Energiewende

Wasserstoff soll zentrale Säule der Energieversorgung werden

19. März 2020, 17:02 Uhr   |  Hagen Lang


Fortsetzung des Artikels von Teil 1 .

Heutige (und künftig mögliche) Kosten von Energie aus Wasserstoff

Derzeit ist Wasserstoff in Deutschland für den –künstlich festgelegten- Incentive-Preis von 9,5 €/kg erhältlich. Zu diesem Preis kostet eine Kilowattstunde aus Wasserstoff bei einem Energiegehalt von 33,3 kWh pro kg Wasserstoff 28,52 Cent. Ein ausgewiesener Kritiker der Wasserstoffwirtschaft schätzt den bei Kostendeckung realistischen Preis pro Wasserstoff-kWh ab Tankstelle auf 50 Cent.

Forscher des Schweizer Paul Scherer Instituts (PSI) und des Swiss Competence Center for Energy Research erhoben im Winter 2019 für aktuell angebotenen Wasserstoff Marktpreise zwischen 9,5 €/kg H2 an Tankstellen und ca 90 €/kg H2 im gelieferten Stahlflaschen-Bündel. Dies entspricht bei dem erwähnten Energiegehalt von 33,3 kWh/kg H2 einem Kilowattstundenpreis zwischen 28,53 Cent und ca 2,70 Euro.

Ferner berechneten sie, sofern möglich, die Wasserstoff-Erzeugungskosten aus aktuellen Pilotanlagen. Für die mit einer 8 MW (peak)-Windanlage und Elektrolyseuren mit einer Leistung von 6,3 MW (peak) ausgestatteten Pilotanlage im Energiepark Mainz bezifferten sie den durchschnittlichen Produktionspreis auf ca. 30 Cent/kWh. Für eine an einem Wasserkraftwerk im Schweizer Gösgen gelegene 2 MW Elektrolyseanlage berechneten sie einen Wasserstoff-Erzeugungspreis von 16 Cent/kWh.

Aus Auswertungen von Experteninterviews, die nicht unbedingt deckungsleich mit Daten aus der Praxis sein müssen, werden Preise aus Elektrolyse und dezentraler Dampfreformierung von 14 bis 57 Cent/kWh gemeldet. Bis 2030 könnten diese Kosten, so die Autoren, auf 1,5 €/kg bis 6,5 €/kg, respektive 4,5 Cent/kWh bis 19,5 Cent/kWh sinken.

Man sieht: die Kostenentwicklungen sind mit sehr großen Unsicherheiten versehen. Damit Wasserstoff auch als Energiespeichermedium in der Energiewende die ihm zugedachte Rolle spielen kann, ist der staatliche Spielraum, ihn mit Steuern, Abgaben und Umlagen zu belasten, sehr klein. Eine übermäßige Refinanzierung staatlicher Aufgaben aus steuerlichen Einnahmen aus dem Wasserstoff-Sektor könnte die Wirtschaftlichkeit des Projektes insgesamt in Frage stellen.

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