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Beim Neustart den Sprung über die 100-Mio.-Euro-Schwelle im Auge

02. Juni 2010, 17:31 Uhr   |  Engelbert Hopf


Fortsetzung des Artikels von Teil 1 .

Beim Neustart den Sprung über die 100-Mio.-Euro-Schwelle im Auge

In diesem Bereich gibt es unter anderem mit Panasonic einem Global Player, der diesen Markt bedient. Wie sind da Ihre Chancen als mittelständisches Unternehmen?

Wir sind kleiner, damit aber auch deutlich flexibler. Das E-Bike-Geschäft ist zudem ein Saisongeschäft, das ein hohes Maß an Flexibilität erfordert, das kommt uns natürlich entgegen. Dass es hier nicht zu Interessenkonflikten kommt, können sie unter anderem daran ablesen, dass Panasonic für uns Zellen nach unseren Entwicklungsvorgaben fertigt. In Zukunft wird der Wettbewerb in diesem Marktsegment, nicht zuletzt auch durch neue zusätzliche W e ttbewerber, aber sicher noch intensiver werden.

Zeichnet sich am Beispiel E-Bike die zukünftige Entwicklung von BMZ vom Konfektionär zu einem entwicklungsorientierten Unternehmen mit eigenen Produktlösungen ab?

BMZ hat sich bereits zu einem Entwicklungsunternehmen mit angeschlossener Produktion entwickelt. Bei den E-Bikes bieten wir zum Beispiel inzwischen auch eine Komplettlösung an, die von der Batterielösung über das Modem und die Motorelektronik bis zum Funkdisplay und dem benötigten Kabelsatz reicht. Von den 310 Mitarbeitern am Standort Karlstein arbeiten heute allein 40 im Bereich Entwicklung. Deren Entwicklungsleistung dokumentiert sich unter anderem in einer Lithium-Ionen-basierten Motorrad- Starter-Batterie, die 5 Ah liefert und nur ein Drittel so groß ist wie die bisher in diesen Applikationen verwendeten Bleibatterien.

Kompaktere Abmessungen, höhere Performance. Wohin geht nach Ihrer Einschätzung die technische Entwicklung speziell im Bereich der Lithium-Ionen-Akkus in den nächsten Jahren?

Es sieht so aus, als ob die meisten Hersteller die nächsten Jahre konsequent auf Trimix-Zellen setzen würden. Nachdem Nickel-Cobalt-Zellen bei 2,6 Ah limitiert sind, hat die Umstellung auf Nickel-Cobalt-Mangan bisher bereits eine Steigerung auf 2,8 bis 2,9 Ah bei Lithium-Rundzellen der Größe 18650 ermöglicht. Mit Nickel-Cobalt-Aluminium bewegen wir uns nun auf 3,1 Ah zu, und bis 2013 sollen damit sogar 4 Ah möglich sein. Titanat als Elektrodenmaterial würde der Kfz-Markt gerne sehen, ich schätze die Chancen für eine solche Lösung aber nicht allzu hoch ein. Lithium-Eisenphosphat wiederum hat das Problem, dass der Power- Tool-Markt bislang nicht wirklich auf diese Lösung anspringt. Hinzu kommt, dass das Spannungsniveau für zahlreiche Applikationen, die 3,3 oder 3,7 V erfordern, einfach zu niedrig ist. Ein aktuelles Beispiel dafür ist wiederum der Power-Tool- Markt, dort wird inzwischen eine Steigerung der Batteriepack-Spannung von 36 auf 48 V angestrebt.

Weltweit ziehen die Rohstoffpreise wieder an. Rechnen Sie wieder mit der Einführung von Rohstoffzuschlägen bei den Batterie- und Akku-Preisen?

In naher Zukunft wohl kaum. Derzeit sind immer noch Überkapazitäten am Markt, und die Hersteller haben in den letzten Jahren durch Veränderungen der Elektrochemie den Kostenanteil »preissensitiver« Rohstoffe in ihren Zellen reduziert. Aktuell versuchen einige Hersteller sogar wieder, ihre Marktanteile durch sehr preisaggressives Verhalten auszubauen. Da kann es durchaus passieren, dass ein Lithium-Akku, der bisher 2,50 Euro gekostet hat, nun für 1,50 Euro angeboten wird. Derzeit wird auch viel mit Rabatten am Markt gearbeitet. Dieser Käufermarkt wird wohl bis Ende 2011 bestehen bleiben. Sind die Linien dann wieder voll, werden die Preise nach oben gehen.

Sie sprachen zuvor vom boomenden E-Bike-Markt. Gibt es noch andere Anwendermärkte, die sich in Zukunft durch besonders starke Zuwächse auszeichnen könnten?

Die höchsten Zuwachsraten verzeichnet derzeit nach dem E-Bikeder Medizinelektronik-Markt. Das Wachstum dort bewegt sich bei 20 Prozent und wird vor allem getrieben von Applikationen wie Defibrilatoren, Infusionspumpen, Beatmungsgeräten, Patientenmonitoring- Lösungen oder auch Elektrorollstühlen. Hohe Zuwachsraten verzeichnen wir aber auch in den Applikationsbereichen Klein- und Flurförderfahrzeuge.

Nach dem Krisenjahr 2009, wie lautet der Forecast der BMZ für das Jahr 2010?

Wir haben als weltweit agierende Gruppe im letzten Jahr mit weltweit rund 650 Mitarbeitern einen Umsatz von etwa 100 Mio. Euro erzielt. Unser Ziel für das laufende Geschäftsjahr liegt bei 115 bis 120 Mio. Euro.

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