Energiesparen alleine genügt nicht

Smart Home – Komfort und Spaß zählen

24. Oktober 2012, 14:10 Uhr | Heinz Arnold

Die Energieeffizienz zu steigern, die Stromrechnung zu senken? Das alleine bringt die Kunden nicht dazu, sich intelligente Zähler anzuschaffen. Dagegen stehen Spaß und Komfort ganz oben auf der Wunschliste. Genau das verspricht das Smart Home.

Weil es künftig eine Energy-Management-Gateway geben wird, die nicht dem BSI-Schutzprofil entsprechen muss, könnten zwei Dinge parallel ins Haus Einzug halten: sowohl Komfort und Spaß als auch Energieeffizienz und die Möglichkeit Lastmanagement zu betreiben. Nach Beobachtung von Til Landwehrmann von der EEBus Initiative beginnen nun auch die potenziellen Anwender ihr Interesse auf das Smart Home zu richten: »Viele interessieren sich jetzt für das Smart Home, der Markt ist da, 2017 soll er auf einen Umsatz von 2,4 Milliarden Dollar kommen.«

Dem stimmt auch Prof. Christian Pätz von der Z-Wave-Alliance zu. Wer unter Google Trends den Begriff »Smart Home« eingibt, der sieht, wie häufig dieser Begriff über die Jahre gegoogelt wurde. Nach einer anfänglichen Euphorie ließ das Interesse wieder nach doch seit 2011 zeichnet sich ein Wendpunkt ab und das Interesse steigt. »Das ist typisch für die Einführung einer jeden neuen Technik, nach der Euphorie hält Realismus Einzug und dann wächst das Interesse wieder.«

Doch das Konzept des Smart Home gibt es schon seit mehr als 20 Jahren, allerdings konnte es sich auf dem breiten Markt bisher nicht durchsetzen. Das Haus intelligente zumachen, war bisher viel zu aufwändig zu installieren und viel zu teuer. »Der Kampf der Feldbussysteme hat dazu geführt, dass keine kritische Masse entstehen konnte, die Systeme haben keine hohe Durchdringung erreicht und die Preise konnten nicht auf ein für den Massenmarkt akzeptables Niveau sinken«, sagt Til Landwehrmann von der EEBus-Initiative.

Damit spricht er eine der großen Schwierigkeit an: Es gibt viele unterschiedliche Übertragungsprotokolle von den Zählern zum Gateway und vom Gateway zu den Versorgern. ZigBee, Z-Wave, KNX, MBus, wireless MBus sowie unterschiedliche Powerline-Protokolle, um nur einige zu nennen.

Eine Möglichkeit, den Standard-Dschungel zu lichten, ist der EEBus. Vor einem halben Jahr hat sich die EEBus-Initiative gebildet, die bereits 23 Mitglieder zählt, von Energieversorgern bis zu Herstellern von Haushaltsgeräten. Anders als sein Name vermuten lässt, handelt es sich bei, EEBus nicht um einen weiteren Bus, sondern um eine Middleware, die die vielen unterschiedlichen Protokolle übersetzt und in einem einheitlichen Format weiter gibt. Damit kann der EEBus dazu beitragen, die Maschine-zu-Maschine-Kommunikation und damit den Aufbau eines Smart Home deutlich zu vereinfachen. Das Ziel besteht darin, den durchgängigen Informationsaustausch zwischen Energiewirtschaft und Energieverbrauchern zu herzustellen.
»Der EEBus ist die Abstraktionsschicht für unterschiedliche Feldbussysteme. So ist es möglich, übergreifende Wertschöpfungsräume zu schaffen und weitere Technologien einzubinden. Genau darauf kommt es künftig an«, erklärt Landwehrmann.

Ein weiterer Ansatz besteht darin, auf der Betriebssystemebene über Java verschiedene Elemente einzubinden. »Auf der Java-One-Konferenz in San Francisco hat es eine eigene Session zum Thema Embedded Java gegeben, Oracle will Java zur wichtigsten Sprache für Embedded-Systeme machen«, sagt Thomas Hott von ProSyst Software. Deshalb propagiert er den Weg, eine Plattform auf Basis des OSGi-Frameworks zu schaffen. Auf dieser Plattform können dann die Applikationen für das Smart Home laufen. »Telefongesellschaften, auch beispielsweise die Telekom, führen das Remote Device Management schon länger auf OSGi-Basis durch, auch weil es sehr skalierbar ist«, erklärt Hott.
Erst kürzlich haben Prosyst Software, Intel und RocketHome ein Smart-Home- und Energie-Management-System auf Basis der Atom-Plattform von Intel vorgestellt. ProSys war mit der OSGi-Plattform und einem Software-Development-Kit für Third-Party-Entwickler dabei. Der OSGi-Stack von ProSyst sorgt dafür, dass verschiedene Smart-Home-Standards und Applikationen integriert werden können. Authorisierte Nutzer können die Geräte und die Entertainment-Anlagen im Haus über das System einfach steuern – auch von der Ferne, wenn sie unterwegs sind. Auf dem Gateway von Intel befindet sich neben dem OSGi-Stack von ProSys die Cloud Engagement Platform von RocketHome, die die Smart-Home- und Smart-Metering-Applikationen steuert und visualisiert.

Können solche Ansätze dem Smart Home tatsächlich neue Impulse geben? Yüksel Sirmasac, Gründer und Geschäftsführer von RocketHome, ist überzeugt davon. Erstens müssten die Energieversorger, ihr Leistungsangebot differenzieren, neue Geschäftsfelder aufbauen und sich ein neues Image geben. Deshalb engagieren sich nach seinen Worten nun auch viele Versorger auf dem Gebiet des Smart Home, nachdem die reinen Energieeffizienz-Portale die Kunden wenig begeistert hatten.
Zweitens würden die Anwender künftig einfach Spaß daran haben, ihr Heim intelligent zu machen, »vorausgesetzt, dass die Systeme durchgehend funktionieren und einfach zu bedienen sind. Sie müssen den Nutzen sehen und wir müssen ihnen ein einzigartiges Produkterlebnis geben.«

»Einfache Installation, unkomplizierte Konfiguration, Automatismen für jeden Anwendungsfall, die Möglichkeit neue Funktions-Packages einfach einkaufen zu können – das sind die Voraussetzungen, damit sich das Smart Home auf breiter Basis durchsetzt«, sagt auch Jörg Nastelski, Leiter des Produktmanagements von GreenPocket. Doch bis es soweit sind noch einige Hürden zu nehmen: die perfekte Kombination von Hard- und Software ist noch genauso zu finden wie die Balance zwischen Funktionalitäten und Komplexität. Und die Frage, wie die Geschäftsmodelle funktionieren könnten, ist noch nicht geklärt. Er selber denkt über Werbeplattformen und Shopanbindungen nach. Auch Premiummodelle, wie sie im Internet in vielen Bereichen üblich sind, wären eine Möglichkeit: Ein bestimmter Grund-Service ist kostenlos, für weitergehende Dienstleistungen muss der Kunde dann bezahlen. »Es gibt eine Fülle von Möglichkeiten, das muss doch für Software-Firmen ein Traum sein, dies von Anfang an mitgestalten zu können!«


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