Windkraft am Scheideweg

Aufbruch zur digitalen Transformation

10. Mai 2021, 10:31 Uhr   |  Indrajit Sen, L&T Technology Services

Aufbruch zur digitalen Transformation
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2020 trugen regenerative Energieträger fast die Hälfte zur gesamten Stromproduktion in Deutschland bei.

Windenergie ist ein wichtiger Baustein für die anstehende Energiewende. Damit sie ihr Potenzial voll ausspielen kann, muss dieser Bereich der erneuerbaren Energien in Sachen Digitalisierung dringend aufholen.

Mehr Solarenergie, mehr Windkraftanlagen – seit Jahren steigt der Anteil von erneuerbaren Energien in Deutschland und erreichte im vergangenen Jahr einen bisherigen Höchstanteil am Energiemix. Im Jahr 2020 machten regenerative Energieträger fast die Hälfte der gesamten Stromproduktion aus und Windenergie verdrängte mit einem Anteil von 25,6 Prozent des eingespeisten Stroms erstmals die Kohlekraftwerke als wichtigsten Energieerzeuger.

Die Windkraft wird dabei oft als die Zukunftsenergie in Deutschland gehandelt und als eine der Voraussetzungen für eine erfolgreiche Energiewende sowie das Erreichen der Klimaschutzziele gesehen. Doch obwohl den Windkraftanlagen ein hoher Stellenwert im Energiemix zukommt, werden immer weniger von ihnen gebaut. Während im Jahr 2017 noch knapp 1.800 neue Windkraftanlagen entstanden, sank diese Zahl über die Jahre hinweg – im vergangenen Jahr wurden lediglich 420 neue Onshore-Windenergieanlagen mit einer Leistung von rund 1.431 MW neu installiert. Bis zum Jahr 2030 sollen laut Bundesregierung rund 65 Prozent des Bruttostromverbrauchs aus erneuerbaren Quellen gedeckt werden, doch um dieses Ziel zu erreichen, müsste jährlich etwa die fünffache Menge an Windrädern gebaut werden.

Ursache des starken Rückgangs sind, neben der bundesweiten Ausschreibungspflicht, schleppenden Genehmigungsverfahren und verschärfte Abstandsbestimmungen vor allem Bürgerproteste seitens lokaler Verbände. Ein Paradox, denn: Grüner Strom wird von 92 Prozent der Bürger befürwortet, die Forderung nach einem weiteren Ausbau der Solar- und Windenergie ist vorhanden. Diese gesellschaftliche Zustimmung scheint aber nur dann zu bestehen, wenn das Windrad nicht im näheren Umfeld steht.

Das ist zwar verständlich, hat jedoch verheerende Auswirkungen auf den Ausbau der Windenergie. Lange Verfahren sorgen dafür, dass Anlagen bereits veraltet sind, wenn sie in Betrieb genommen werden. Auch wird der Platz für Onshore-Anlagen immer knapper, denn die 1.000-Meter-Abstandsregel von Windkraftanlagen zu Wohngebieten ist in fast allen Bundesländern in Kraft und betrifft sowohl Neubau als auch Repowering. Dadurch könnten gut 50 Prozent der jetzigen Flächen bald nicht mehr verfügbar sein.

Offshore-Anlagen als Energiekonzept der Zukunft?

Daher stehen zunehmend Offshore-Anlagen im Fokus. Auf hoher See ist noch genügend Platz vorhanden und mit Beschwerden von Bürgern ist eher nicht zu rechnen. Die Bundesregierung hat das Windenergiepotenzial auf See erkannt und begonnen, dieses als Teil der Energiewende zu erschließen. Die Ausbauziele des Gesetzes zur Entwicklung und Förderung der Windenergie auf See (Windenergie-auf-See-Gesetz) 2020 sahen 6,5 GW vor, die bereits im August des Jahres nahezu erreicht worden sind. Auch ökonomisch haben diese Anlagen einige Vorteile: So werden auf hoher See deutlich höhere Windgeschwindigkeiten erreicht, was einen fast 40 Prozent höheren Stromertrag als auf Land verspricht.

Doch diese Vorteile bringen auch große Herausforderungen mit sich: Meerestiefen, starke Belastung durch Wind und Wellen sowie die Seeverkabelung machen den Betrieb und die spätere Wartung der Windparks sehr kosten- und zeitintensiv. Der Amortisierungszeitraum von 20 Jahren steht den hohen Stromgestehungskosten gegenüber. Hier zeigen sich Unterschiede von 3,50 Cent/kWh und 5,56 Cent/kWh zwischen Onshore und Offshore mit deutlich höheren Gestehungskosten für die Anlagen auf See.

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