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Gesunder geschrumpft: Intersolar und ees Europe 2016 in München

1077, nur halb so viele Aussteller wie 2011 fanden 2016 den Weg zu den gemeinsam stattfindenden Messen Intersolar und ees Europa. Auch die Besucherzahl war fern jeglicher Rekorde. Doch bloße Zahlen täuschen, die überwiegend optimistische Stimmung signalisierte, dass die Unternehmen wieder verdienen.

Solarwatt Speicher Bildquelle: © Hagen Lang

Ein boomendes Segment der Messe war der Heimspeicher-Bereich. Speicher gibt es von allem und jedem (hier Solarwatt) in allen Darreichungsformen und Größen. 1,5 Millionen PV-Anlagen in Deutschland könnten noch mit Batteriespeichern versehen werden.

Die »Hype-Zeiten« der deutschen Solarbranche sind endgültig vorbei, kein Vergleich mit 2011, als 77.000 Besucher und 2.280 Aussteller die Messehallen in München frequentierten. Dagegen nehmen sich die diesjährigen 44.000 Besucher und 1077 Aussteller bescheiden aus. Letztere Zahl bedeutet aber einen Anstieg um sieben Prozent gegenüber 2015 und die gebuchte Ausstellungsfläche wuchs ebenfalls.

»Gesundgeschrumpft«, »Talsole durchschritten« könnte ein Résumé im Telegrammstiel lauten.  Etliche Aussteller der vergangenen Jahre gibt es nicht mehr, oder sie sind in ausländischer Hand, man erinnere sich nur an das mit vielen Steuergeldern aufgebaute (und eingestampfte) »Solar Valley« in Sachsen-Anhalt. Die Aussteller des Jahres 2016 haben entweder gute Kapitalgeber gefunden, ihre Geschäfte in lukrative Nischen verlegt oder sich  auf den globalen Markt konzentriert. Dort finden sich trotz chinesischer Dumping-Konkurrenz Möglichkeiten am Solar-Boom zu partizipieren. Die  derzeit 229 GW installierte PV-Leistung sollen bis 2020 auf ca. 700 GW anwachsen, so eine aktuelle Studie.

Grundsätzlich heißt das Problem weiterhin China, dessen Solarfirmen qua schierer Größe (Economies of Scale) und Staatsbeihilfen im Übermaß im Schnitt 30-40 Prozent günstiger herstellen können, als westliche Firmen. Da helfen auch nicht ein, zwei Prozentpunkte Effizienz, die man Maos Söhnen bei den Solarzellen voraus hat.

Es drängte sich der Eindruck auf, als konkurrierten global verschiedene Sozialismen, die miteinander wetteifern, wer seinen Industrien durch massive Staatsbeihilfen früh einen solchen (Kosten-)Vorsprung verschaffen kann, dass die Konkurrenz das Nachsehen hat. Mit Kapitalismus und Wettbewerb hat das alles wenig zu tun, mit Marktwirtschaft auch nicht. Aber es ernährt seinen Mann (und Frau). Bloß: China hat einen Fünfjahresplan mit Technologie- und Marktdurchdringungszielen – wir nicht.

Ein neues Thema der Messe, »Smart Renewable Energy«, beschäftigt sich mit der Speicher- und Steuerungsproblematik der Erneuerbaren. Smart Grid, Smart Home, Eigenstromverbrauchssteigerung, alles Themen, die reichlich Hardware und investitionen brauchen. Während man bislang vornehm darüber schwieg, redet man jetzt offen darüber: Erneuerbare Energien sind nicht speicherbar und sehr fluktuierend. Hersteller, von ABB bis Siemens, von Gildemeister bis LG Chem Power bieten, was Netzintegration und Eigenverbrauch fordern. Praktisch: Wird das Speicher- und Netzüberlastungsthema global virulent, haben hiesige Hersteller schon eine Lösung parat.

Dabei boomt die »smarte« Technik nicht überall. Ein Branchenkenner erinnerte an Riesen-Stände von Anbietern industrieller/ netzstützender Batteriespeicher im vergangenen Jahr, die 2016 durch kleine »Präsenzstände« ersetzt wurden. »Schauen Sie doch mal, wer alles Risikokapital hat. Was passiert, wenn das aufgebraucht ist? Hier in München ist noch viel Hype.« Die Hersteller von Batteriehausspeichern können sich indes vor Aufträgen kaum retten. Noch besteht großer Nachholbedarf, bei den ca. 1,5 Millionen PV-Anlagenbesitzern, Ihre Systeme mit Speichern zu komplettieren.

Ob die Erzeugung, Netzintegration und Speicherung der erneuerbaren Energien am Ende günstige, sozial- und industrieverträgliche Strompreise zulässt, entscheidet letztlich über den Erfolg der Regenerativ-Branche. Schnell kann es gehen wie in Dänemark, dem bisherigen Regenerativstrom-Weltmeisterland, in dem die Regierung bei der Energiewende kürzlich die Reißleine zog: Bis auf Weiteres wurden alle geplanten Offshore-Kraftwerke auf Eis gelegt. Der Strompreis (der höchste Europas) war zu teuer und die Subventionen EU-rechtswidrig. Wird der technologische Fortschritt am Ende doch noch große Effizienz- und Kostensenkungspotentiale realisieren, wird man von Ihnen auf einer künftigen Intersolar hören und sehen.