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Weltpremiere: Erste kommerzielle Power2Gas Anlage im Gebäudebestand

In Augsburg sorgt die erste kommerzielle Power2Gas-Anlage im Gebäudebestand für drastische Emissionsreduzierung von Bestandsbauten aus den 70er Jahren.

Leuchtturmprojekt für Wohnungsbaugesellschaften Bildquelle: © Exytron

Darstellung des Energie-Versorgungskreislaufes von Exytron am Beispiel eines Mehrfamilienhauses.

Auf Initiative der Stadtwerke Augsburg Energie GmbH in Zusammenarbeit mit dem Unternehmen energy forever GmbH & Co KG (München/ Gundelfingen) wurden 70 Wohneinheiten aus den siebziger Jahren energetisch saniert. In der Marconistraße ersetzt eine Power2Gas-Anlage 15-19 sanierungsbedürftige Ölkessel zur Wärme- und Warmwassererzeugung. Ferner wurde eine PV-Anlage mit 150 kWp Leistung auf den Dächern der Gebäude der Wohnbaugruppe Augsburg (WGB)  installiert. Das technologische Gesamtkonzept des Vorhabens nennt sich EXYTRON SmartEnergyTechnology.

Die Mieter des knap 5.400 Quadratmeter großen Wohnblocks merken nichts davon, dass hier ein energetischer Nutzungsgrad von rekordverdächtigen 90 Prozent realisiert wurde, auch deshalb nicht, weil ihre Energiepreise stabil blieben. Immerhin sind sie Mieter des ersten Bestands-Wohnblocks, der den Passivhaus Plus Standard erreicht.

Die Wohnanlage wurde zunächst nach dem energetische Sanierungsstandard KfW 100 Standard saniert, der strenge Anforderungen an den Primärenergiebedarf und den Transmissionswärmeverlust von Gebäuden stellt. Für beide Parameter  definiert die Energieeinsparverordnung (EnEV) Höchstwerte, die ein vergleichbares Referenzgebäude einhalten muss. Ein KfW-Effizienzhaus 100 entspricht genau den Vorgaben der EnEV.

Die Bewohner können künftig ihren kompletten Wärmebedarf sowie einen Großteil ihres Strombedarfes mit selbst erzeugter Energie decken. Das Gesamtsystem wurde von der Firma EXYTRON GmbH aus Rostock entwickelt und beinhaltet die Verwendung selbst erzeugten Ökostroms zur Erzeugung, Speicherung und Nutzung von regenerativem Erdgas ohne Emissionen.

Überschüssiger, nicht direkt selbst verbrauchter Strom der PV-Anlage sowie günstiger Ökostrom aus dem Stromnetz wird von einem Elektrolyseur zur Erzeugung von regenerativem Erdgas genutzt, das speicherbar ist. In der Elektrolyse anfallende Wärme wird zur Wärmeversorgung des Gebäudes genutzt. Wenn die PV-Anlage keinen Strom liefert, wird das regenerative Erdgas in einem BHKW zur Erzeugung von Wärme und Strom eingesetzt.

Das bei der Verbrennung von Erdgas im BHKW und bei der Methanisierung entstehende CO2 dient im Kreislauf als Wertstoff zur weiteren Produktion von regenerativem Erdgas. Die Wärmespitzen der Wintermonate deckt emissionsarmes konventionelles Erdgas.

Um mehr als 70 Prozent gegenüber herkömmlichen Gebäuden senkt das Konzept den Ausstoß von CO2 und NOx und erzeugt zudem keinerlei Feinstaub. Es amortisiert sich im Vergleich zu einer klassischen energetischen Sanierung schneller und erlaubt, die Klimaschutzstandards von 2030 bzw. 2050 schon heute zu erfüllen. Eine Stromnetzentlastung ergibt sich, weil der selbst erzeugte PV-Strom nicht in die Verteilnetze gelangt, sondern vor Ort gespeichert und verbraucht wird.