5-Gigawatt-Projekt in Andalusien

Europäische Photovoltaik-Industrie im Aufwind

30. April 2021, 16:39 Uhr   |  Kathrin Veigel

Europäische Photovoltaik-Industrie im Aufwind
© Fraunhofer ISE

In Sevilla soll eine hoch innovative, voll flexible und durchgängig vernetzte Fabrik der Zukunft für den erfolgversprechenden Markt der Solarzellen in Europa entstehen.

Regionale PV-Produktion in Europa ist wirtschaftlich möglich: Das will das Unternehmen Greenland beweisen und baut in Spanien will eine hochautomatisierte Photovoltaik-Produktion der Größenordnung 5 GW pro Jahr und vertikal integriert auf. Begleitet wird das Vorhaben vom Fraunhofer-Institut ISE.

Photovoltaik ist die tragende Säule der Energiewende, zusammen mit der Windenergie. Während bei der Forschung und Entwicklung für Solarzellen und -module Deutschland und Europa nach wie vor führend sind, hatte sich die Produktion in den letzten zehn Jahren nach Asien verlagert. Die Technologiesouveränität und Unabhängigkeit drohte in Europa verloren zu gehen.

Dies beginnt sich zu verändern, da Parameter wie zum Beispiel der Anteil der Transportkosten für importierte Module, aber auch nachhaltige Produktionskriterien, heute anders ins Gewicht fallen als noch vor wenigen Jahren. Regionale Produktion ist heute wirtschaftlich möglich.

Studie zur Wettbewerbsfähigkeit der europäischen PV-Industrie

Im Auftrag des VDMA hatte das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE 2019 eine Studie erstellt, die sich mit der Wettbewerbsfähigkeit der europäischen PV-Industrie auseinandersetzt. Zu den wesentlichen Kriterien, die dabei herausgearbeitet wurden, zählt, dass niedrige Herstellungskosten bei einer lokalen/regionalen Produktion in Europa nur dann erreicht werden können, wenn eine Fabrik mit einer entsprechenden Mindestgröße an den Start geht.

Ein weiteres Ergebnis der Studie ist die Tatsache, dass angesichts der heutigen Fertigungskosten von weniger als 20 Eurocent pro Watt Peak der Anteil der Transportkosten für Module, ebenso wie für Teilkomponenten, steigt und inzwischen nahezu 10 Prozent beträgt. Lokale Produktion nahe am Zielmarkt sowie der Aufbau einer lokalen Wertschöpfungskette sind also essenziell für die Rentabilität einer europäischen PV-Produktion und die Unabhängigkeit von Importen.

Darüber hinaus kann Europa bei einer fairen Bepreisung von CO2-Emissionen seine Vorteile durch einen wesentlich niedrigeren CO2-Footprint der Module aufgrund des europäischen Strommixes gegenüber asiatischen Importen ausspielen.

Andalusien setzt auf Vorteile regionaler PV-Produktion

Diese Argumente sowie die günstigen politischen Rahmenbedingungen durch den EU Green Deal haben die Provinz Andalusien und die Stadt Sevilla überzeugt, eine regionale PV-Produktion aufzubauen und die Ansiedlung einer vollständig integrierten PV-Fabrik innerhalb einer Freihandelszone im Hafen von Sevilla zu unterstützen.

Zu diesem Zweck wurde die Firma Greenland Gigafactory gegründet, die innerhalb der nächsten zwei Jahre den Aufbau einer solchen Fabrik mit einer Produktionskapazität von 5 GW pro Jahr umsetzen möchte. Als Partner für die Auswahl der Starttechnologie wurde das Fraunhofer-Institut ISE gewählt

Bei der Technologie-Wahl für den Firmenstart setzt Greenland auf derzeitige State-of-the-Art Technologie, denn nur so kann ein schneller Aufbau der Produktion auf 5 GW Kapazität bewerkstelligt werden. Dabei stehen monokristalline Siliciumwafer im Format M10 für PERC-Solarzellen (Passivated Emitter and Rear) im Fokus, die in multibusbar verschalteten Halb- beziehungsweise Tripelzellmodulen von mindestens 540 W Leistung verbaut werden.

Nicht nur die gefertigten Solarmodule werden dem neuesten technologischen Stand entsprechen, auch ihre Produktion wird wegweisend sein: ganz im Zeichen von Industrie 4.0 voll flexibel und durchgängig vernetzt. Bei der entsprechenden Fabrikplanung und Auslegung unterstützt maßgeblich Bosch Rexroth.

Auf Facebook teilen Auf Twitter teilen Auf Linkedin teilen Via Mail teilen

Das könnte Sie auch interessieren

Verwandte Artikel

Fraunhofer ISE (Institut für Solare Energiesysteme), Bosch Rexroth AG