeld rund um Integration, Software-Performance und Innovationssteuerung.
 
Hilfreich hierbei ist die Möglichkeit, Fahrzeug- und Telemetriedaten sowie Interaktionen in Echtzeit auswertbar zu machen. Observability-Tools als Ende-zu-Ende-Überwachung des Software-Stack können eine konkrete Lösung für solche Herausforderungen bieten: Wichtige Daten zu Kundenverhalten, Interaktionen und kritischen Software Problempunkten aus allen Systemen lassen sich damit zentral erfassen und integriert analysieren, um Performance zu monitoren und Fehler so früh wie möglich zu erkennen. So lässt sich die Qualität von Diensten dauerhaft verbessern.

Solche Informationen aus Observability-Tools sind Gold wert und fließen in der Praxis beispielsweise auch in die Entwicklung von Formel-1-Motoren und softwarebasierten Trainingssimulatoren ein. Doch die Bedeutung von Daten aus jeder Software-Interaktion in der Wertschöpfungskette – vom Auto über die Cloud bis hin zum Smartphone der Fahrer:innen – geht weit über die reine Erfassung von Informationen und Telemetrie aus dem Fahrzeug selbst hinaus.

Die Revolution der Customer Experience

Die Ansprüche von Autofahrer:innen im Hinblick auf Komfort, In-Car-Lösungen und -Diensten sind in den letzten Jahren enorm gestiegen. Besonders wichtig sind dabei Services wie selbständiges Einparken oder die direkte Interaktion zwischen Fahrzeugen und ihrer Umwelt, durch die autonomes Fahren möglich wird. Wie nahtlos ein Fahrzeug in die Auto-Cloud-Fahrer-Architektur integriert ist, mit persönlichen Geräten und verschiedenen Servicepunkten kommuniziert und Daten-Streaming in Echtzeit über die Cloud ermöglicht, prägt in der Summe auch das Markenbild der Kund:innen und schafft Vertrauen und ein Gefühl von Zuverlässigkeit.

Im Sinne der Fahrer:innen und der CX sollte das Auto ein smartes Fortbewegungsmittel sein, das ihnen, abgestimmt auf ihre persönlichen Daten, individuelle Einstellungsmöglichkeiten und Lösungen bietet. Entscheidend ist dabei, dass diese datenbasierten Tools einfach zu bedienen sind und über eine intuitive Benutzeroberfläche verfügen – mit unterbrechungsfreier Verfügbarkeit rund um die Uhr. Autofahrer:innen erwarten, dass Software, Konnektivität und andere Dienste wie zum Beispiel Infotainment-Lösungen zu jeder Zeit im vollen Funktionsumfang nutzbar sind.

Konsistent verlässliche Interaktionen mit Service-Touchpoints festigen ein nahtlos positives Erlebnis und sind der Schlüssel für ein qualitativ hochwertiges In-Car-Erlebnis. Die Minimierung von Ausfallzeiten und Unterbrechungen ist dabei ebenfalls entscheidend, um ein Gefühl von Wertigkeit und Qualität für alle vorhandenen Lösungen und Geräte zu schaffen. Das funktioniert aber auf Dauer nur, wenn auch der Software-Stack im Hintergrund immer auf dem neuesten Stand der Technik ist und permanent überwacht wird.

Mit Software gegen den Fachkräftemangel

Mit der fortschreitenden Digitalisierung und Automatisierung vieler Branchen und Segmente im Zuge von Markttrends wie Industrie 4.0, IIoT und Smart City verschärft sich auch der Kampf um Talente im IT-Sektor: Es gibt schlichtweg nicht genug IT-Fachkräfte für den bestehenden Bedarf der Unternehmen.

Entwickler:innen legen großen Wert darauf, bei ihrer Arbeit leistungsstarke Tools nutzen zu können. Daher ist eine Investition in gute Software und Observability-Tools immer auch eine Investition in die eigenen Chancen am Markt für umworbene Talente. Spannende Projekte und anspruchsvolle Aufgaben in Verbindung mit modernen Softwarearchitekturen und Tools helfen Entwickler:innen, ihre Fähigkeiten effizient einzubringen und ihre persönliche Entwicklung voranzutreiben. Sind Personalabteilungen in der Lage, mit einem solchen Angebot zu werben und können sich Talente langfristig auf einen effizienten IT-Stack verlassen, steigen die Aussichten darauf talentierte Fachkräfte für Unternehmen zu gewinnen und langfristig zu binden.

Software als Innovationstreiber der deutschen Automobilindustrie
Die Automobilindustrie durchläuft aktuell einen grundlegenden Wandel – auch in Deutschland. Software und Daten entwickeln sich zu entscheidenden Branchenfaktoren, was in der Folge spezialisierte Softwarelösungen zur Überwachung kritischer Faktoren wie Verfügbarkeit, Performance und Zuverlässigkeit unabdingbar macht.

Die große Herausforderung, insbesondere für deutsche Hersteller, besteht nun darin, neue High-End-Technologien in die bewährte Qualität und Wertigkeit deutscher Autos zu integrieren. Der Einsatz der richtigen Software kann diese Herausforderung in eine Chance für Wachstum und Innovation zur Entwicklung neuer Produkte und Lösungen verwandeln.

 

 

Gregory Ouillon, New Relic.
Gregory Ouillon, New Relic.
© New Relic

Der Autor

Gregory Ouillon
ist CTO EMEA des Observability-Anbieters New Relic.


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