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E.VITA zu Smart-Meter-Gateways: Was beim Rollout alles schief läuft

Stefan Harder, GF von E.VITA, erklärt, was bei Smart-Meter-Gateways schief läuft und warum Quartiersysteme die Zukunft sind.

Bild: E.VITA Bildquelle: © Bild: E.VITA

Stefan Harder, E.VITA: „Wir dürfen uns nicht entmutigen lassen: Im Quartier macht die Integration von BHKWs und PV-Anlagen richtig Spaß, Inselsysteme entstehen und sie wachsen zusammen. Dann spielen zum Beispiel Netzentgelte auch keine Rolle mehr. Dann lohnt sich die Integration von Speichern und der ­Elektromobilität.“

Markt&Technik: Der Smart-Meter-Gateway-Rollout verzögert sich weiter. War das nach der langen Geschichte der versuchten Einführung schon absehbar und macht den Kohl jetzt auch nicht mehr fett?

Stefan Harder, Geschäftsführer E.VITA: Der Smart-Meter-Rollout ist ein Desaster. Bis zum zweiten Quartal 2017 sollten drei Gateway-Administratoren benannt werden, Ende 2017 sollte dann der Rollout erfolgen. Jetzt sollen bis Ende 2018 drei Gateway-Administratoren benannt werden. Das heißt im Klartext: Es gibt noch einmal eine Verzögerung von mindestens eineinhalb Jahren. Erst nach der Benennung der drei Administratoren könnte der Roll-out starten. Ehrlich gesagt, es ist für mich unverständlich, warum es Deutschland bisher nicht gelungen ist, Smart-Meter-Gateways auszurollen.

Wie sieht es denn für gewerbliche Verbraucher aus, die viel größere Energiemengen abnehmen?

Da funktioniert es offenbar ohne Probleme. Es gibt doch die großen Brüder der Smart-Meter-Gateways, die RLM-Zähler. Sie sind schon lange im Einsatz – und zwar ohne aufwändige Administration. Da stellt sich die Frage, ob die kleinen Verbraucher denn in anderer Weise schützenswert sind. Beim Einsatz in der Messung von Stromverbräuchen senden die Messstellenbetreiber alle 15 Minuten Daten. Das wäre ja bei den Smart-Meter-Gateways auch nicht anders. Warum soll es also so kompliziert sein, das Smart-Meter-Gateway einfach als kleineren Bruder des RLM zu betrachten?

Warum wären die Smart-Meter-Gateways überhaupt erforderlich?

Das ist ja fast schon in Vergessenheit geraten: Weil die Energiewende kommen soll. Der Energieverbrauch der Kunden wird eher steigen, Elektrofahrzeuge und die erforderlichen Ladestationen müssen integriert werden, die Verbraucher erzeugen selber Energie über Photovoltaik, Wärmepumpen, BHKWs und weitere Anlagen, die ins Niederspannungsnetz einspeisen. Um das alles steuern zu können und die Kunden in die Lage zu versetzen, verbrauchsscharf abrechnen zu können, wären die Smart-Meter-Gateways dringend erforderlich. Stattdessen verwenden wir heute immer noch das Standard-Lastprofilverfahren. Deshalb ist es nicht möglich, bei Verbräuchen von unter 100.000 kWh pro Jahr den individuellen Verbrauch genau abzurechnen. Ob ein Kunde sein Verhalten geändert hat, kann nicht in Betracht gezogen werden. Das erschwert es, kundengerechte Preise zu generieren.

Aber immerhin soll der Rollout ja Ende des Jahres kommen …

… inzwischen gehen die EEG-Anlagen aus der Förderung heraus, dann kommt es auf den Eigenverbrauch an und dann bräuchte man die Smart-Meter-Gateways ebenfalls dringend. Das Ganze beißt sich hinten und vorne.

Auch weil wir in Deutschland so viele Versorger haben?

Das kommt natürlich erschwerend hinzu. Wir sind in Deutschland in über 800 Elektrizitätsnetzen tätig. Gerade die vielen kleinen haben Probleme, die gesetzlichen Vorgaben einzuhalten und die Investitionen tätigen zu können. Leider befinden wir uns hier in einer energiewirtschaftlichen Kleinstaaterei. Auch die Rekommunalisierung war nicht immer zielführend.

Warum ist das ein so großes Problem?

Es ist ja fast schon witzig: Ein bis zweimal im Jahr gibt es neue Lieferanten-Rahmenverträge. Da bleibt fast alles gleich, aber sie müssen immer wieder neu unterschrieben werden und zwar in doppelter Ausführung. Wir könnten einen hauptberuflichen Unterschreiber einstellen. Hinzu kommt beispielsweise auch, dass die Netzbetreiber in unterschiedliche Regionen unterschiedliche Messgebühren erheben. Im Sinne gleicher Wettbewerbsbedingungen müsste das vereinheitlicht werden.

Warum ist es so schwierig, Gateway-Administratoren zu benennen?

Das frage ich mich auch. Warum sind die übrigen Europäer bereits viel weiter und warum hat es denn schon 2017 nicht geklappt? Es geht schlussendlich um Daten-Management, das dürfte in Zeiten von Alexa nicht allzu schwer sein. Es geht um einen Zähler, der alle 15 Minuten Daten sendet.

Heute haben wir Millionen von Verbraucher, die ihren Energieverbrauch verfolgen und reduzieren wollen. Auch wenn sie elektronische Zähler benutzen, dann kann nur das Standardverfahren greifen. Nur mit Hilfe der Smart-Meter-Gateways, der intelligenten Messstellen, besteht die Möglichkeit, Transparenz ins Netz zu bringen und so steuern zu können, dass die Energiewende gelingen kann.

Führen Sie im Moment Pilotprojekte mit Messstellenbetreibern durch?

Ja, wir arbeiten mit Messstellenbetreibern zusammen und führen Tests durch.

Wie viele Smart-Meter-Gateways werden dabei getestet?

Rund 100 Zähler. Das genügt, um vorbereitet zu sein, sobald es tatsächlich losgeht. Die Messstellenbetreiber warten ja auch. Aber das sind halt Sandkastenspiele, bevor der große Roll-out kommt. Mehr können wir jetzt nicht tun.