Kommentar

Toyota prescht mal wieder vor

17. Juli 2014, 15:04 Uhr   |  Engelbert Hopf

Toyota prescht mal wieder vor
© energie-und-technik.de

Engelbert Hopf, Energie&Technik

Toyota? Ja, da war doch was: 1997 stellte der japanische Autobauer das erste Großserienmodell mit eingebautem Hybridmotor vor. Im April nächsten Jahres wird Toyota nun wiederum der erste sein, wenn es darum geht, das erste Großserienmodell mit Wasserstofftechnik auf den Markt zu bringen.

Umgerechnet 50.000 Euro werden Käufer dann für das Brennstoffzellenfahrzeug ausgeben müssen. Angetrieben wird das Gefährt von einer Brennstoffzelle, in welcher der getankte Wasserstoff mit Sauerstoff reagiert. Die so erzeugte Energie wird in einer Batterie zwischengespeichert.

Eigentlich nichts Neues. Bereits in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre stand die internationale Automobilindustrie einmal unmittelbar vor der Einführung der Wasserstoff- bzw. Brennstoffzellentechnik. Mit einem Milliarden-Dollar-Forschungsaufwand hatten sich damals die Großen der Branche daran versucht, die angekündigte Zero-Emission-Gesetzgebung des Staates Kalifornien zu erfüllen. Mastermind all dieser Bemühungen war die kanadische Firma Ballard, an der alle, die sich um das Wasserstoff-/Brennstoffzellenauto bemühten, Beteiligungen hielten.

Doch unter dem Druck der Automobil-Lobby wurden die harten Vorgaben des Californien Air Resources Board schließlich doch noch aufgeweicht. Statt Zero-Emission genügt schließlich auch Low-Emission. Statt Elektrofahrzeugen taten es nun auch Hybridfahrzeuge. Kein Wunder, dass der Toyota Prius seinen Siegeszug außerhalb Japans vor allem in Kalifornien startete. Während der Wettbewerb seine F&E-Ausgaben in Sachen Brennstoffzellenfahrzeug aus den 1990er Jahren abschrieb und archivierte, setzte Toyota seine Bemühungen offenbar konsequent fort.

Zugegeben, in Japan steht das Thema Wasserstofftechnologie ganz oben auf der politischen Agenda. Ministerpräsident Shinzo Abe hat gerade erst eine Initiative zur Förderung der Technik angekündigt. So sollen üppige Subventionen und Steuererleichterungen den Kauf von Brennstoffzellen-Autos und den Betrieb der entsprechenden –Tankstellen fördern. Maßnahmen, die darauf abzielen, den Preis für ein solches Fahrzeug bis zum Jahr 2025 auf umgerechnet 15.000 Euro zu reduzieren und damit die japanische Automobilindustrie langfristig wettbewerbsfähig zu halten.

Und hierzulande? Traditionell scheinen sich die hiesigen Automobilbauer mit allem schwer zu tun, was nicht den klassischen Verbrennungsmotor als Antrieb beinhaltet. BMW i3 und i8 mögen schöne Beispiele für die Bemühungen um ein Elektroauto sein, wie großserienfähig sie sind, wird sich noch zeigen. Es verwundert also nicht, wenn die deutschen Automobilbauer wie Daimler erste Brennstoffzellenautos 2017 auf den Markt bringen wollen. Bei BMW hat man sich nach einigen Abwägungen schließlich mit Toyota zusammengetan. Kann sein, dass es nach dem Vorpreschen der Japaner nun nicht mehr bis 2020 dauert, bis BMW ein Brennstoffzellen-Auto präsentiert.

Auch bei Daimler setzt man übrigens auf geteiltes Risiko. Im Vorjahr wurde ein entsprechendes F&E-Abkommen mit Ford und Renault-Nissan geschlossen. Neben den 1,6 Milliarden Euro, die im Rahmen des »Nationalen Innovationsprogramms Wasserstoff und Brennstoffzellentechnologie« von Seiten des Bundes bis 2016 in Forschung und Entwicklung der Technologie investiert werden, sowie den noch dazu kommenden EU-Programmen, kümmert sich seit Herbst letzten Jahres ein Konsortium, bestehend aus Daimler, Air Liquide, Linde, OMV, Shell und Total darum, dass für die neuen Fahrzeuge ein Wasserstofftankstellennetz aufgebaut wird. 100 in den nächsten vier Jahren, 400 bis 2023. Kostenpunkt dafür: 350 Millionen Euro.

Angesichts der bisherigen »Erfolge« auf dem Weg zum politisch proklamierten »deutschen Leitmarkt der Elektromobilität 2020«, darf man durchaus gespannt sein, wie die weitere Alternative zum klassischen Verbrennungsmotor von Seiten der Käufer angenommen wird. Ohne einen weiteren kräftigen Anstieg der Rohölpreise werden alternative Antriebskonzepte in Deutschland wohl nur über steuerliche Anreize eine Chance haben. Aber die Haltung der Politik zu diesem Thema ist ja hinlänglich bekannt.
 
Ihr Engelbert Hopf

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