Der chinesische Photovoltaik-Markt soll Applied Materials 2010 weiteres Wachstum bringen

»Mit unserem Technikvorsprung halten wir alle Trümpfe in der Hand«

21. Mai 2010, 09:22 Uhr   |  Karin Zühlke

»Mit unserem Technikvorsprung halten wir alle Trümpfe in der Hand«

Der weltweite Solarboom bescherte Applied Materials seit 2006 im Geschäftsbereich »Energy Environmental Solutions« ein Umsatzwachstum um 600 Prozent auf 1,15 Mrd. Dollar im Geschäftsjahr 2009. Für 2010 rechnet Rob Deline, Managing Director der Solar Product Group von Applied Materials, mit einem Wachstum von gut fünf Prozent, das vor allem aus dem chinesischen Markt kommen soll. Das Alleinstellungsmerkmal von Applied sieht Deline im Technikvorsprung: Mit der SunFab Line und dem Siebruckprozess »Baccini Esatto Technology« setzte Applied neue Maßstäbe für die PV-Fertigung.

Energie & Technik: Automatische und hocheffiziente Fertigungslinien sind heute für die Hersteller von Solarzellen und -modulen die Voraussetzung, um in einem Markt bestehen zu können, dessen Erfolg auf dem Prinzip der Kostendegression basiert. Wie begegnen Sie als Hersteller solcher Linien diesen Anforderungen? 

Rob Deline: Wir investieren sehr viel in Forschung und Entwicklung, um technisch sowohl im kristallinen Silizium-Bereich als auch bei der Dünnschicht-Technik die Nase vorn zu haben. So haben wir kürzlich mit der Baccini Esatto Technology eine neue Produktionstechnik für kristalline Silizium-Solarzellen vorgestellt. Dabei handelt es sich um eine hochpräzise mehrstufige Siebdrucktechnik. Damit lassen sich bessere Kontaktstrukturen auf Solarzellen drucken wie selektive Emitter oder zweifach gedruckte Metalllinien, die nur 80 Mikrometer breit sind. Diese Technik verbessert den Wirkungsgrad der kristallinen Zellen um einen halben Prozentpunkt. Die Resonanz auf diese Technik bei den Zellen-Hersteller ist sehr gut, weil sie ihre bestehenden Produktionslinien –und -prozesse beibehalten können und ihre Zellen trotzdem an Wirkungsgrad gewinnen.

Aber auch im Dünnschicht-Bereich arbeiten momentan an einer weiteren Effektivitätssteigerung der SunFab Line von 10 Prozent und wollen gleichzeitig die Produktionskosten auf einen Dollar pro Watt senken. Mit der SunFab Fertigungslinie zur Herstellung von Dünnschicht-Modulen haben wir einen neuen Maßstab in der Solar-Industrie gesetzt: Sie kann Trägerplatten bis zu einer Größe von 5,7 Quadratmetern produzieren – die Linien unserer Mitbewerber schaffen nach wie vor nur etwa ein Viertel dieser Größe. Dieser Formfaktor senkt die Produktionskosten im Vergleich zu den um drei Viertel kleineren Modulen um 10 Prozent und die Installationskosten durch eine schnellere Montage der Module sogar um 17 Prozent.

Sie prognostizieren für den weltweiten PV-Equipment-Markt bis 2012 ein Volumen von 7 Mrd. Dollar. Der Löwenanteil davon entfällt auf Asien – vor allem China. Wie will Applied vom wachsenden asiatischen Markt profitieren? Ihre asiatischen Mitbewerber werden sich ihren Heimvorteil nicht nehmen lassen.

Bereits heute stehen etwa 60 Prozent des Solar-Produktionsequipments in Fabriken in Asien. Dass Asien der weltweit größte Abnehmer ist, hat unseren Erfolg bislang nicht gebremst, im Gegenteil, wir sind hier sehr gut positioniert. Und wir rechnen damit, dass unser Geschäft in Asien in beiden Bereichen – kristalline Siliziumzellen und Dünnschichtproduktion – weiter anzieht. Dafür haben wir einiges getan: Um unseren asiatischen Kunden vor Ort die erforderliche Unterstützung bieten zu können, haben wir beispielsweise in China eine umfassende Service-Infrastruktur und ein Forschungs- und Entwicklungszentrum aufgebaut. 

Deutschland und einige andere europäischen Länder haben die Solarförderung gekürzt bzw.  eingestellt. Wird das die Bedeutung des europäischen Marktes negativ beeinflussen?

Wir gehen davon aus, dass der europäische Markt weiterhin moderat wachsen wird, weil die Preise für die Module fallen und das treibt die Nachfrage an, auch wenn die Förderung zurückgeht. Der Anteil von Deutschland an den weltweiten Solar-Installationen betrug im vergangenen Jahr 50 Prozent bzw. Über 3,5 Gigawatt. Dieser Anteil wird sich nach unserer Ansicht bis 2013 auf weniger als 25 Prozent reduzieren. Gleichzeitig entwickeln sich aber neue und viel versprechend Märkte in Europa: Frankreich, Italien, Belgien und die Tschechische Republik, so dass die Bedeutung Europas für den weltweiten Solarmarkt weiterhin hoch sein wird. 

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