E-Auto-Batterien

Je älter, desto sicherer

04. Mai 2021, 08:37 Uhr   |  Irina Hübner

Je älter, desto sicherer
© Lunghammer – TU Graz

Untersuchungen der TU Graz zeigen: Batterien von E-Autos werden unterm Strich sicherer mit dem Alter. Im Bild: Projektleiter Christian Ellersdorfer mit Kollegen Christian Trummer bei der Batterien-Crashanlage des Battery Safety Center Graz.

Untersuchungen an der TU Graz zeigen: Je älter eine E-Auto-Batterie ist, desto geringer ist die Gefahr, die von ihr ausgeht. Für die Autoindustrie könnte das Vorteile beim Verbauen der Batterie mit sich bringen.

Im Rahmen des K-Projekts SafeBattery hat ein Team der TU Graz in den vergangenen vier Jahren das Verhalten von Lithium-basierten Batterien von Elektroautos bei Crash-Belastungen untersucht. »Die Performance neuer Batteriezellen ist weitgehend bekannt, daher beschäftigten wir uns mit dem gesamten Lebenszyklus«, erklärt Projektleiter Christian Ellersdorfer vom Institut für Fahrzeugsicherheit. Gemeinsam mit Industriepartnern wie AVL, Audi oder Daimler hat das Forscherteam Szenarien beleuchtet, die eine Batterie im Laufe ihres Lebens erleben kann: etwa Vibrationen und starke Beschleunigungen durch Parkrempler, schwere Unfälle sowie das ständige Laden und Entladen der Batterien.

Veränderungen durch das Laden und Entladen

Mithilfe von Crashtests, Simulationsmodellen und Berechnungsverfahren konnten die Forschenden feststellen, dass Vibrationen und Beschleunigungen das Verhalten von Batterien kaum beeinflussen. Deutlichere mechanische und elektrische Veränderungen zeigten sich allerdings durch das ständige Laden und Entladen der Batterie. Derart gealterte Batteriezellen besitzen bei mechanischer Belastung eine höhere Steifigkeit. »Die Veränderungen bedeuten aber nicht zwingend, dass Batterien mit dem Alter gefährlicher werden. Im Gegenteil: Die Summe der Einflüsse macht sie über die Zeit sicherer, weil sie auch elektrische Energie verlieren«, sagt Ellersdorfer.

Die Untersuchungen an der TU Graz zeigen, dass Zellen mit stark reduziertem Kapazitätsgehalt nach einem internen Kurzschluss einen abgeschwächten Verlauf des so genannten Thermal Runaways haben. Durch das geringere Energiepotential von gealterten Batterien sinkt also die Wahrscheinlichkeit von unfallverursachten Batteriebränden.

Nutzen für Autoindustrie

Dank der Forschungsergebnisse wissen die Hersteller jetzt, was sie einer Batteriezelle zutrauen können. Das ermöglicht materialsparende Designs und mehr Effizienz, wie Ellersdorfer erklärt: »Bislang wurde die Batterie so verbaut, dass Deformationen bei jedem erdenklichen Szenario ausgeschlossen werden konnten. Jetzt können die Hersteller den Bauraum besser nutzen. Und Sicherheits-Checks einer neuen Zelle besitzen Gültigkeit für die gesamte Lebensdauer der Batterie.«

Qualifizierung für ein zweites Leben

In der Zeitleiste eines Batterielebens geht das SafeBattery-Konsortium jetzt einen Schritt weiter: Im jüngst gestarteten COMET-Projekt SafeLIB sollen die Veränderungen in E-Batterien gemeinsam mit weiteren Partnern (LIT Law LAB, Infineon, Fronius, Mercedes) noch genauer beleuchtet werden, um daraus Sicherheitsfaktoren für die Nachnutzung ableiten zu können. »Für E-Autos sind gebrauchte Batterien mit einer Leistungskapazität von 80 Prozent nicht mehr geeignet, sehr wohl aber für stationäre Energiespeicher oder für Werkzeugmaschinen. Dafür ermitteln wir erstmals allgemeingültige Messgrößen im Bereich der Sicherheit«, beschreibt Ellersdorfer das Vorhaben.

Die Forschenden bedienen sich dabei der Prüfstandstechnik für Batteriensicherheit im Ende 2020 eröffneten Battery Safety Center Graz. Dort kann das Vorleben einer Batteriezelle in einem besonders hohen Detailgrad untersucht werden. Berücksichtigt werden außerdem die rechtlichen Rahmenbedingungen zur Wiederverwendbarkeit, zum Beispiel die Frage der Haftung bei Folgeschäden. Neben dem sogenannten State of Health, die die vorhandene Rest-Kapazität und Leistungsfähigkeit einer Batteriezelle wiedergibt, soll so ein State of Safety definiert werden, mit dem der Sicherheitsstatus einer Batterie über den gesamten Lebenszyklus beurteilt werden kann. SafeLIB hat eine Laufzeit von vier Jahren und endet 2025. Die Österreichische Forschungsgesellschaft FFG fördert das K-Projekt mit insgesamt 6 Millionen Euro.

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