Deutscher Gründerpreis 2021

Kommt Wasserstoff bald aus der Pfandflasche?

hydrogenious technologies
Hydrogenious Technologies baut auf flüssige organische Wasserstoffträgermaterialien (Liquid Organic Hydrogen Carriers – LOHC). Durch Hydrierung (Bindung der Wasserstoffmoleküle an das flüssige Trägermaterial) entsteht eine unbrennbare, nicht-explosive, nicht-toxische oder als Gefahrgut deklarierungspflichtige Substanz, die 630 Nm3 Wasserstoff pro Kubikmeter speichert und diesen durch katalytische Dehydrierung wieder abgibt.
© Hagen Lang

Unter den Finalisten des Deutschen Gründerpreis 2021 ist ein Startup, dass eine sichere Transportmöglichkeit von grünem Wasserstoff erfunden hat.

Der Deutsche Gründerpreis 2021 wird jährlich von den Partnern stern, Sparkassen, ZDF und Porsche verliehen.

Unter den Finalisten in den Kategorien Aufsteiger und StartUp sind in diesem Jahr als Aufsteiger die Hydrogenious LOHC aus Erlangen, mit deren Technologie grüner Wasserstoff gefahrlos und effizient gelagert und transportiert werden soll. Bislang ließ sich das leicht entzündliche Gas nur mit großem Aufwand transportieren.

Dr. Daniel Teichmann (38) und seine Mitgründer, die Universitätsprofessoren Peter Wasserscheid (50), Wolfgang Arlt (69) und Eberhard Schlücker (65), entwickelten eine Art Pfandsystem für Wasserstoff: Das Gas wird an ein Wärmeträger-Öl gebunden und kann damit in der bestehenden Infrastruktur für heutige Kraftstoffe transportiert werden. Bei Bedarf wird der Wasserstoff wieder davon gelöst und das Öl – wie eine Pfandflasche – für die nächste Ladung benutzt. 

Damit ergeben sich, so die Hoffnung, neue Möglichkeiten für die Speicherung und den Import erneuerbarer Energie: Per Windkraft oder Solarenergie soll durch Elektrolyse Wasserstoff gewonnen und dank LOHC-Verfahren vergleichsweise einfach gespeichert werden, bei „Flaute“ oder Nachts wird der Energieträger dann freigesetzt.

Mit dem sogenannten LOHC-Verfahren (LOHC steht für „Liquid Organic Hydrogen Carrier“ oder „Flüssiger organischer Wasserstoffträger) lässt sich wegen der hohen Speicherdichte fünfmal so viel Wasserstoff speichern, als wenn dieser etwa mit Druck komprimiert wird. Zudem bestehen keine gesonderten Anforderungen an die Transportfahrzeuge. Hydrogenious stellt auf Basis seiner LOHC-Technologie die Anlagensysteme zur Speicherung und Freisetzung des Wasserstoffs her, Industrie-Maschinen zur Umwandlung von jeweils mehreren tausend Tonnen Wasserstoff pro Jahr.

Dr. Daniel Teichmann hat seine Dissertation „Konzeption und Bewertung einer nachhaltigen Energieversorgung auf Basis flüssiger Wasserstoffträger (LOHC)“ in ein Unternehmen verwandelt. 2013 hat er Hydrogenious mitgegründet. Seine Alma Mater, die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, hält seit 2014 einen Anteil im einstelligen Prozentbereich, hat dafür 15 Patente an das Unternehmen übertragen. Inzwischen hat Hydrogenious 45 Patente angemeldet und zahlreiche Investoren haben sich engagiert, darunter Autohersteller Hyundai, Automotive-Supplier Winkelmann Group, Chemiekonzern Covestro, die Mitsubishi Corporation, Öl-Terminal-Betreiber Vopak und AP Ventures, der Venture Capital Fund des weltweit führenden Platin-Bergbauunternehmens Anglo Platinum. „Wir haben bis dato etwas mehr als 30 Millionen Euro an Investorengeldern eingeworben.“

Grüner Wasserstoff ist für Dr. Teichmann der Energieträger der Zukunft. Dabei geht es ihm zwar primär um den Einsatz in der Industrie, „aber auch der Verkehrssektor wird von Wasserstoffantrieben und damit von unserer LOHC-Anwendung profitieren, weil sie beispielsweise eine sichere Tankstellen-Infrastruktur ermöglicht“, glaubt er.

Sein Auto, ein Hyundai Nexo, tanke ebenfalls Wasserstoff an einer von rund 100 Tankstellen in Deutschland in drei Minuten für 60 Euro voll, Reichweite 600 Kilometer. Die Mobilitäts-Zukunft für Wasserstoff sieht Dr. Teichmann jedoch vor allem dort, wo Elektro seine Grenzen hat: beim Antrieb von Frachtschiffen oder Lkw, die tausende Kilometer durch Europa fahren.

Die Preisträger und Finalisten in den Kategorien StartUp und Aufsteiger erhalten eine individuelle Beratung durch die Unternehmensberatung Porsche Consulting GmbH. Zudem übernehmen Kuratoriumsmitglieder des Deutschen Gründerpreises Patenschaften für die jungen Unternehmen. Die Unternehmen erhalten außerdem ein Medientraining beim ZDF sowie Zugang zum Alumni-Netzwerk des Deutschen Gründerpreises.

 


 


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