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Kieler Hafen: Sauberer Strom für Schiffe vom Land

Im Kieler Hafen stehen ab sofort Anschlüsse für Landstrom zur Verfügung, um die Umweltbelastung deutlich zu reduzieren.

Der erste Landstrom-Anschluss im Seehafen Kiel. Bildquelle: © Ministeriums für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus (MWVATT) Schleswig-Holstein

Der erste Landstrom-Anschluss im Seehafen Kiel.

Denn dann müssen die Schiffsdieselgeneratoren während der Liegezeit nicht mehr laufen, um Strom zu produzieren. Schiffe sind gefürchtete Dreckschleudern, denn das Öl, das sie verbrennen, setzt besonders große Mengen an Schadstoffen frei.

Das soll die neue 4,5-MW-Landstromanlage für den Norwegenkai jetzt deutlich ändern. Die Schiffe produzieren dann keine Schadstoffe während ihrer Liegezeit, die den Hafen und die Stadt belasten.

Bis 2020 sollen weitere Landstrom-Anlagen am Schwedenkai und Ostseekai gebaut werden. Damit kann der Kieler Hafen künftig mehr als die Hälfte aller Schiffsanläufe mit Landstrom versorgen. Allein die Anbindung am Norwegenkai kostet rund 1,3 Millionen Euro. Kiel will damit europaweit Maßstäbe für einen sauberen Hafen setzen. »Die neue Anlage liefert die größte Landstrommenge in ganz Deutschland«, sagte Seehafen-Geschäftsführer Dirk Claus. Für den Ostseekai rechnet er damit, dass im ersten vollen Betriebsjahr 70 bis 80 Kreuzfahrtschiffe mit Landstrom versorgt werden können. Der Hafen erwartet in diesem Jahr 178 Anläufe von 33 verschiedenen Kreuzfahrtschiffen.

Die Schiffe der norwegischen Reederei Color Line, »Color Fantasy« und »Color Magic«, verbinden Kiel täglich mit Oslo. Ankunft ist morgens um 10.00 Uhr mit Abfahrt um 14.00 Uhr. Der jährliche Strombedarf während der Hafenliegezeit beträgt rund 4 Millionen KWh, was dem Verbrauch rund 4 Millionen Haushalten pro Jahr entspricht. Die Landstromanlage für den Kieler Norwegenkai hat eine maximale Anschlussleistung von 4,5 MW bei einer elektrischen Spannung von zehn KV und einer Netzfrequenz von 50 Hz.

Allerdings hat die Versorgung über Landstrom einen Haken: Der Strom von Land ist teurer als der über die eigenen Dieselgeneratoren erzeugte Strom. Koordinator der Bundesregierung für die maritime Wirtschaft, Norbert Brackmann, die Color Line für die Bereitschaft, im Sinne der Umwelt Gewinnverluste hinzunehmen. Aber: »Diese Investition darf nicht dauerhaft von den Unternehmen subventioniert werden müssen«, fordert deshalb der Koordinator der Bundesregierung für die maritime Wirtschaft, Norbert Brackmann.

Er dankte der Color Line dafür, dass sie bereit sei, zum Vorteil der Umwelt Gewinnverluste hinzunehmen. Color Line-Chef Trond Kleivdal appellierte an die Bundesregierung, die EEG-Umlage für Landstrom zu senken, um die Stromkosten zu verringern.

Der Bund werde den Weg frei machen, um Landstrom konkurrenzfähig zu machen, sagte Brackmann zu. Er kündigte dazu ein Maßnahmenpaket an, dass noch Ende des Monats den Ländern vorgeschlagen werde. Sinnvoll könnte es aus Brackmanns Sicht auch sein, europaweit für Landstrom eine Anschluss- und Abnahmepflicht anzustreben, um die Häfen emissionsfrei zu machen.

Herzstücke der Anlage sind die Übergabestation von Land an das Schiff (PLUG) des Herstellers NG3 und die luftisolierte metallgekapselte Mittelspannungsschaltanlage. Die PLUG-Übergabestation ist mit einer speicherprogrammierten Steuerung ausgestattet, die mit der Schaltanlage der Landstation kommuniziert. Vollautomatisch werden alle notwendigen Schaltvorgänge ausgeführt, die vom Schiff über die Schnittstelle übermittelt wurden. Bevor die Stromübergabe von Land an das Schiff erfolgt, prüft das System die korrekten Stecker- und Kabelverbindungen. Ist dies erfolgt, wird die Landstromverbindung zugeschaltet. Das Schiff synchronisiert sich mit der Landstromanlage, die die Bordversorgung übernimmt.