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Es gibt keine Versorgungssicherheit ohne konventionelle Kraftwerke

27. Januar 2015, 17:58 Uhr   |  Hagen Lang

Es gibt keine Versorgungssicherheit ohne konventionelle Kraftwerke
© VKU 2014, VKU-Erzeugungsabfrage

Unter den Bedingungen von subventionierten Erneuerbaren gedrückten Strompreisen am 'freien Markt' sind Investitionen in neue Kraftwerke immer weniger Rentabel. Dies betrifft gerade die etwas teureren hocheffizienten und umweltfreundlichen Kraftwerke. Die Investitionen kommunaler Unternehmen in Kraftwerksneubauten gehen dementsprechend zurück. Bereits für das nächste Jahrzehnt ist deshalb die Versorgungssicherheit nicht mehr gewährleistet.

Der Verband kommunaler Unternehmen hat anlässlich aktueller Äußerungen der Bundesregierung zur Situation konventioneller Kraftwerke auf deren Bedeutung für die Versorgungssicherheit Deutschlands hingewiesen. Bis heute gibt es für sie keinen Ersatz.

Nicht rentabel zu betreiben sind unter den jetzigen Bedingungen subventionierter erneuerbarer Energien moderne umweltfreundliche Kraftwerke, weil der Subventionsstrom die Strompreise in den Keller treibt, von denen effiziente Kraftwerke eigentlich leben sollen. Letztere sind bei der sich künftig noch verstärkenden schwankenden Stromeinspeisung erneuerbarer Energien für die Versorgungssicherheit Deutschlands aber unabdingbar. Unterfüttert mit eigenen Lösungsvorschlägen hat der Verband Kommunaler Unternehmen (VKU) die Bundesregierung erneut auf diese Problematik hingewiesen.

»Die Stadtwerke in Deutschland haben einen Kraftwerkspark mit vielen modernen, hocheffizienten Kraftwerken und Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen (KWK), die derzeit gar nicht oder fast nicht wirtschaftlich betrieben werden können«, so VKU-Präsident Ivo Gönner. »Diese Kraftwerke haben aber eine wichtige Funktion für die Versorgungssicherheit in Deutschland: Sie liefern dann Strom, wenn durch die schwankende Einspeisung aus erneuerbaren Energien nicht ausreichend Strom bereitgestellt werden kann. Mit Blick auf die Versorgungssicherheit muss die Bundesregierung dafür sorgen, dass der Energiemarkt so ausgestaltet ist, dass hoch effiziente Kraftwerke nicht unter die Räder kommen.«

Dass vieles, was aus politischen Kreisen derzeit zur deutschen Energieversorgung gesagt wird, reinem Wunschdenken entspricht, drückt VKU-Präsident Gönner diplomatisch aus: »Das, was der Bundesregierung derzeit vorschwebt, ist ein idealtypischer Markt, der der Energiemarkt nicht ist. Wir glauben nicht, dass Preisspitzen ausreichen, um Kraftwerksneubauten, die wir spätestens in den 2020er Jahren brauchen, zu finanzieren.«

Der VKU favorisiert zur Finanzierung von Kraftwerken, Kraftwerksneubauten und der Grundlastsicherung angesichts schwankend einspeisender erneuerbarer Energien das Modell eines »integrierten Energiemarktdesigns«, das einen dezentralen Leistungsmarkt vorsieht. Neben der Bereitstellung systemstabilisierender Kraftwerkskapazität mache dieser den Wert gesicherter Energieversorgungs-Leistung sichtbar, was nicht nur Kraftwerken, sondern auch Speicherlösungen und Optionen wie dem Lastmanagement auf dem Weg in die Wirtschaftlichkeit helfen könne.

»Sorge machen wir uns auch um die Wirtschaftlichkeit der KWK in Deutschland. Hier muss durch eine schnelle Novelle des Kraft-Wärme-Kopplungsgesetztes der Bestand gesichert und neue Investitionsanreize gesetzt werden«, so Gönner.

Laut einer Umfrage des VKU unter Stadtwerke-Geschäftsführern 2014 verdunkelt sich die Stimmung der Branche. 61 Prozent der befragten Stadtwerke glauben, dass sich die wirtschaftliche Lage weiter verschlechtern wird, eine Zunahme von 10 Prozent gegenüber 2013.

Das Modell des »Dezentralen Leistungsmarktes« sieht vor, dass stromvertreibende Unternehmen »Versorgungssicherheitsnachweise« (VNS) von Anbietern gesicherter Leistung (Kraftwerksbetreiber) erwerben müssen, um in Zeiten fehlenden Angebots erneuerbarer Energien die Versorgungssicherheit ihrer Kunden garantieren zu können. Diese VNS sollen auf einem »Zertifikatemarkt« gehandelt werden, an dem auch ihre Preisbildung (je nach Angebot und Nachfrage für sichere Leistung) stattfindet. Idealerweise werden sich Stromvertreiber nicht mit Stromüberkapazitäten eindecken, Kunden Anreize zum Stromverbrauch außerhalb von Zeiten hoher Nachfrage bieten, langfristig planen und zu einem Ausgleich von Angebot (Kraftwerke und Kraftwerksneubauten) und Nachfrage führen.

Gönner resümierte: »Egal was sich die Bundesregierung für die zukünftige Ausrichtung des Energiemarktes überlegt: Es müssen verlässliche, marktwirtschaftliche Rahmenbedingungen geschaffen werden, die Versorgungssicherheit zu volkswirtschaftlich günstigsten Preise garantieren.«

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