Die Brennstoffzelle geht in Serie

ABT e-Line rüstet E-Transporter auf Wasserstoffantrieb um

1. Dezember 2022, 10:34 Uhr | Irina Hübner
Umgerüsteter E-Transporter von ABT e-Line.
Durch die Realisierung des neuen Antriebskonzepts konnte ABT e-Line ein Reichweitenplus von mehreren hundert Kilometern erzielen.
© ABT e-Line

Die üblichen Tagesetappen in der Expresslogistik können E-Transporter mit einer Batterieladung kaum schaffen. Das macht Brennstoffzellenantriebe für die Transporter-Klasse attraktiv. Nach Erfahrungen in Projekten und mit Demonstrator-Fahrzeugen startet ABT e-Line nun die Kleinserienentwicklung.

Transporter mit Verbrennungsmotoren stoßen erhebliche Mengen CO2 aus. Batteriebasierte Elektroantriebe sind zwar lokal emissionsfrei, aber nur in gewissen Grenzen eine Alternative, denn ihre Reichweite ist limitiert und das Nachladen nimmt viel Zeit in Anspruch. Doch beispielsweise in der Expresslogistik sind Tagesetappen von etwa 800 km üblich, wofür ohne Ladestopp Batteriegrößen von 300 kWh nötig wären.

Dass dies in der Transporter-Klasse nicht darstellbar ist, zeigt ein Vergleich mit dem Pkw-Bereich. Dort verfügen E-Autos selbst im Premiumbereich selten über Batteriekapazitäten von mehr als 100 kWh. »Wir sehen deshalb einen sinnvollen Einsatzbereich der Wasserstoff-Brennstoffzelle in der Langstreckenlogistik«, sagt Eric Plekkepoel, CEO von ABT e-Line, einer Tochterfirma der ABT-Gruppe, die sich auf alternative Antriebe spezialisiert hat.

Umgerüstete E-Transporter als Demonstrator-Fahrzeuge

Das Unternehmen konnte bei zwei großen Tier-1-Projekten in den letzten drei Jahren viel Erfahrung bei der Integration von Brennstoffzellenantrieben sammeln. Im nächsten Schritt hat das Unternehmen zwei serienmäßige E-Transporter als Demonstrator-Fahrzeuge mit dieser Technik umgerüstet. Erstmals präsentiert wurden diese auf der IAA Transportation in Hannover. Die Marktnachfrage ist so groß, dass sich ABT e-Line entschloss, die Serienentwicklung mit Partnern zu starten.

Beim Aufbau der Demonstrator-Fahrzeuge hat das Kemptener Unternehmen die Fahrzeugintegration des Brennstoffzellensystems, das Sicherheitskonzept des Gesamtfahrzeugs, den kompletten Fahrzeugaufbau sowie die Straßenzulassung übernommen. Ferner wurde ein 700-bar-Wasserstofftanksystem integriert. Zwei bis sieben Speichertanks können in wenigen Minuten betankt werden.

Deutliches Reichweitenplus

Aufgrund der Fahrzeugarchitektur und der verfügbaren Bauräume stellten die Umbauten eine Herausforderung dar. Doch durch die Realisierung des neuen Antriebskonzepts wurde ein Reichweitenplus von mehreren hundert Kilometern erzielt. Das Nachtanken ist jetzt sogar später nötig als bei vergleichbaren Diesel-Modellen.

Auch wenn die Zukunft der Mobilität aus Effizienzgründen überwiegend batterieelektrisch sein wird, bietet die Brennstoffzelle gerade im Transporterbereich ein enormes Potenzial für Nischenanwendungen. Die wasserstofftypische Energiedichte, die sich mit der aktuellen Batterietechnik bei weitem nicht realisieren lässt, ist ein echter USP, wenn es auf Reichweite ankommt. Zudem geht das Nachtanken wesentlich schneller von der Hand als das Aufladen von Batterien.

ABTe-Line sieht sich bei Brennstoffzellenantrieben in der Rolle eines Technologietreibers und Experten für die Konzeption und Umsetzung von marktreifen Kleinserien.


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