VDMA erweitert Verbandsplattform Photovoltaik-Produktionsmittel

»Die Kostendegression ist für uns Herausforderung und Chance«

21. Mai 2010, 08:12 Uhr   |  Karin Zühlke


Fortsetzung des Artikels von Teil 1 .

»Die Kostendegression ist für uns Herausforderung und Chance«

Eine Kostensenkung lässt sich nur über technische Innovationen in der PV-Fertigung erzielen: Höherer Durchsatz, eine höhere Stückgutausbeute und eine höhere Zuverlässigkeit, Energie- und Ressourceneffizienz sind dabei die wesentlichen Parameter.
© centrotherm

Eine Kostensenkung lässt sich nur über technische Innovationen in der PV-Fertigung erzielen: Höherer Durchsatz, eine höhere Stückgutausbeute und eine höhere Zuverlässigkeit, Energie- und Ressourceneffizienz sind dabei die wesentlichen Parameter.

Die Neuregelungen für die Einspeisevergütungen sorgen in der erfolgsverwöhnten deutschen Solarbranche für Turbulenzen. Glauben Sie, dass das Wachstum des deutschen PV-Marktes und damit auch das der PV-Equipment-Hersteller darunter leiden könnte?

Grundsätzlich trage ich das EEG mit. Was passiert, wenn die Einspeisevergütungen zu hoch sind, hat der Zusammenbruch der Märkte in Spanien aber auch gezeigt. Die Ankündigungspolitik und das hin und her der Absenkungsdiskussion hat viel Unsicherheit in den Markt gebracht. Die Politik sollte verlässliche Rahmenbedingungen schaffen. Für die deutschen Maschinen- und Anlagenbauer ist das deutsche EEG zwar nur mittelbar entscheidend, weil wir mehr als 80 Prozent unserer Produkte exportieren. Trotzdem ist das EEG aber auch ein Leuchtturm für andere Märkte. Das EEG führt implizit zur weiteren Kostendegression, die wir brauchen, um Photovoltaikstrom konkurrenzfähig gegenüber fossilen Energieträgern zu machen. Die Stellschraube zu einer effizienteren PV-Fertigung liegt wesentlich bei den Maschinenbauern. Das bedeutet für uns Herausforderung und Chance zugleich, denn wir müssen uns überlegen, wie wir die mit unseren Maschinen die Kostendegression mitgehen bzw. unterstützen können …

… Welche Parameter sind dabei entscheidend?

Eine Kostensenkung lässt sich nur über technische Innovationen in der PV-Fertigung erzielen: Höherer Durchsatz, eine höhere Stückgutausbeute und eine höhere Zuverlässigkeit, Energie- und Ressourceneffizienz sind die wesentlichen Parameter. Allein abgestimmte Prozesse erhöhen bereits den Wirkungsgrad der Zellen und Module. Innovationen auf der Produktseite müssen sich zuerst in der Massenproduktion und dann auch im Feld bewähren. Wir Maschinenbauer fungieren als »Enabler«  und versetzen unsere Kunden in die Lage, diese Vorgaben erfüllen zu können.   

Senkt die Kostendegression im EEG nicht mittelbar die Investitionsbereitschaft Ihrer Kunden?

Nein, eher im Gegenteil, die Kostendegression zwingt die Photovoltaik-Hersteller geradezu zum Investieren. Sie brauchen Maschinen, die technisch »State-of-the-Art« sind, um günstige Module produzieren zu können und damit die Kostendegression ihrerseits mitgehen zu können. Die Investitionszyklen im PV-Bereich sind wesentlich kürzer als beispielsweise in der Elektronikfertigung. Als Modul-Hersteller müssen Sie praktisch die neuesten Maschinen haben, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Schlussendlich profitieren Sie also von der Kostendegression?

Ja, die Maschinenbauer profitieren vom Kostendruck hin zu immer niedrigeren Herstellungskosten, aber auch davon, dass die Märkte an sich wachsen. In Europa entwickeln sich beispielsweise Tschechien, Frankreich und Italien viel versprechend. Insgesamt rechnet der deutsche PV-Maschinenbau für 2010 wieder mit zwölf Prozent Plus, nach einem moderaten Minus von sieben Prozent im vergangenen Jahr.  

Die Photovoltaik konkurriert nach wie vor mit der konventionellen Stromerzeugung. Wird sie sich letztlich durchsetzen?    

Es ist wichtig, die Photovoltaik in einem überschaubaren Zeitraum zur Grid Parity zu bringen, und dazu brauchen wir wiederum möglichst niedrige Produktionskosten. Die Automatisierungstechnik ist hier einer der wichtigsten Schlüssel, um dem Kostendruck in der Photovoltaikproduktion standzuhalten und damit die Photovoltaik wettbewerbsfähig gegenüber den klassischen Technologien der Stromerzeugung zu machen.  

Was muss die Politik tun, um den deutschen PV-Maschinenbau zu unterstützen?

Die Rahmenbedingungen müssen stimmen und auch verlässlich sein. »Heute so, morgen so« verunsichert alle Marktteilnehmer und schadet dem Investitionsstandort. Sie stecken nicht Millionen in eine Freiflächenanlage, wenn unklar ist, ob und wann sich die Investition rechnet. Verunsicherung am Markt hemmt auch die Investition in Fabriken und Ausrüstung. Die Maschinenbauer stecken viel Geld in Forschung und Entwicklung. Ein gutes Instrument, um der Industrie zu helfen, wettbewerbsfähig zu bleiben, wäre z.B. die steuerliche Forschungsförderung, die in der Diskussion ist.

Der Maschinenbau ist sehr investitionsintensiv. Ist das in Zeiten, in denen die Banken äußerst restriktiv bei der Kreditvergabe sind, ein Nachteil? 

Das ist in der Tat eine der größten Herausforderungen für den Maschinenbau. Wir sind stets auf frisches Geld angewiesen. Wir müssen z.B. Zulieferteile und das Rohmaterial für unsere Maschinen vorfinanzieren, die Investition in Forschung und Entwicklung, der Ausbau unserer eigenen Produktionskapazitäten – all das will finanziert sein. Ein Weg, dieses Kapital zu beschaffen, führt über die Börse und das läuft sehr gut. Die Bankenkrise bekommt aber auch unsere Branche zu spüren. Hier ist ganz klar: Wir brauchen eine Bankenlandschaft, die bereit ist, Kredite zu vernünftigen Konditionen zu geben.  

 

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