Stromspeicher

Der entscheidende Baustein im Netz

24. Juni 2022, 9:37 Uhr | Kathrin Veigel
Stromspeicher puffert schwankenden Solarstrom
Stromspeicher puffern zum Beispiel schwankenden Solarstrom.
© Siemens

Stromspeicher werden immer wichtiger, um die Energiewende zu schaffen. Sie sind wichtig, um Netze und Produktion stabil zu halten, und mit ihnen lässt sich die Kapazität der Erneuerbaren steigern, selbst wenn keine neuen Anlagen gebaut werden.

Die Dunkelflaute verliert ihren Schrecken, wenn mithilfe von Stromspeichern ausreichend Speicherkapazität installiert ist. Zudem übernehmen die Speicher auch wichtige Aufgaben innerhalb der Netzinfrastruktur. »Die Speicher können auch Spannungsspitzen ausgleichen«, so Markus W. Voigt, CEO der Aream Group. Auf diese Weise lasse sich die Netzfrequenz von 50 Hertz stabil halten. Eine größere Zahl verbauter Speicher innerhalb der Netze würde dafür sorgen, dass die Netze insgesamt deutlich stabiler laufen und weniger Eingriffe notwendig sind. Dies steigert die Effizienz der Netze und trägt dazu bei, die Betriebskosten zu senken.

Wichtiger zur Kapazitätssteigerung ist das Speichern von Strom bei Überlast. Bislang werden die Anlagen abgeregelt, wenn mehr produziert wird, als das Netz transportieren kann. Ein sonnenreicher Starkwind-Tag als Gegenteil zur Dunkelflaute sorgt dafür, dass eine große Menge Stromerzeugungskapazität ungenutzt bleibt. Um Überlast zu vermeiden, regeln die Netzbetreiber die Anlagen auf rund 60 Prozent ihrer Leistung ab. Im Extremfall können die Anlagen auch ganz ausgeschaltet werden, der Strom wird dann gar nicht erst produziert.

Allein durch das Vermeiden dieser Abregelungen lässt sich die Menge des zur Verfügung stehenden grünen Stroms deutlich steigern. »Genaue Zahlen sind schwierig zu bekommen, die Bundesnetzagentur geht davon aus, dass 2019 rund drei Prozent des Stroms aus Erneuerbaren Energien abgeregelt wurden«, erklärt Voigt. Angesichts immer weiter steigenden Bedarfs sei es aber fahrlässig, Strom wegzugeben.

Speicher sind aktuell noch zu teuer

Dabei sind die Speicher derzeit noch recht teuer und eher bescheiden in ihrer Größe. In Bayern ging gerade der größte Batteriespeicher für Strom aus einer Photovoltaik-Anlage ans Netz. »Dieser hat eine Kapazität von 750 kWh und kostete rund 500.000 Euro«, so Voigt. Skaliert auf einen 10-MW-Park erhöht sich die Summe der Investition auf etwa fünf Millionen Euro. 

Dabei schreitet die Entwicklung effizienterer Speicher voran, die Preise werden in Zukunft also sinken. »Trotzdem sind Speicherlösungen heute oder zumindest in naher Zukunft bereits interessante Investments«, sagt Voigt. Sie ermöglichten den Betreibern der Wind- oder Solarparks eine bessere Planung und ein Ausschöpfen der Produktionskapazität. Zudem könne auf diese Weise Strom auch in Zeiten knappen Angebots zu einem dann höheren Marktpreis in die Netze geleitet und die erzeugten Übermengen gewinnbringend verkauft werden.

»Es war das Erneuerbare-Energien-Gesetz, das dem grünen Strom zum Durchbruch verhalf«, meint Voigt. Jetzt sei es Zeit, die Erfolgsgeschichte mit den Speicherlösungen weiterzuschreiben: »Wichtig ist, dass Anreize gezielt wirken und nach einer gewissen Zeit nicht mehr notwendig sind«, so Voigt.

Das hat bei den Erneuerbaren Energien bislang hervorragend funktioniert. »Es wurde neben dem staatlichen Geld viel privates Kapital aktiviert und in die entsprechenden Technologien gelenkt«, sagt Voigt. Das sorgte für Innovation, Wachstum und Skaleneffekte, sodass neue Wind- und Photovoltaik-Anlagen mittlerweile ohne Subventionen auskommen. Dies sollte auch das Ziel für die Speichertechnologien sein.


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