Photovoltaik

»Deutschland muss zu einer ernst zu nehmenden Größe werden«

8. Juni 2022, 13:00 Uhr | Thomas Schoy, Privates Institut
Privates Institut Thomas Schoy Solar
Thomas Schoy ist Mitinhaber und Geschäftsführer der Unternehmensgruppe Privates Institut.
© Privates Institut

Warum die Photovoltaikindustrie wieder einen festen Standort in Deutschland benötigt und wie Österreich ein Vorbild beim weiteren Ausbau sein kann, erklärt Thomas Schoy, Mitinhaber und Geschäftsführer der Unternehmensgruppe Privates Institut.

Kaum ein Thema scheint die Deutschen in den letzten Monaten so zu bewegen wie die Energiegewinnung und -versorgung im eigenen Land. Gerade der Konflikt in der Ukraine und die damit einhergehenden steigenden Stromkosten sorgen dafür, dass sich viele Bürgerinnen beziehungsweise Bürger intensiver mit erneuerbaren Energien und im Speziellen der Photovoltaik beschäftigen. Große Teile der Bevölkerung wollen verstärkt ihr erspartes Geld sinnvoll und renditesicher in erneuerbare Energien anlegen.

Jede sechste Eigentümerin beziehungsweise jeder sechste Eigentümer eines Hauses plant in den nächsten zwölf Monaten die Installation einer Solaranlage auf dem eigenen Zuhause. Daneben entschließen sich auch immer mehr Unternehmen und landwirtschaftliche Betriebe, ihre Dächer oder sonstige freien Flächen mit Solarmodulen auszustatten. Dies zeigt das Bedürfnis der Gesellschaft nach nachhaltigen Alternativen und den Wunsch nach mehr Investitionen in die Energiewende. Somit sorgen die vollen Auftragsbücher bei den Installateuren sowie dem Handel für ein allgemeines Stimmungshoch in der Photovoltaikbranche.

Mit einigen geplanten Investitionen setzt die hiesige Industrie jedoch auch viel Vertrauen in die Politik auf deutscher und europäischer Ebene. Hierbei steht vor allem das Versprechen der Bundesregierung im Vordergrund, die installierte Photovoltaikkapazität bis 2040 stark zu erhöhen. Während andere Länder hier schon erst Schritte gehen, mahlen in Deutschland noch die Mühlen der Bürokratie.

Niederösterreich hat beispielsweise vor Kurzem im Landtag die Änderung des NÖ Elektrizitätswesensgesetzes 2005 beschlossen. Nach dem Inkrafttreten im Juni 2022 fällt die Genehmigungspflicht für alle neuen Dachphotovoltaikanlagen mit einer Leistung von bis zu einem Megawatt weg. Bisher brauchte es schon ab 200 Kilowatt eine Bewilligung. So will das österreichische Bundesland den Ausbau von Dachanlagen, vor allem auf Gewerbe- und Landwirtschaftsgebäuden, vorantreiben.

Solch ein Engagement der Politik bei der Abschaffung von hiesigen Stolpersteinen im Verwaltungsapparat und bei Investitionsbarrieren wäre auch für Deutschland wünschenswert. Zwar sind hierzulande Aufdachanlagen in der Regel schon genehmigungsfrei, jedoch braucht es für eine vollständige Energiewende in einem so großen Land wie unserem auch schnellere und unkompliziertere Genehmigungsverfahren beispielsweise bei Freiflächenanlagen. Österreich hat mit diesem Schritt zu Deutschland aufgeschlossen.

Nun ist es jedoch wieder an der deutschen Politik, den nächsten Schritt in eine grünere Zukunft zu machen und dementsprechende Entscheidungen zu treffen. Allein so kann es hier zu einem weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien und zu einer Umgestaltung bei der Stromerzeugung kommen. Hierbei sollte jedoch nicht das derzeitige Dilemma mit russischem Gas und Öl in Vergessenheit geraten. Solch eine ähnliche Bindung an China, als einen der Hauptproduzenten von Solartechnik, erweist sich für die Zukunft als große Gefahr, da Europa hier wieder einmal am kürzeren Hebel sitzt.

Im Idealfall führen die gegenwärtig gute Auftragslage und das Stimmungshoch in der Branche dazu, dass Deutschland sich wieder zu einer ernst zu nehmenden Größe in der Photovoltaikindustrie entwickelt. Nur so lässt sich das derzeitige Abhängigkeitsverhältnis, das ansonsten nur verstärkt wird, mit der Zeit immer weiter reduzieren und schließlich komplett beenden. Dies ist ein entscheidender Schritt auf dem Weg aus dem fossilen Zeitalter.


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