Umfrage zum Wasserstoff-Markthochlauf

Das ist für eine wettbewerbsfähige H2-Wirtschaft nötig

28. Februar 2022, 12:53 Uhr | Kathrin Veigel
Fraunhofer IEG grüner Wasserstoff
Laut einer wissenschaftlichen Metaanalyse wird der Wasserstoffbedarf im Jahr 2030 um ein Vielfaches höher sein als die inländischen Erzeugungskapazitäten.
© anusorn nakdee/iStock.com

Wie stellen sich Wissenschaft, Wirtschaft, NGOs und öffentliche Verwaltung die künftige Wasserstoffwirtschaft in Deutschland vor? Eine neue Umfrage von Acatech und der DECHEMA Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie gibt darauf nun Antworten.

Herkunftsnachweise für klimaverträglichen Wasserstoff sind laut Aussage einer Mehrheit von Expertinnen und Experten ein zentraler fördernder Faktor für den Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft in Deutschland. Das geht aus der Umfrage »Wasserstoffwirtschaft 2030/2050: Ziele und Wege« von Acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und der DECHEMA unter knapp 600 Vertreterinnen und Vertretern aus Wissenschaft, Wirtschaft, NGOs und öffentlicher Verwaltung hervor. Die Studie ist Teil des zweijährigen Kooperationsprojekts »Wasserstoff-Kompass«.

Um den Markthochlauf anzustoßen, sind aus Sicht der Befragten aber auch noch weitere Maßnahmen notwendig. Unter anderem solle der für die Wasserstofferzeugung eingesetzte Strom von staatlichen Preisbestandteilen weitestgehend befreit werden. Überdies sind nach Meinung der Befragten staatliche Zuschüsse für Wasserstoffprojekte vonnöten.

Die Umfrageergebnisse weisen außerdem auf zentrale Hemmnisse für eine großskalige Erzeugung von klimaneutralem Wasserstoff in Deutschland hin: 59 Prozent der Befragten sehen die hohen Investitions- und Unterhaltskosten als hinderlich für die Wirtschaftlichkeit von Produktionsanlagen. Ebenfalls 59 Prozent der Befragten betrachten die unzureichenden Flächen für Erneuerbare-Energien-Anlagen als zentralen Hemmschuh.

Um Wasserstoff als Energieträger zu etablieren, braucht es aus Sicht der Befragten zudem akzeptanzfördernde Maßnahmen, insbesondere für den Ausbau erneuerbarer Energien, in Bezug auf das Thema Sicherheit bei der Wasserstofferzeugung und -nutzung sowie für neue Wasserstoff-Transport-Infrastrukturen.

»Unsere Umfrageergebnisse verdeutlichen, dass Wissenschaft, Wirtschaft, NGOs und öffentliche Verwaltung einen sehr ähnlichen Blick auf Treiber und Hemmnisse für den Wasserstoff-Markthochlauf haben-, resümierte Prof. Dr.-Ing. Jan Wörner, Acatech-Präsident. »Diese Ergebnisse sind ein wichtiger Anhaltspunkt bei der Erstellung einer Wasserstoff-Roadmap auf Basis der demnächst überarbeiteten Nationalen Wasserstoff-Strategie. Diese Wasserstoff-Roadmap kann nur erfolgreich sein, wenn sie auf einen ebenso koordinierten wie flexiblen Instrumenten-Mix abzielt. So können zeitgleich und schnell Erzeugung, Transport- und Speicherinfrastrukturen wie auch Anwendungsbereiche entstehen.»

Wasserstoffmarkt 2030

Acatech und DECHEMA erarbeiten derzeit eine Metaanalyse, in der sie fortlaufend Studien und Strategiepapiere zum Thema Wasserstoff auswerten. Die Auswertung weist bislang Elektrolyseprojekte aus, die 2030 eine Gesamtkapazität von circa fünf Gigawatt haben werden. Im Koalitionsvertrag hat sich die neue Bundesregierung auf ein Elektrolysekapazitätsziel von 10 Gigawatt bis 2030 verständigt.

Allerdings zeigt die Metaanalyse des Wasserstoff-Kompasses: Selbst bei optimistischen Annahmen der Laststunden und bei Erreichen der politischen Zielsetzung, werden die bis 2030 aufgebauten heimischen Kapazitäten nicht ausreichen, um den Minimalbedarf von etwa 50 Terawattstunden zu decken. »Nachhaltiger Wasserstoff wird in den nächsten Jahren eine knappe Ressource bleiben, die einem wachsenden Bedarf gegenübersteht«, folgerte Klaus Schäfer, Vorstandsvorsitzender der DECHEMA. »Um zukünftig Nachfrage und Angebot in Einklang zu bringen, ist es unverzüglich notwendig, die richtigen politischen Weichen zu stellen. Dabei stehen der Politik verschiedene Handlungsoptionen zur Verfügung. Mit dem Projekt Wasserstoff-Kompass tragen wir dazu bei, die ökologischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Aspekte der verschiedenen politischen Handlungsoptionen aufzuzeigen.«


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