iSuppli erwartet in diesem Jahr weltweit PV-Neuinstallationen von 13,5 GW

Photovoltaik-Markt wächst 2010 stärker als erwartet

07. Juni 2010, 15:26 Uhr   |  Engelbert Hopf

Photovoltaik-Markt wächst 2010 stärker als erwartet

Fast eine Verdoppelung gegenüber der im Vorjahr realisierten Neuinstallationen erwartet das Marktforschungsinstitut iSuppli nach seiner jüngsten Markterhebung. Der Einfluss der reduzierten Einspeisevergütung in Deutschland fällt damit deutlich geringer aus, als noch Anfang des Jahres befürchtet. Mit Liefersteigerungen von fast 80 Prozent, wächst der Bereich der Dünnschicht-Module weiter überproportional.

Im Zuge seiner jüngsten Marktstudie hat das Marktforschungsinstitut iSuppli seine Prognose für die 2010 weltweit erwartete Photovoltaik-Neuinstallationen deutlich von 8,3 auf 13,5 GW angehoben. Dr. Henning Wicht, Senior Director Photovoltaics bei iSuppli begründet die Anpassung mit unterschiedlichen Einschätzungen der Folgen, der in Deutschland ab Juli 2010 geltenden reduzierten Einspeisevergütungen: »Es wird allgemein davon ausgegangen, dass sich nach der Reduzierung der Einspeisevergütung das Geschäft in der zweiten Jahreshälfte abschwächt. Wir sind jedoch zu der Überzeugung gekommen, dass der Effekt der fallenden Modulkosten auf die Systempreise der Anbieter und ihre Bereitschaft, durch Preisnachlässe die Nachfrage weiter zu stimulieren, bislang in den Prognosen zur weiteren Marktentwicklung unterschätzt wurde«.

Dr. Wicht verweist auch darauf, dass eine höher als erwartet ausfallende Nachfrage und die geringen Capex-Investitionen des Vorjahres dazu beigetragen haben, dass die Produktionsauslastung der Hersteller kristalliner Silizium-Module sich weiterhin im Bereich von 90 Prozent plus X bewegt. »Diese Auslastung dürfte es den führenden Solarzellen- und Modulherstellern bis in das Jahr 2011 hinein ermöglichen, die Nachfrage über den Preis zu stimulieren«, stellt der iSuppli-Analyst fest.

Von der aktuellen Marktsituation profitieren dürften nach seiner Einschätzung unter anderem besonders Unternehmen wie Trina, Yingli, Suntech und First Solar sowie Canadian Solar, die in der jetzigen Situation noch Luft nach oben haben um ihre Produktionskapazitäten zu erweitern. Gute Entwicklungsmöglichkeiten räumt er in der aktuellen Situation auch Solarmodul-Fertigungsdienstleistern wie JA Solar, Jabil Circuit und Flextronics ein, die davon profitieren könnten, dass zahlreiche Modulhersteller ihre Fertigungskapazitäten nicht schnell genug an die gesteigerte Nachfrage anpassen können.

Im Ausblick auf 2011 gehen die Analysten von iSuppli davon aus, dass weltweit etwa 3,7 GW an zusätzlicher Produktionskapazität für kristalline Silizium-Solarmodule geschaffen werden müssen, um die zu erwartende Marktnachfrage zu befriedigen. Das würde ungefähr dem 1,5-fachen der bislang prognostizierten Produktionserweiterungen um 2,2 GW entsprechen. Profitieren werden davon Modul-Fertigungsequipment-Hersteller wie Komax, NPC und Spire.

Fazit: Befeuert von der Diskussion um die Reduzierung der Einspeisevergütung in Deutschland, erwartet iSuppli für 2010 inzwischen einen W-Verlauf der PV-Neuinstallationen, die sich mit 13,5 GW um 94 Prozent gegenüber den 7 GW des Vorjahres erhöhen dürften. Auch wenn die weltweite Produktion von 16,1 GW nach Einschätzung der Analysten ausreicht, um den Bedarf 2010 zu decken, gehen sie davon aus, dass es speziell im 2. Quartal in Boom-Regionen zu Lieferengpässen bei Solarmodulen kommen könnte. Das Problem des Vorjahres, eine Überversorgung des Marktes mit Solarmodulen gehört damit endgültig der Vergangenheit an.

