EEG-Kosten

Energieintensive Industrien überleben dank Ausnahmeregelungen

05. August 2015, 12:40 Uhr   |  Hagen Lang

Energieintensive Industrien überleben dank Ausnahmeregelungen

Die Energiewende würde energieintensiven Industrien den Garaus machen, würden die Strompreisprivilegien und Ausnahmeregelungen abgeschafft.

In Deutschland und weiteren wichtigen Industriestaaten gelten für energieintensive Branchen wie Chemie, Papier, Stahl, Aluminium, Kupfer und Textil Kostenprivilegien. Ohne diese wären die Industrien speziell in Deutschland wegen der Energiewendekosten wirtschaftlich nicht überlebensfähig.

Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI und Ecofys untersuchten die Zusammensetzung von Strompreisen und Strompreisregulierungsansätze in Deutschland, den Niederlanden, dem Vereinigten Königreich, Frankreich, Italien, Dänemark, Kanada, USA, China, Korea und Japan. Dabei zeigt sich, dass stromintensive Großverbraucher etwa aus der metallverarbeitenden Industrie und aus der Chemieindustrie in allen Ländern die niedrigsten Strompreise, keine oder sehr reduzierte Steuern und Umlagen sowie geringe Netzentgelte, zahlen.

Für Aluminium- und Kupferhersteller, die Stahlproduktion in Elektrostahlöfen und chemische Reduktionsprozesse gelten in allen Ländern vielfältige Privilegierungskriterien, die wettbewerbsgefährdete Unternehmen von staatlich regulierten Strompreiskomponenten entlasten.

Im Vergleich zu den anderen untersuchten Ländern erhebt Deutschland besonders viele und hohe Steuern und Umlagen, was die Privilegierungen entscheidend macht: Ohne diese wären die Strompreise für einzelne Unternehmen im Jahr 2014 um knapp 8 Cent pro Kilowattstunde höher gewesen. Dr. Barbara Breitschopf vom Fraunhofer ISI betont: »Ohne die besondere Ausgleichsregelung (BesAR) würde sich die Produktion von Aluminium und Chlor in Deutschland nicht lohnen und über kurz oder lang eingestellt. Dies gilt auch für viele Papierhersteller und Stahlerzeuger.«

Die Analysen zeigen darüber hinaus, dass neben den Strompreisen auch andere Standortfaktoren wie die Integration verschiedener Verarbeitungsschritte sowie die Nähe zu wichtigen Märkten bedeutsam sein können und einige Preisnachteile aufwiegen können. Ohne Ausnahmeregelungen würden die Produktpreise in der Papierindustrie und Nichteisen-Metallindustrie besonders stark steigen, um durchschnittlich fünf Prozent. Durch diese höheren Preise würde die Exportnachfrage in stromintensiven Branchen um 16 bis 18 Prozent sinken, deren Produktion kurzfristig um 11 bis 18 Prozent einbrechen.

Landesweit würden durch den Wegfall der Ausnahmeregelungen die Produktionspreise um bis zu knapp 3,5 Prozent steigen und deutsche Exporte um bis zu 0,3 Prozent (4,5 Milliarden Euro) sinken. Dadurch gingen ungefähr 104.000 Arbeitsplätze verloren, davon ca. 70.000 im Verarbeitenden Gewerbe.

Insgesamt überwiegen die gesamtwirtschaftlichen Nachteile bei Abschaffung der Ausnahmeregelungen und Privilegien, gegenüber den hierdurch erreichten Vorteilen bei den entlasteten, nicht privilegierten Verbrauchern. Die negative Gesamtwirkung bei der Abschaffung der Privilegien würde 2020 etwa 4 Milliarden Euro bzw. 0,15 Prozent des Bruttoinlandsprodukts betragen.

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