Leserbriefe zu Wasserstoff und Brennstoffzellen

Schlimmer als Atomkrieg oder sinnvoller als Batterien?

19. April 2011, 11:13 Uhr   |  Heinz Arnold


Fortsetzung des Artikels von Teil 4 .

Gefährlicher als Atomkrieg?

H2 halte ich für eine gefährlichere Angelegenheit als einen atomaren Weltkrieg.

Der Mensch ist bekanntermaßen gierig und in manchen Bereichen durchaus lernfähig.

Nun stellen Sie sich vor, dass es infolge einer H2-Infrastruktur riesigen H2-Bedarf gibt. Es wird Goldgräberstimmung aufkommen! Und es wird ein gnadenloser Verdrängungswettbewerb der H2-Anbieter stattfinden.
Im Zuge dessen ist mit dramatischen Preiskriegen zu rechnen. Ob H2 nun aus Wind- oder Sonnenkraft oder sonst was gewonnen wird, wird dabei keine nennenswerte Rolle spielen.

Was macht den Preis aus? Dass sich irgendwelche Menschen darum kümmern müssen, die bezahlt sein wollen. Folge: Es wird der den Stich machen, der das Ganze mit möglichst wenig Menschen und mit nur minimalem Materialeinsatz zustande bringt.

Mikroorganismen bieten sich dabei im Zusammenhang mit der Gentechnik förmlich an. Man kann ihnen beibringen, wie man möglichst viel H2 aus der irgendwie angebotenen Energie gewinnen kann. Aber nicht nur das.
Man wird ihnen auch beibringen, wie sie größeren Temperaturschwankungen widerstehen. Denn Regelungen kosten Geld. Will man billig sein, muss man darauf verzichten können. Man wird ihnen beibringen, wie sie selbst für ihren optimalen pH-Wert sorgen, weil ja jede Regelung Geld kostet und man drauf verzichten will. Man wird ihnen beibringen, wie sie sich gegen Fremdorganismen behaupten können, weil das andernfalls zu viel Arbeit für Menschen verursacht. Anders ausgedrückt: Man wird Organismen schaffen, die überall überleben werden, weil nur damit die Produktion sicher am billigsten gewährleistet werden kann.

So weit wär's ja noch kein Drama. Aber diese Organismen werden die Fabriken über kurz oder lang verlassen und dann überall H2 produzieren. Auch mit den paar Verpuffungen, die es damit immer wieder geben wird,
wird man noch halbwegs gut leben können.

Schwieriger wird's, wenn man sich die Frage stellt, was mit dem H2 passiert, das nicht schnell einen Bindungspartner in der Atmosphäre findet. Es wird die Atmosphäre ziemlich schnell nach oben hin durchqueren. In der aggressiven Ozonschicht wird sich sicher noch etwas Wasser bilden - das Ozon ist damit schnell verschwunden und was Wasser in diesen Höhen macht, wissen wir auch noch nicht.

Der eigentliche Hammer ist jedoch der, dass große Anteile noch weiter aufsteigen werden und vom Sonnenwind in die Weiten des Alls geblasen wird. H2 ist der leichteste Stoff auf der Erde. Die Erdanziehung kann ihn nicht halten. Wie will man in einem solchen Szenario noch korrigierend eingreifen? Woher soll man Wasser ohne Wasserstoff kriegen?

Die Erde wird austrocknen. Möglicherweise hat der Mars ein solches Szenario schon hinter sich. Viel Leben gibt's dort nicht mehr.

Ich sehe absolut keinen Grund, weshalb wir die Voraussetzungen für einen solchen Großversuch schaffen sollten. Wir haben mehr als genug andere und viel sinnvollere Alternativen.

Christoph Müller
Christoph.Mueller@astrail.de

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1. Schlimmer als Atomkrieg oder sinnvoller als Batterien?
2. Wasserstofftanks sind rollende Bomben
3. Im Störfall Explosionsgefahr!
4. Wasserstoff: Es bleiben viele Fragen offen
5. Gefährlicher als Atomkrieg?

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