Rotorblätter-Fertigung in Deutschland

»Das ist ein Abgesang mit Ansage«

28. Juni 2022, 10:40 Uhr | Kathrin Veigel
Privates Institut Thomas Schoy Solar
Thomas Schoy ist Mitinhaber und Geschäftsführer der Unternehmensgruppe Privates Institut.
© Privates Institut

Ende Juni schließt das letzte verbliebene deutsche Werk für Rotorblätter. Ob Windkraft oder Photovoltaik: Die Politik bekleckert sich gerade nicht mit Ruhm, die Erneuerbaren zur stärksten Kraft zu machen, meint Thomas Schoy, Mitinhaber und Geschäftsführer der Unternehmensgruppe Privates Institut.

Offiziell schließt das Werk in Rostock, da die inzwischen nachgefragten Rotorblätter nicht hergestellt werden können. Offensichtlich hat man verpasst, rechtzeitig in den Standort zu investieren. Nun verlagert sich die Produktion in außereuropäische Gefilde, genauer in Werke nach Indien und Brasilien, die deutlich günstiger produzieren.

So verschieben sich wieder weiter die Abhängigkeiten zu Ländern, die nicht immer demokratische Strukturen aufweisen und schon gar nicht europäische Interessen verfolgen. Unbedingt zu prüfen gilt es jedenfalls, ob die dorthin zu verlagernden Produktionen denselben Anforderungen hinsichtlich des Arbeits- und Umweltschutzes überhaupt genügen.

Falls nicht, ist für mich nicht einzusehen, weshalb die Bürger und Bürgerinnen den Verlust an Arbeitsplätzen über die Sozialversicherung und über entgehende Steuereinnahmen subventionieren sollten, den Standorterhalt dieser Industrie in Deutschland aber nicht! Da wird doch mit zweierlei Maß gemessen. Seit dem Hoch der Windkraft im Jahr 2016 kam es immer wieder zu Stellenabbau – die letzten verbliebenen Werke machen nun dicht. Jahrelang drosselte die Bundesregierung den Bau von diesen Anlagen, nun ernten wir, was gesät wurde. Und das zum schlechtmöglichsten Zeitpunkt.

Bei der Photovoltaik (PV) befinden sich die meisten Industriekapazitäten bereits in der Volksrepublik China. Es entbehrt nicht einer gewissen Dramatik, wenn hierzulande die Erneuerbaren unbedingt stärkste Energieerzeuger werden sollen und gleichzeitig die deutsche Industrie für PV und Windkraft am Boden liegt.

Gerade jetzt, wo europäische Windradbauer und auch Modulproduzenten händeringend gebraucht werden, kündigt sich der endgültige Tod eines Industriezweiges an, in dem die Bundesrepublik einst Vorreiter war. In Zeiten des Klimawandels und des Versuchs, sich unabhängiger vom russischen Gas zu machen, einfach ein fatales Signal. Es drängt sich der Eindruck auf, dass die Bemühungen der Politik zu spät und auch vermutlich an falscher Stelle ansetzen.

Damit Deutschland und auch Europa die Energiewende schaffen, braucht es zwingend eine funktionierende Windkraft- und PV-Industrie auf europäischem Boden. Sonst schlittern wir bereits in die nächste ungewünschte Abhängigkeit von autokratischen Regimen. Ein Fünkchen Hoffnung sieht die Branche in den aktuell geplanten beschleunigten Genehmigungsverfahren für die Standorte erneuerbarer Energien. Ob das allerdings alleine ausreichen wird, um der Industrie wieder auf die Beine zu helfen, das zweifele ich doch an. Den Wettlauf mit der Zeit verlieren wir in jedem Fall.


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