Brennstoffzellenbranche optimistisch

Deutscher Brennstoffzellen-Markt überschreitet die 100-Millionen-Euro-Umsatzschwelle

20. Juni 2013, 10:11 Uhr   |  Engelbert Hopf

Deutscher Brennstoffzellen-Markt überschreitet die 100-Millionen-Euro-Umsatzschwelle
© VDMA

Einsatzentwicklung des deutschen Brennstoffzellenmarktes

Bereits in diesem Jahr, das ergab eine kürzlich veröffentlichte Industriebefragung durch die Arbeitsgemeinschaft Brennstoffzellen des VDMA, könnte der Umsatz mit Brennstoffzellen die 100-Millionen-Euro-Schwelle in Deutschland überschreiten.

Eine besondere Bedeutung gewinnt dieses Untersuchungsergebnis dadurch, dass in diese Umsatzschätzung Brennstoffzellen zur Stromerzeugung in Auto- und Busantrieben gar nicht mit eingerechnet wurden. Ausgehend von der aktuellen Marktentwicklung hält die Industrie zudem für 2020 ein Umsatzvolumen von knapp 2 Mrd. Euro auf dem deutschen Brennstoffzellenmarkt für möglich. Langfristig fällt die aktuelle Befragung damit positiver aus als die Umfrageergebnisse 2011. Zwar wurde damals mit dem Erreichen der 100-Mio.-Euro-Umsatzschwelle schon für 2012 gerechnet, gleichzeitig fielen jedoch die Erwartungen für 2020 mit gut 1 Mrd. Euro deutlich niedriger aus.

2012 lagen die Umsätze der Brennstoffzellenindustrie in Deutschland in den Bereichen Hausenergieversorgung, Industrieanwendung, Bord- und Notstromversorgung bei etwa 80 Mio. Euro. So positiv die Langzeitprognose ausfällt, so zeigt die aktuelle Befragung doch leichte Verzögerungen bei der kurz- bis mittelfristigen Technologieeinführung auf. So fallen auch die Erwartungen für 2015 gegenüber der Befragung aus dem Jahr 2011 leicht gedämpft aus. Ungeachtet dieser dämpfenden Elemente generieren die Hersteller aus Deutschland in diesem Jahr hohe zweistellige Wachstumsraten.

Aktuell beschäftigt die Branche rund 1500 Mitarbeiter, bis 2020 könnte sich diese Zahl nach Angaben von Johannes Schiel, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Brennstoffzellen im VDMA auf 6000 Mitarbeiter erhöhen. Vor zwei Jahren war die Industrie für 2020 noch von 5000 Beschäftigten ausgegangen. Da Transportanwendungen von der Umfrage nicht berücksichtigt wurden, ist für diesen Bereich mit zusätzlichen starken Umsatz- und Beschäftigungszahlen zu rechnen. Der Großteil der in Deutschland produzierten Brennstoffzellen verbleibt auch hier, die Exportquote liegt derzeit bei 28%. Bis 2020 soll sich der Exportanteil nach den Erwartungen der Industrie in Richtung 50 Prozent entwickeln.

Ein Blick auf die heute noch zumeist kleinen Brennstoffzellensysteme für spezielle Märkte zeigt, dass die Zahl dieser Systeme steigt: von etwa 4000 im Vorjahr auf voraussichtlich 14.000 im Jahr 2015. Für 2020 geht die Studie inzwischen von über 100.000 Systemen mit immer größeren Leistungen aus.

Richtung 2020 werden aber auch stationäre Brennstoffzellen immer wichtiger und überholen die sog. Early Markets bei Stückzahlen und installierter Leistung. Im Bereich Hausenergie hat eine Studie des Instituts für Energie- und Umweltforschung in Heidelberg im Herbst 2012 Szenarien für die ökologische und ökonomische Bedeutung der Strom- und Wärmeerzeugung mit Brennstoffzellen im Einfamilienhaus entwickelt, die durch die aktuelle VDMA-Brennstoffzellen-Umfrage nun bestätigt werden.

Guido Gummert, Geschäftsführer von Baxi Innotech und Vorsitzender der VDMA Arbeitsgemeinschaft Brennstoffzellen, summiert die Erwartungen der Gerätehersteller so: »Wir rechnen mit mindestens 70.000 Brennstoffzellenheizgeräten in 2020 für die Installation in Deutschland und einem ähnlichen Volumen für den Export. Gemeinsam mit zahlreichen größeren Anlagen in Gewerbegebäuden und Industrieanwendungen werden in Deutschland demnach im Jahr 2020 Brennstoffzellen mit zusammen über 200 MW Leistung neu installiert. Damit werden Brennstoffzellenanlagen auch energiewirtschaftlich bedeutend.«

Den Prognosen nach ist die Marktvorbereitung trotz leichter Verzögerung auf einem guten Weg. Die Technologien sind ausgereift und die Kosten bereits deutlich gesunken. Einen starken Anteil daran dürfte auch das Nationale Innovationsprogramm für Wasserstoff- und Brennstofftechnologien der Bundesregierung (NIP) haben, das die Hersteller von Systemen und Komponenten für stationäre und spezielle Anwendungen in den letzten fünf Jahren mit rationell kalkulierten Mitteln unterstützt hat. Allerdings weisen die leicht gedämpften Prognosen für 2015 darauf hin, dass noch Hemmnisse bei der Technologieeinführung bestehen, deren Beseitigung es noch zum Fortschreiten der Lernkurve und zur Hebung der Skaleneffekte bedarf. »Hersteller von Brennstoffzellen und deren Zulieferindustrie brauchen verlässliche energiepolitische Rahmenbedingungen zur Kostensenkung und Systemoptimierung, auch jenseits des aktuellen NIP«, fassen Schiel und Gummert die jüngsten Marktforschungsergebnisse zusammen.

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