Nachhaltige Batterieherstellung

Umweltverbände kritisieren Hinhaltetaktik der EU-Staaten

14. Dezember 2021, 16:26 Uhr | Ralf Higgelke
Barbara Metz, Deutsche Umwelthife
Barbara Metz, Stellvertretende Bundesgeschäftsführerin der Deutschen Umwelthilfe
© Stefan Wieland

Über 90 Prozent der Akkus von Smartphones, Tablets und Laptops sind fest verbaut. Damit verursachen sie hohe Reparaturkosten und enormen Rohstoffverbrauch für Neugeräte. Daher fordern 40 europäische Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen, die geplante EU-Batterieverordnung schnell umzusetzen.

In einem breiten Bündnis von 40 europäischen Umweltschutz- und Menschenrechtsorganisationen fordern die Deutsche Umwelthilfe, Germanwatch und PowerShift in einem offenen Brief die schnelle Umsetzung der geplanten EU-Batterieverordnung. Hintergrund ist der Versuch des Europäischen Rats, das Inkrafttreten von Vorgaben für eine nachhaltigere Herstellung und Gestaltung von Batterien um mehrere Jahre zu verzögern. Aus Sicht von Deutscher Umwelthilfe, Germanwatch und PowerShift muss die Verordnung wie geplant in Kraft treten und in entscheidenden Punkten nachgebessert werden.

Eine aktuelle Studie zur Austauschbarkeit und Reparierbarkeit von Batterien zeigt, dass in mittlerweile über 90 Prozent der tragbaren Elektrogeräte, wie etwa Smartphones und Laptops, die Akkus fest verbaut oder verklebt sind. Dies führt zu deutlich höheren Reparaturkosten und vielfach zu einem vorzeitigen Geräteaustausch, obwohl lediglich die Leistung des Akkus abgenommen hat.

»Wiederverwendung und Recycling von Batterien sind das beste Mittel, um den umweltschädlichen Abbau von Batterierohstoffen zu vermeiden«, erklärt Barbara Metz, Stellvertretende Bundesgeschäftsführerin der Deutschen Umwelthilfe. Daher fordert sie: »Umweltministerin Steffi Lemke muss dem Umweltausschuss des EU-Parlaments bei den Verhandlungen zur EU-Batterieverordnung zur Seite stehen und sicherstellen, dass Batterien in Elektrogeräten und leichten Transportmitteln auch für die Nutzerinnen und Nutzer einfach austauschbar sind.«

Menschenrechtssituation kritisch

Neben einer konsequenten Wiederverwendung, der Reparatur und dem Recycling von Batterien fordern Deutsche Umwelthilfe, Germanwatch und PowerShift auch die Einhaltung von Menschenrechten und Umweltschutzstandards bei der Ressourcengewinnung. Nach Einschätzung der Verbände reichen die in der EU-Batterieverordnung vorgesehenen Maßnahmen bisher nicht aus, um den Schutz von Ökosystemen und Menschenrechten beim Abbau von Rohstoffen sicherzustellen.

»Es ist gut, dass die EU-Batterieverordnung erstmals auch menschenrechtliche und ökologische Anforderungen an den Abbau von Rohstoffen für Batterien stellt«, meint Johanna Sydow, Rohstoffexpertin bei Germanwatch. Allerdings sei es aus ihrer Sicht nicht nachvollziehbar, warum Akkus für E-Räder oder E-Roller ausgenommen seien – einem Segment mit steigendem Rohstoffbedarf. Daher fordert sie: »Die Anforderungen müssen für alle Batterietypen gelten, und ihre Einführung darf nicht noch einmal drei Jahre nach hinten verschoben werden.«

Michael Reckordt, Leiter der Abteilung Rohstoffpolitik bei PowerShift, gibt Folgendes zu bedenken: »Eisen, Aluminium und Kupfer sind mengenmäßig wichtige Bestandteile der Batterie im E-Auto.« Er fordert daher die Bundesregierung auf, sich dafür einzusetzen, dass diese Rohstoffe in die EU-Batterieverordnung aufgenommen werden. Reckordt ergänzt: »Der Kupferabbau in Ecuador führt zur Rodung von Regenwäldern und der Abbau des für die Aluminiumgewinnung benötigten Bauxits in Guinea zur Vertreibung der Menschen von ihrem Land. Nachhaltige Batterien in Europa wird es ohne Einbezug dieser Rohstoffe nicht geben.«


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