Windkraft

Verschwörungsglaube reduziert die Akzeptanz von Windrädern

13. Dezember 2022, 12:07 Uhr | Corinne Schindlbeck
Statkraft Windpark Oedelsheim
© AA+W/Adobe Stock

Der Bau von Windkraftanlagen scheitert oft am Widerstand der lokalen Bevölkerung. Forschende des Leibniz-Instituts für Wissensmedien (IWM) in Tübingen konnten nun zeigen, dass der Glaube an Verschwörungstheorien einen entscheidenden Anteil an der Ablehnung von Windrädern hat.

Die Windkraft könnte bei der Reduzierung des CO2-Ausstoßes und in der aktuellen Energiekriese eine entscheidende Rolle einnehmen, um den Energiebedarf in Deutschland zu decken. Doch der Ausbau stockt seit einigen Jahren. Neben bürokratischen Hürden zieht häufig der Widerstand aus der Bevölkerung den Bau von Windkraftanalagen in die Länge oder verhindert diesen ganz.

Die Ursachen hat nun eine Forschungsgruppe untersucht. „Falschinformationen und Verschwörungstheorien über Windräder – beispielsweise über scheinbare negative gesundheitliche Folgen – sind in sozialen Medien weitverbreitet“, erklärt Dr. Kevin Winter, wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Arbeitsgruppe Soziale Prozesse am IWM, die Ausgangslage. Zudem konnte in früheren Forschungsarbeiten gezeigt werden, dass Verschwörungsglaube mit einem erhöhten Misstrauen gegenüber Autoritäten und Institutionen einhergeht – also den Akteuren, die den Ausbau der Windenergie vorantreiben.

In Zusammenarbeit mit der University of Queensland (Australien) konnten Forschende des IWM in einer repräsentativen Umfrage in der deutschen Bevölkerung mit über 2000 Teilnehmenden nun erstmals nachweisen, dass der Glaube an Verschwörungstheorien eine entscheidende Rolle bei der Ablehnung von Windrädern spielt.

Um dies zu untersuchen, wurden die Teilnehmer gebeten, sich vorzustellen, wie sie in einem Referendum über den Bau von Windrädern in ihrem Wohnort abstimmen würden. „Verschwörungsglaube hatte hier einen weitaus größeren Einfluss als demographische Faktoren wie Alter, Bildungsgrad oder die politische Orientierung“, fasst Projektleiter Winter die Studienergebnisse zusammen.

Das Bereitstellen von Informationen über den Nutzen der Windräder wirkt sich hingegen positiv auf die Zustimmung aus, fanden die Forscher in acht Studien mit über 4000 Teilnehmenden heraus. Auch bei Menschen, die eine Neigung zum Glauben an Verschwörungstheorien aufweisen. Diese positive Wirkung der Kommunikation fiel allerdings deutlich geringer aus, wenn Menschen an eine konkrete Verschwörungstheorie rund um das Referendum glaubten oder ihnen zeitgleich negative Informationen über die Windräder präsentiert wurden.

„Unter realistischen Bedingungen scheint es also schwierig zu sein, nur mit Informationen gegen den Verschwörungsglauben anzukommen“, resümiert Winter. Hier könne es ratsam sein, auf präventive Maßnahmen wie hohe Transparenz und frühe Kommunikation zu setzen, die verhindern, dass Verschwörungstheorien und Falschinformationen ihre Wirkung entfalten. 


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