Globale Energie- und Klimakrise

Energiewende ist der Schlüssel zur Krisenbewältigung

29. März 2022, 12:24 Uhr | Kathrin Veigel
World Energy Transitions Outlook 2022
© IRENA

Der aktuelle World Energy Transitions Outlook skizziert die bis 2030 dringend nötigen Maßnahmen, um das 1,5°C-Ziel am Leben zu halten. Gleichzeitig fordert er die Regierungen zur beschleunigten Energiewende auf für mehr Energiesicherheit, Widerstandsfähigkeit und erschwingliche Energie für alle.

Kurzfristige Maßnahmen zur Bewältigung der aktuellen Energiekrise müssen mit einer konsequenten Ausrichtung auf die mittel- und langfristigen Ziele der Energiewende einhergehen, das ist die Forderung des World Energy Transitions Outlook 2022, der heute von der Internationalen Agentur für Erneuerbare Energien (IRENA) vorgestellt wurde. Hohe Preise für fossile Brennstoffe, Sorgen um Energiesicherheit und der rasant fortschreitende Klimawandel unterstreichen laut dem Bericht die Dringlichkeit, noch schneller auf ein sauberes Energiesystem umzustellen.

Der Outlook listet Maßnahmen auf der Basis bestehender Technologien auf, die bis 2030 prioritär umgesetzt werden müssen, um bis Mitte des Jahrhunderts das Ziel Netto-Null-Emissionen zu erreichen. Ein Fortschrittsbericht zu allen Bereichen der Energienutzung kommt zudem zu dem Ergebnis, dass sowohl das Tempo als auch der Umfang der Energiewende hin zu Erneuerbaren unzureichend sind.

»Die Energiewende ist noch weit vom richtigen Weg entfernt und wenn wir in den kommenden Jahren nicht auf radikale Maßnahmen setzen, werden die Chancen, unsere Klimaziele zu erreichen, geschmälert oder sogar zunichte gemacht«, meint Francesco La Camera, Generaldirektor von IRENA.

Regierungen sehen sich heute mit zahlreichen Herausforderungen konfrontiert wie Energiesicherheit, Konjunkturerholung und Bezahlbarkeit der Stromrechnung für Haushalte und Unternehmen. Viele Antworten liegen nach Ansicht der IRENA in einer schnelleren Energiewende. »Letzlich ist es eine politische Entscheidung, Maßnahmen im Einklang mit Pariser Klimaschutzabkommen und der Agenda für nachhaltige Entwicklung zu treffen. Investitionen in neue Infrastruktur für fossile Brennstoffe zementierten unwirtschaftliche Praktiken und bestehende Risiken und die Bedrohung durch den Klimawandel nimmt zu«, so La Camera.

»Es ist höchste Zeit zu handeln«

»Die jüngsten Entwicklungen haben deutlich gezeigt, dass hohe Preise für fossile Brennstoffe zu Energiearmut und zum Verlust der industriellen Wettbewerbsfähigkeit führen können. 80 Prozent der Weltbevölkerung leben in Ländern, die Nettoimporteure von fossilen Brennstoffen sind. Erneuerbare sind hingegen in allen Ländern verfügbar. Sie bieten einen Ausweg aus der Importabhängigkeit und ermöglichen Volkswirtschaften, sich von den Kosten fossiler Brennstoffe abzukoppeln und gleichzeitig Wirtschaftswachstum und neue Arbeitsplätze zu schaffen«, erklärt der IRENA-Generaldirektor.

Der Outlook geht von einem Investitionsbedarf von 5,7 Billionen US-Dollar pro Jahr bis 2030 aus, einschließlich der Notwendigkeit, jährlich 0,7 Billionen Dollar von fossilen Brennstoffen wegzulenken, um verlorene Vermögenswerte zu vermeiden. Investitionen in die Energiewende würden jedoch konkrete sozioökonomische Vorteile mit sich bringen und von heute bis 2030 weltweit 85 Millionen Arbeitsplätze im Bereich der Erneuerbaren und anderer Technologien im Zusammenhang mit der Energiewende schaffen. Neue Jobs würden die Verluste von 12 Millionen bei den fossilen Energien bei weitem übersteigen. Insgesamt könnten mehr Länder von der Energiewende als von »Business as usual« profitieren, wie es in dem Outlook heißt.

Erneuerbare müssten allerding in allen Sektoren massiv ausgebaut werden, von aktuell 14 Prozent der Gesamtenergie auf rund 40 Prozent im Jahr 2030. Wie vom Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) empfohlen, würde sich der weltweite jährliche Zuwachs von Strom aus erneuerbaren Energien bis 2030 verdreifachen. Gleichzeitig müssten die Kohlekraft konsequent ersetzt, die fossilen Energieträger schrittweise abgebaut und die Infrastruktur modernisiert werden.

Triebkräfte der Energiewende

Der Outlook sieht Elektrifizierung und Effizienz als Treiber der Energiewende, die durch Erneuerbare, Wasserstoff und nachhaltige Biomasse freigesetzt werden. Die Dekarbonisierung des Endverbrauchs wird zukünftig im Mittelpunkt stehen, zahlreiche Lösungen stehen durch Elektrifizierung, grünen Wasserstoff und die direkte Nutzung Erneuerbarer bereit. Vor allem Elektromobilität gilt als Motor der Energiewende und der Absatz von Elektroautos weltweit könnte um das Zwanzigfache der heutigen Flotte ansteigen.

Es bedarf jedoch eines umfassenden Pakets bereichsübergreifender, strukturpolitischer Maßnahmen, die alle technologischen Optionen und Ziele einer gerechten Energiewende berücksichtigen, um die erforderliche Zwischenetappe bis 2030 zu erreichen. Ziele in den nationalen Klimabeiträgen (Nationally Determined Contributions) und Energieplänen im Rahmen des Klimapakts von Glasgow müssen Sicherheit bieten und Investitionsstrategien auf 1,5 °C lenken.

Insbesondere die weltweit größten Energieverbraucher und Verursacher von Kohlenstoffemissionen der G20- und G7-Staaten müssen Führungsstärke zeigen und ehrgeizige Pläne und Investitionen im In- und Ausland in Übereinstimmung mit 1,5 °C umsetzen. Sie müssten bis 2030 weltweit einen Anteil von 65 Prozent erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung erreichen. Klimafinanzierung, Wissenstransfer und internationale Hilfen müssen ausgebaut werden im Sinne einer inklusiven und gerechteren Welt.  

Schließlich erfordert die Beschleunigung der Energiewende im Einklang mit  Klima- und Entwicklungszielen politisches Engagement und ein Höchstmaß an internationaler Zusammenarbeit. Globale Ziele für nachhaltige Entwicklung und der Zugang zu moderner Energie bis 2030 müssen ein wesentlicher Pfeiler einer gerechten Energiewende bleiben. Ein ganzheitlicher politischer Rahmen kann Länder zusammenbringen und den Fluss von internationalen Finanzmitteln, Kapazitäten und Technologien ermöglichen.  


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