Kommentar

Warum TSMC Automotive-ICs priorisiert

01. Juli 2021, 10:17 Uhr   |  Heinz Arnold

Warum TSMC Automotive-ICs priorisiert
© Markt&Technik

Heinz Arnold, Senior Editor/Stellv. Chefredakteur Markt&Technik, HArnold@weka-fachmedien.de

Der Fertigung von Automotive-Chips räumt TSMC höchste Priorität ein. Doch wie ernst ist das gemeint?

Angesichts des Umsatzanteils der Automotive-Chips im ersten Quartal von gerade mal 4 Prozen bei TSMC, dürfte die Frage berechtigt sein. Was steckt also hinter der Priorisierung, die TSMC jetzt verkündet? Zunächst fühlt sich TSMC dazu berufen, den Ländern, die Autos produzieren, zu helfen. Denn in diesen Ländern steuert die Automobilindustrie einen wesentlichen Anteil zum GDP bei und viele Arbeitsplätze hängen an dieser Industrie. Deshalb hat es gravierende Auswirkungen, wenn Automobilhersteller ihre Werke wegen Mangels an Chips vorübergehend schließen müssen. Dass TSMC hier helfen will, wird in den betroffenen Ländern sicher mit Freude aufgenommen.

Doch es gibt auch handfeste Gründe: Die Automobilindustrie wandelt sich grundlegend. Die Anzahl der Chips, die in die Autos wandert, steigt wegen der Elektrifizierung des Autos rasant. Dabei handelt es sich um solche ICs, die nicht auf der neusten Prozesstechnik basieren, aber häufig in speziellen Prozessen gefertigt werden. Für diese Chips will TSMC die Kapazitäten kräftig erweitern.

Richtig Geld verdient TSMC allerdings mit den ICs, die mithilfe der neusten Prozesstechniken gefertigt werden, nämlich auf Basis der 7-nm-, der 5-nm- und bald auch der 3-nm-Ebene. Allein mit 5-nm-ICs wird TSMC in diesem Jahr voraussichtlich 20 Prozent des Jahresumsatzes generieren. Im ersten Quartal waren es noch 14 Prozent. In diesem Prozess fertigt TSMC Logik-ICs, die beispielsweise im High-Performance Computing, in Servern (nicht zu vergessen das Bitcoin Mining), in der Kommunikationsinfrastruktur und in Smartphones Einsatz finden.

Doch sehr schnell werden die Autos hinzukommen. Denn Autos, die vernetzt sind, untereinander und mit der Infrastruktur kommunizieren und zumindest teilweise autonom fahren, benötigen riesige Rechenleistungen: High-Performance Computer auf Rädern. Gerade hat TSMC mit Stolz verkündet, dass jetzt ein Derivat des 5-nm-Prozesses zur Verfügung steht, mit dessen Hilfe ICs gefertigt werden können, die den harten Anforderungen der Automobilindustrie entsprechen.

Der Automotive-Markt ist also für TSMC viel interessanter, als es der derzeitige Umsatzanteil vermuten ließe. Die Automotive-Chips zu priorisieren liegt deshalb im Kerninteresse von TSMC – das wäre sicherlich auch ohne die durch Corona bedingten Turbulenzen in der Lieferkette so gekommen. Wie in so vielen anderen Bereichen hat Corona aber dazu beigetragen, den Prozess zu beschleunigen.

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