Smart-Grid-Pilotprojekt startet in Südhessen

»Web2Energy«: Intelligentes Stromnetz geht in die Realisierungsphase

24. November 2010, 16:44 Uhr   |  Nicole Wörner

»Web2Energy«: Intelligentes Stromnetz geht in die Realisierungsphase

Als intelligenter Haushaltszähler wird im Rahmen des Projektes der E350-EDL21 verbaut. Zentrales Merkmal des Smart Meters ist sein modularer Aufbau.

Das intelligente Energienetz der Zukunft soll in der Pilotregion Südhessen schon bald Realität werden. Der erste Schritt ist mit der Auslieferung von 100 Smart Metern aus dem Hause Landis+Gyr nun gemacht.

Unter der Leitung der HEAG Südhessische Energie AG (HSE) entwickelt ein Konsortium von zehn europäischen Firmen in Südhessen den Prototypen eines intelligenten und steuerbaren Stromnetzes. Aufbauend auf den drei zentralen Säulen »moderne Messtechnik«, »intelligentes Energiemanagement« und »automatisierte Verteilungsnetze« soll bis Ende 2012 ein Smart Grid entstehen, in dem Kunden, Erzeuger, Netzbetreiber und Lieferanten über moderne Informations- und Kommunikationstechnologien umfassend vernetzt sind.

Landis+Gyr zeichnet als Projektpartner für die Zählertechnik verantwortlich. Bis zum Frühjahr 2011 werden knapp 200 Haushalte mit modernen Smart Metern ausgestattet. Mit der Lieferung der ersten 100 intelligenten Messgeräte fällt nun der Startschuss für die Installation der smarten Zähler-Basis. Die Auslieferung der zweiten Zähler-Tranche folgt Anfang 2011.

»Im Gegensatz zur großen Mehrheit der aktuell laufenden Pilotprojekte wird im Rahmen von Web2Energy die ganze Komplexität des Smart Grid umgesetzt«, hebt Peter Heuell, Geschäftsführer der Landis+Gyr GmbH, hervor. »Durch diesen Piloten wird das volle Potenzial aufgezeigt, das die intelligente Koordinierung des Stromnetzes birgt. Hierfür wollen wir mit unseren Zählern die notwendige Basis legen.«

Modulare Zähler-Basis

Als intelligenter Haushaltszähler wird im Rahmen des Projektes der E350-EDL21 verbaut. Zentrales Merkmal des Smart Meters ist sein modularer Aufbau. Messtechnik und schnelllebigere Weitbereichskommunikation werden hier in getrennten Geräten realisiert: Erweiterungen lassen sich einfach integrieren, ohne den kompletten Zähler austauschen zu müssen. Die Anzeige der Verbrauchsdaten erfolgt über ein integriertes Display, das sowohl die laufenden Verrechnungswerte als auch den aktuellen Leistungswert anzeigt. Über eine Start-Stopp-Funktion kann der Endnutzer darüber hinaus den Verbrauch eines individuell festgelegten Zeitraums prüfen. Als bidirektional kommunizierender Zähler deckt der E350-EDL21 das gesamte Kommunikationsspektrum ab: Je nach Wahl des Kommunikationsmoduls stellt der Smart Meter die Daten über Powerlinecarrier (PLC), GSM/ GPRS sowie über Ethernet zur Verfügung. Dabei erfasst der E350-EDL21 als Multi-Utility-Gateway nicht nur den Strom-, sondern bei Bedarf ebenso den Gas-, Fernwärme- und Wasser-Verbrauch.

Im Rahmen des Web2Energy-Projektes werden die Verbrauchsdaten größtenteils per GRPS ausgelesen. Während die Daten bei der überwiegenden Mehrheit der Haushalte im Stunden bzw. Viertelstunden-Takt abgefragt werden, ist bei einigen Testkunden auch eine sekundengenaue Verbrauchserfassung vorgesehen.

Massentaugliches AMM-System

Ausgelesen und verarbeitet werden die Daten über das AMM-System »Gridstream AIM«: Die Landis+Gyr-Lösung wurde bereits bei verschiedenen internationalen Großprojekten erfolgreich eingesetzt. So werden allein in Schweden mehrere Hunderttausend Zähler über Gridstream AIM ausgelesen. Mit Hilfe eines von Landis+Gyr entwickelten »IEC-Konverters« werden die Daten vor dem Export in das System der HSE in das gewünschte Format, den IEC-Standard, konvertiert.

Die ausgewerteten Verbrauchsdaten werden den Kunden im Weiteren täglich über ein Internetportal zur Verfügung gestellt. Ob in Tabellenform oder grafisch aufbereitet in einer Verlaufskurve: Jeder Haushalt erhält eine genaue und tagesaktuelle Aufschlüsselung des jeweiligen Energieverbrauchs sowie der entsprechenden Kosten. Dabei werden den Kunden neben der klassischen Verbrauchskurve je nach gewähltem Tarif weitere Ansichten zur Verfügung gestellt. »Den angeschlossenen Haushalten werden im Rahmen des Projektes verschiedene dynamische Tarife angeboten«, kündigt Bernhard Fenn an.

Das von der EU geförderte Pilotprojekt ist auf eine Dauer von drei Jahren angelegt und wird Ende 2012 abgeschlossen. Die HSE plant im Anschluss die flächendeckende Einführung der Neuerungen im gesamten Netzgebiet.

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