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Dr. Henning Wicht, iSuppli: »Bezogen auf den Weltmarkt kommt der Reduzierung der Einspeisevergütung in Deutschland keine so große Bedeutung zu, wie ursprünglich angenommen, wir gehen deshalb inzwischen fast von einer Verdoppelung der weltweiten PV-Ne

Einen immer noch vergleichsweise kleinen Anteil am Solarmodul-Markt haben Dünnschicht-Module. Ihr Produktionsvolumen erhöhte sich im Vorjahr um 88 Prozent auf 1,862 MW, weltweit verkauft wurden Module mit 1,731 MW. Die Fertigungsauslastung der Hersteller lag im Vorjahr bei 61 Prozent. Während der Umsatz gegenüber dem Vorjahr 2009 um 37 Prozent wuchs, gaben die Dünnschicht-Modul-Preise 2009 um 28 Prozent nach. Unangefochtene Nummer 1 auf dem Dünnschicht-Solarmodulmarkt beleibt First Solar, das 2009 einen Marktanteil auf MW-Basis von 61 Prozent erreichte. Für 2010 rechnet das Analystenteam um Dr. Wicht mit einem Ausbau der Produktionskapazitäten um 69 Prozent und einer Zunahme des Verkaufs um 79 Prozent auf voraussichtlich auf rund 3,098 MW. Auch vor dem Hintergrund eines Preisverfalls der Dünnschicht-Solarmodule um etwa 17 Prozent in diesem Jahr, rechnen die Analysten mit einer Umsatzsteigerung von 41 Prozent. Mit dem wachsenden Anteil von Amorphen-Silizium- und CIGS/CIS-Produktionen bei der Herstellung von Dünnschicht-Solarmodulen, rechnen die iSuppli-Analysten in diesem Jahr mit einer Steigerung der Fertigungsauslastung auf 69 Prozent.

In puncto Technologie bleibt CdTe weiterhin die dominierende Lösung im Dünnschicht-Bereich. Ihr Anteil betrug im Vorjahr 62 Prozent. Auf Platz zwei folgt mit 14 Prozent amorphes Silizium, gefolgt von a-Si/u-Si/Tandemzellen mit 12 Prozent. Auf Triple-Junction und CIS/CIGS-Module entfielen jeweils 6 Prozent. Doch obwohl die Preise für kristalline Module im letzten Jahr massiv unter Druck gekommen sind, konnten die Hersteller von Tandem- und CIGS-Modulen, nach Einschätzung der iSuppli-Analysten, davon nicht profitieren. Triple-Junction-Lösungen schließlich, wurden 2009 in erster Linie von United Solar angeboten und litt im Vorjahr als gebäudeintegrierte Photovoltaik vor allem unter der rückläufigen Zahl neuer, geeigneter Imobilien-Projekte.

Branchenprimus First Solar wird nach Einschätzung der Analysten, trotz durchschnittlicher jährlicher Produktionskapazitätssteigerungen von 5 Prozent auch 2010 »ausverkauft« sein. Mit 65 Prozent erwirtschaftet das Unternehmen fast zwei Drittel seines Umsatzes auf dem deutschen Markt. Derzeit ist das Unternehmen dabei, sein Engagement in Italien, Kanada und den USA auszubauen. Bei einem durchschnittlichen Wirkungsgrad der Module von 10 bis 11 Prozent, lag der W-Preis zuletzt bei 84 US-Cent. Eine für 2011 vorgesehene Erweiterung der Produktionskapazitäten in Malaysia, wird im nächsten Jahr die Produktionskapazität des Unternehmens von bislang 1,3 auf dann 1,7 GW erhöhen.

Auch wenn sich an der dominierenden Stellung von First Solar auch in naher Zukunft nichts ändern dürfte, so haben speziell Ende letzten Jahres Sharp Solar und einige andere Hersteller von der starken Auslastung First Solars und der Hersteller kristalliner Module profitiert. Wie attraktiv sich der Bereich der Dünnschicht-Solarmodule offenbar weiterhin für Hersteller und Investoren darstellt, lässt sich daran ablesen, derzeit rund 120 Unternehmen weltweit diesen Markt bedienen. Etwa 90 von ihnen, weisen bezogen auf ihre Auslieferung eine Jahresproduktion von 0 bis 50 MW auf.

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