Perspektiven für den ländlichen Raum

Schlaue Pakete fahren Bus und Bahn

24. Januar 2022, 10:03 Uhr | Kathrin Veigel
Gütertransport ländlicher Raum
Ob sich Güter auf dem Land mit dem ÖPNV effizienter transportieren lassen erforscht das Projekt CargoSurfer.
© Luca J/Unsplash

Güter- und Personenverkehr sind so gut wie immer strikt getrennt. Aber ist das im ländlichen Raum wirklich sinnvoll? Im Projekt CargoSurfer entwickelt die Kühne Logistics University mit Partnern eine IT-Lösung, mit der Pakete abseits von Städten mithilfe öffentlicher Verkehrsmittel ihren Weg finden.

Die Idee hinter dem Projekt CargoSurfer: Es werden freie Kapazitäten des Öffentlichen Personennahverkehrs genutzt für den Transport von Gütern wie Paketen oder frische regionale Produkte. Das könnte gleich zwei Strukturprobleme im ländlichen Raum lösen: Einerseits bleiben viele Sitzreihen in Bussen und Regionalbahnen oft leer, sodass immer wieder Linien eingestellt werden. Andererseits besteht gerade abseits der Städte Bedarf für funktionierende Lieferketten, zum Beispiel für Bestellungen aus dem Online-Handel.

Im Idealfall reduziert das Verkehr und Emissionen, spart Kosten und steigert die Effizienz des Transportverkehrs. »Fracht im öffentlichen Nahverkehr mitzunehmen funktioniert aber nur, wenn alles lückenlos überwacht wird und zuverlässig ankommt«, erklärt Dr. André Ludwig, Professor für Informatik in der Logistik an der Kühne Logistics University in Hamburg.

Fracht, die mitdenkt

Die KLU nutzt dabei Techniken der künstlichen Intelligenz, um Fracht intelligent zu machen. Treten während der Fahrt Probleme auf, wie zum Beispiel ein Stau oder Verspätungen der Bahn, werden diese eigenständig von der Fracht erkannt und die passende Reaktion ausgelöst. »Unsere Software fährt quasi als virtueller Paketkurier mit. Durch künstliche Intelligenz erkennt sie, ob der Anschluss erreicht wird. Wenn nicht, werden alle Beteiligten rechtzeitig informiert und ein neuer Transportplan erstellt«, erklärt Ludwig.

Bis sich die ersten Güter auf die Reise machen, ist jedoch eine umfassende Analyse notwendig. Beispielsweise müssen folgende Fragen geklärt werden: Wie wahrscheinlich tritt an einem bestimmten Tag eine Störung auf? Welche Faktoren haben Einfluss auf Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit? Welche Transportalternativen gibt es?

Rund ein Jahr wird die Entwicklung der Software voraussichtlich in Anspruch nehmen, ehe das System in der Praxis erprobt werden kann und die ersten intelligenten Pakete sich in Hessen auf den Weg machen. Dabei greift man auf eine bereits markterprobte Anwendung im Bedarfsverkehr der Trapeze Group Deutschland zurück, die nun für das Gütermitnahmesystem aufgerüstet wird. Als regionale Logistik-Partner konnten dafür die Cantus Verkehrsgesellschaft und Regionalverkehr Main-Kinzig gewonnen werden. »Sobald die ersten Pakete unterwegs sind, verbessern wir das System kontinuierlich mit den Daten aus der Praxis«, erklärt Ludwig.


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