NOW-GmbH: Batterie- und Brennstoffzellen-Techniken ergänzen sich

»Zwei Infrastrukturen aufzubauen ist sinnvoll!«

19. April 2011, 12:33 Uhr   |  Heinz Arnold

»Zwei Infrastrukturen aufzubauen ist sinnvoll!«
© NOW GmbH

Dr. Klaus Bonhoff, NOW GmbH: »Die Wasserstofffahrzeuge, die heute im Rahmen von Demonstrationsprogrammen gefahren werden, sind also absolut sicher. Sie haben den kompletten Entwicklungszyklus der Automobilhersteller – inklusive Crash-Test – durchlaufen. Die Fahrzeuge sind also absolut sicher.«

Der Bau von Wasserstoff-Tankstellen ist finanzierbar, der Aufbau einer Wasserstoff-Infrastruktur wäre sinnvoll und schließlich: Autos mit Wasserstofftanks sind keine Bomben. »Es wird sowohl Batterie- als auch Brennstoffzellen-Elektroautos geben«, erklärt Dr. Klaus Bonhoff, Sprecher der NOW GmbH.

Energie & Technik: Viele Leute erschrecken, wenn sie hören, dass sie künftig Wasserstoff tanken sollten. Wasserstoff sei sehr gefährlich und nicht zu beherrschen. Wie gefährlich ist Wasserstoff aus Ihrer Sicht?

Dr. Klaus Bonhoff: Wasserstoff ist ein Energieträger, der wie jeder andere Kraftstoff auch in Verbindung mit Luft entzündbar ist. Ist in einem Tank nur Wasserstoff vorhanden, dann besteht keine Explosionsgefahr.
Risikobewertungen zeigen, dass Wasserstoff nicht gefährlicher ist als etwa Benzin oder Erdgas; zudem wird Wasserstoff seit mehr als 100 Jahren z.B. in der Chemie-Industrie in großen Mengen sicher kommerziell genutzt.

Autos mit Wasserstofftanks sind keine Bomben?

Nein. Der Energieinhalt der Wasserstofftanks in den Fahrzeugen liegt typischerweise unter dem von regulären Benzin- oder Dieselfahrzeugen. Weltweit hat sich die Automobilindustrie bei Wasserstoff auf die Druckgasspeicherung bei 700 bar geeinigt - der Druck von Wasserstoffspeichern ist mechanisch beherrschbar.

Die Wasserstofffahrzeuge, die heute im Rahmen von Demonstrationsprogrammen gefahren werden, haben den kompletten Entwicklungszyklus der Automobilhersteller – inklusive crash-Test – durchlaufen, sind für den Straßenverkehr zugelassen. Die Fahrzeuge sind also absolut sicher.

Und der flüchtige Wasserstoff kann auch nicht aus den Tanks entweichen?

Wird der Wasserstoff tiefkalt in flüssiger Form gespeichert, ist der sogenannte boil-off – also das Verdampfen des Wasserstoffs – bei längerer Speicherzeit nicht zu vermeiden. Die neueste Betankungstechnik nutzt aber nicht flüssigen, sondern gasförmigen Wasserstoff. Brennstoffzellenfahrzeuge tanken diesen unter hohem Druck, dabei ist die Diffusion  vernachlässigbar und es treten keine Verluste auf.

Auf der Hannover Messe 2011 konnte man den Eindruck gewinnen, dass Wasserstoff-Brennstoffzellen kurz vor dem Durchbruch stünden, auch als Antrieb für Autos. Was macht Sie so optimistisch?

Die Brennstoffzellentechnologie wurde in den letzten zehn Jahren kontinuierlich weiter entwickelt. Es gibt große Fortschritte bei der Lebensdauer, der Zuverlässigkeit und bei den Kosten. Einige der größten Fahrzeughersteller weltweit haben angekündigt, dass sie ab 2015 bezahlbare Brennstoffzellenfahrzeuge in den Markt einführen wollen. In anderen Bereichen sind Brennstoffzellen bereits kommerziell verfügbar, so z.B. für Gabelstaplerflotten, im Freizeitbereich als netzunabhängige Stromquelle oder im Bereich der Notstromversorgung. Insbesondere für Autos gilt aber natürlich, dass auch die Infrastruktur vorhanden sein muss. Im Rahmen der 2009 gegründeten H2-Mobility-Initiative arbeiten viele Firmen – von den Autoherstellern bis zu den Mineralölkonzernen – in diesem Punkt zusammen.

Wie viele Tankstellen wären dazu erforderlich?

Für ein flächendeckendes Netz würden ca. 1.500 Tankstellen über Deutschland verteilt ausreichen.

Wie viele Tankstellen gibt es heute?

In Deutschland gibt es knapp 30 Wasserstoff-Tankstellen, nur wenige davon sind öffentlich zugänglich. Die meisten dienen der Betankung existierender Flotten und einige betreiben die Automobilhersteller, die die Wasserstoff-Autos entwickeln. Im Rahmen der Clean Energy Partnership (CEP) werden öffentliche Tankstellen in Berlin, Hamburg, Düsseldorf, Frankfurt und Stuttgart betrieben.Im Juni wird Shell in Berlin eine weitere öffentliche Wasserstoff-Tankstelle in Betrieb nehmen.

Was kostet eine Wasserstoff-Tankstelle?
 
Im Moment muss man für eine 700-bar-Tankstelle mit Investitionen von 1 bis 2 Mio. Euro rechnen. Die Investitionssumme ist davon abhängig, wie das Gas angeliefert wird, ob eine eigene Elektrolyse durchgeführt wird und ob die Tankstelle für PKWs oder auch für Lastwagen und Busse ausgelegt ist. Damit ist eine Wasserstofftankstelle etwa 3-4 Mal teurer als etwa eine Gastankstelle. Allerdings gibt es noch einiges Potenzial für Kostensenkungen, etwa für den Wasserstoff-Kompressor. Der Preis für die Tankstellen kann schnell um die Hälfte sinken. Davon gehen wir aus.

Wie sehen die nächsten Schritte aus?

Über die nächsten zwei Jahre sollen im Rahmen laufender Demonstrationsprogramme 15 neue öffentliche Tankstellen hinzukommen. Neben der Industrie engagieren sich hier die Bundesregierung und auch die Länder.

Da klafft zu 1.500 Tankstellen für ein flächendeckendes Netz noch eine große Lücke. Was ist bis 2015 geplant, wenn die Automobilhersteller erste Serienfahrzeuge auf den Markt bringen wollen?

Darüber diskutieren die Beteiligten noch. Es werden 2015 ja keine Großserien auf den Markt kommen, die Hersteller rechnen mit einer Produktion zwischen 1000 und 10.000 Stück im ersten Jahr. Für das Jahr 2020 gehen wir von einem Bestand von einigen 100.000 Fahrzeugen und einer Produktion von einigen 100.000 Fahrzeugen pro Jahr aus. Das Fernziel besteht darin, bis 2025 ein flächendeckendes Netz aufzubauen, wobei bereits 2020 mehr als die Hälfte der Einwohner in Deutschland eine Wasserstofftankstelle in ihrer Nähe haben können. Wichtig ist ein abgestimmter Prozess zwischen Fahrzeughochlauf und dem Ausbau der Infrastruktur.

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